Pressemitteilung

DEKRA zeigt mit Versuchsreihe:

Beschädigte Gerätebatterien sind in qualifizierter Verpackung transportsicher

  • Bisher gilt Beförderungsverbot für defekte größere Lithium-Ionen-Akkus
  • Vorhandene Verpackungssysteme halten mögliche Gefahren zurück
  • Experten zeigen auch Verbesserungspotenzial bei Batteriekonstruktion auf

DEKRA Experten haben die Sicherheit von defekten Geräteakkus und der vorhandenen Transportsysteme unter die Lupe genommen. (Foto: DEKRA)

 

Stuttgart / Neumünster – Lithium-Ionen-Batteriesysteme in größeren Elektrogeräten können auch in beschädigtem Zustand in qualifizierten Verpackungen sicher im Straßenverkehr befördert werden. Darauf lassen die Ergebnisse von aktuellen DEKRA Versuchen schließen. Für Lithium-Ionen-Batterien über 500 Gramm Gewicht – etwa aus Geräten wie Rasenmähern, E-Bikes, Gabelstaplern oder Kettensägen – gilt bisher, wenn sie beschädigt sind, ein generelles Beförderungsverbot.

„Hier bestand ein echter Notzustand, der erst ansatzweise im europäischen Übereinkommen ADR 2013 gelöst ist“, sagt Uli Wenz, Gefahrgut-Experte bei DEKRA, und nennt ein Beispiel: „Wenn in einem Supermarkt der Akku eines Gabelstaplers kaputt ist, dann muss dieser Akku im Supermarkt verbleiben. Er darf nicht zur Entsorgung transportiert werden – es sei denn mit einer Einzel-Ausnahmegenehmigung bei der jeweiligen Landesbehörde.“ Solche Ausnahmegenehmigungen werden bisher meist auf der Grundlage von Sachverständigen-Gutachten zu spezifischen einzelnen Sachverhalten erteilt. Ein anspruchsvolles, aufwändiges und zeitraubendes Verfahren war bisher notwendig.

„Deshalb wollten wir zusätzlich zu unseren Erfahrungen aus Gutachten zu verschiedensten Einzelfällen mit unserer Versuchsreihe Erfahrungen sammeln, wie sich solche Akkus tatsächlich verhalten“, so DEKRA Elektronik-Entwickler Eberhard Haas. Die Experten prüften vier verschiedene Batteriesysteme, darunter den Akku eines Elektro-Fahrrades und einen Akku für Gartengeräte eines namhaften Herstellers. Bei den Versuchen auf dem DEKRA Gelände in Neumünster gingen die Tester alles andere als zimperlich mit den Lithium-Ionen-Batterien um: „Teilweise haben wir sie mit einem überdimensionierten Ladegerät extrem überladen, andere wurden kurzgeschlossen. Wir haben die Akkus unter Beanspruchungen getestet, die weit über den Zustand beim Abtransport eines defekten Akkus hinausgehen.“
Bei einem Teil der Versuche waren die Batterien unverpackt, bei den anderen wurden sie in Metallbehälter mit Bindemittel eingeschlossen, die die möglichen Gefahren durch Überdruck oder Zündung zumindest zurückhalten sollten. „Im Ergebnis haben die verschiedenen vorhandenen Verpackungsmethoden ihre Aufgabe voll erfüllt“, so Gefahrgut-Fachmann Uli Wenz. „Es ging uns darum, geeignete und sichere Verpackungsmethoden zu finden für Fälle, in denen sich Batterien nicht mehr im bauartgeprüften, sicheren Zustand befinden – auch als Grundlage für die in Zukunft veränderten Genehmigungsprozesse.“

Denn ab 2013 schreiben die europäischen Gefahrgutregelungen ADR fest, dass eine zuständige Behörde in jedem Vertragsstaat generelle Genehmigungen für bestimmte Transportprozesse erteilen darf – also nicht mehr auf den Einzelfall beschränkt. In Deutschland ist die Bundesanstalt für Materialforschung und
-prüfung (BAM) für solche Genehmigungen zuständig.

In die Beratung für die Entwicklung zukünftiger Vorschriften wollen die DEKRA Sicherheitsexperten ihre Erfahrungen genauso einbringen wie in die Beratung von Unternehmen, die entsprechende Verpackungssysteme verwenden.
„Natürlich können wir nicht von vier getesteten Batterien pauschal auf alle Systeme schließen“, sagt Wenz. „Aber eine Trendaussage machen unsere Versuche schon möglich: Nämlich dass heutige Lithium-Ionen-Batteriesysteme auch beschädigt in qualifizierter Verpackung hinreichend sicher transportiert werden können, ohne Gefahr für die Allgemeinheit. Zumindest im Straßenverkehr“.

Allerdings sind die DEKRA Experten bei ihren Versuchen auch auf einiges Verbesserungspotenzial gestoßen, was die Konstruktion der Batterien angeht. „Es gibt zum Beispiel Kondensatoren, die bei starker Erwärmung die Stromzufuhr abschalten, indem eine Art Sollbruchstelle eingebaut ist“, erklärt Eberhard Haas. Das sei in solchen Batterien noch nicht realisiert. „Wir haben beispielsweise den Akku aus einem E-Bike durch extreme Überladung in Brand setzen können. Wäre diese Batterie so konstruiert, dass sie sich bei einer bestimmten Temperatur nicht mehr weiter aufladen lässt, könnte ein solcher Brand nicht entstehen.“ Hier sieht er Nachholbedarf auf Seiten der Batteriehersteller.
Durch extreme Überladung geriet einer der untersuchten Akkus in Brand. Die DEKRA Experten fordern, das durch eine entsprechende Konstruktion der Akkus auszuschließen. (Foto: DEKRA)


Pressekontakt:
Wolfgang Sigloch
Telefon +49.711.7861-2386

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