Pressemitteilung

Fünfte DEKRA/IFA-Studie „Innovative Mobilitätsdienstleistungen"

Carsharing – ein Geschäft für Autohäuser?

Carsharing – ein Geschäft für Autohäuser?
  • Formen der gemeinsamen Automobilnutzung nehmen zu
  • Klinke: „Handel muss sich neue Geschäftsfelder erschließen“
  • Studie nennt strategische Optionen für Autohäuser

Die Automobilbranche registriert einen Wandel im Mobilitätsverhalten der Menschen, vor allem in Ballungszentren und beim jüngeren Publikum. Bietet der aktuelle Trend zu Carsharing und andere Formen der gemeinsamen Automobilnutzung auch Chancen für den Automobilhandel? Mit dieser Frage beschäftigt sich die fünfte DEKRA/IFA-Studie „Innovative Mobilitätsdienstleistungen – Chance oder Risiko für den Automobilhandel?“.

„Dass innovative Mobilitätskonzepte durchaus auf Interesse stoßen, beweisen die verschiedenen Praxiserprobungen im urbanen Umfeld. Langfristig durchsetzen werden sich aber nur die Konzepte, die sich im Praxistest am zuverlässigsten zeigen, und zwar nicht nur in Bezug auf die Fahrzeuge und deren Sicherheit, sondern auf den kompletten Prozess von der Buchung über die Fahrt bis hin zur Abrechnung“, sagt Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands der DEKRA SE und Vorsitzender der Geschäftsführung der DEKRA Automobil GmbH. „Der potenzielle Nutzer, sei es der gewerbliche oder der private Fahrer, wird neue Konzepte und Technologien nur akzeptieren, wenn sie praktikabel, sicher und bezahlbar sind. Die Ausgestaltung solcher Konzepte birgt Chancen und Potenziale für den Automobilhandel.“

Zu den neuen Formen der geteilten Automobilnutzung gehören das gewerbliche und private Carsharing, das Carpooling (Fahrgemeinschaften) und die Mitfahrzentralen. „Diese Ansätze sind zwar heute und in der überschaubaren Zukunft kein wirklich ernsthaftes Bedrohungspotenzial für den professionellen Automobilhandel“, sagt Prof. Willi Diez, der Leiter der Studie. „Andererseits sollte man die Chancen erkennen, die in dieser Entwicklung liegen.“

Der Studie zufolge bietet das klassische Carsharing mit einem Potenzial von knapp 3 Millionen Nutzern für den Automobilhandel am ehesten die Chance, am Wachstumsmarkt der innovativen Mobilitätsdienstleistungen zu partizipieren. Carsharing beruht laut Prof. Diez auf einem komplexen, Know-how- und kapitalintensiven Wertschöpfungsmodell, in dem die Preisspielräume durch die hohe Preissensibilität der Nutzer eng begrenzt sind. Der kostendeckende Auslastungsgrad des Fahrzeugbestandes liege zwischen 30 und 50 Prozent bzw. einer durchschnittlichen täglichen Nutzungsdauer von gut 7 bis 12 Stunden.

Da dies mit Privatkunden kaum zu erreichen ist, hat die Vermietung an Geschäftskunden mit meist längeren Nutzungsintervallen eine große strategische Bedeutung. Eine Alternative dazu bietet die Mehrfachnutzung von Fahrzeugen, die zum Beispiel als Werkstattersatzwagen oder Testfahrzeug genutzt werden. „Auch wenn solche Möglichkeiten ausgeschöpft werden, stellt sich die Wirtschaftlichkeit von Carsharing als sehr prekär dar“, heißt es in der Studie.
Unter Chancen-Risiko-Aspekten seien – über eine punktuelle Zusammenarbeit hinaus – drei strategische Optionen für Autohäuser am besten geeignet: die Kooperation mit einem Carsharing-Anbieter, die lizensierte Nutzung technischer Carsharing-Plattformen und der Betrieb eine Carsharing-Systems.

Diese Optionen erfordern keine großen Vorleistungen, bieten aber die Chance, am Wachstum des Marktsegments teilzunehmen. Allerdings dürften die Ertragschancen nicht überschätzt werden. So lassen sich aus reinen Mietvorgängen nur sehr begrenzt Erträge generieren. Eine Chance sehen die Autoren in der Generierung von zusätzlichen Kundenkontakten. „Die größten Ertragspotenziale für Autohäuser liegen zweifellos in der Durchführung der notwendigen Wartungs-, Reparatur- und Pflegearbeiten in Verbindung mit der Stellung von Ersatzfahrzeugen“, heißt es in der Studie.

„Entscheidend für ein erfolgreiches Engagement ist letztlich ein Wandel der Einstellung im Automobilhandel zu innovativen Mobilitätsdienstleistungen“, betont Prof. Diez. Der Automobilhandel habe gezeigt, dass er zum Wandel fähig ist. „Zweifellos sind jene im Vorteil, die einen Trend früher erkennen und aufgreifen als andere.“

Hinweis: Die DEKRA/IFA-Studie kann zum Preis von 89 Euro bezogen werden bei Barbara-Jutta Conzelmann, DEKRA Automobil GmbH, Tel. 0711 / 7861-2414, E-Mail: barbara-jutta.conzelmann@dekra.com. Sie wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Willi Diez am Institut für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtigen-Geislingen im Auftrag der DEKRA Automobil GmbH erstellt.

Carsharing – Fünf Chancenpotenziale für Autohäuser

Für die aktive Beteiligung von Autohäuser an Carsharing-Aktivitäten sehen die Autoren der DEKRA/IFA-Studie von allem fünf Ansatzpunkte:

  • Punktuelle Zusammenarbeit mit Carsharing-Betreibern, die dem Status quo entspricht. Grundlage ist eine Kunden-Lieferanten-Beziehung. Bietet geringe Risiken, aber auch keine wirklich neuen Ertragsquellen.
  • Auf Dauer angelegte Kooperation. Mit einem Carsharing-Anbieter. Exklusiver Rahmenvertrag bei der Belieferung mit Neu- und Gebrauchtwagen und beim Service. Vorteil: Exklusive Kundenbindung, die auch werblich genutzt werden kann. Hier sind entsprechende Neuwagenrabatte und Stundenverrechnungssätze einzuräumen.
  • Lizensierte Nutzung technischer Carsharing-Plattformen. Das Autohaus betreibt das Carsharing als eigenständiges Geschäft unter einem eigenen Markennamen. Vorteil: höhere Auslastung der ohnehin vorhandenen Bestandsfahrzeuge.
  • Übernahme eines Carsharing-Franchise für eine bestimmte Region. Zum Beispiel in Kooperation mit einem im Carsharing aktiven Automobilhersteller, der auf diese Weise seine Flächendeckung erweitern kann.
  • Aufbau einer eigenen Carsharing-Organisation als Systembetreiber, Etablierung eines zusätzlichen Geschäftsfeldes. Angesichts der Professionalisierung in den letzten Jahren sind die Markteintrittsbarrieren für neue Anbieter deutlich gestiegen. Hohe Vorleistungen finanzieller und personeller Art erforderlich. Strategie mit hohen Risiken.

Befragung zu Carsharing: Noch geringe Nutzerquote
Die Nutzungsquote des Carsharing ist selbst bei aufgeschlossenen Zielgruppen, derzeit noch gering. Eine Befragung von 379 befragten Studierenden der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) ergab eine Nutzerquote von lediglich 4,7 Prozent. Die Mehrzahl greift auf das Angebot nur einmal im Monat oder noch weniger zurück. Als wichtigste Anforderungen nannten die Befragten eine einfache Reservierung (67 Prozent), die technische Zuverlässigkeit der Fahrzeuge (64 Prozent), einen einfachen Zugang zum Fahrzeug (64 Prozent) sowie faire Preise (57 Prozent) und niedrige Kosten pro Monat (49 Prozent).


Pressekontakt:
Norbert Kühnl
Telefon +49.711.78 61-2512

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