Gemeinsame Initiative von Landesregierung, Verkehrswacht und DEKRA

Erfolgreiche Verkehrssicherheitsarbeit im Nordosten mit neuen Ideen fortsetzen

27. Mai 2016

  • „Vision Zero“, das Ziel von null Verkehrstoten, ist keine Utopie
  • Alle großen Städte im Land haben das Ziel innerorts schon einmal erreicht
  • DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2016 beleuchtet den Personenverkehr


„Vision Zero“ ist keine Utopie: Das Ziel von null Verkehrstoten ist in bestimmten Bereichen schon erreicht worden. So ist Mecklenburg-Vorpommern nach einer Auswertung der DEKRA Unfallforschung das erste deutsche Bundesland, in dem sämtliche großen Städte über 50.000 Einwohner in mindestens einem Jahr kein einziges Todesopfer im Innerorts-Verkehr zu beklagen hatten. Rostock ist die vierte deutsche Großstadt über 200.000 Einwohner, die dieses Ziel einmal erreicht hat (2014). Schwerin (2010, 2011, 2014), Neubrandenburg (2009, 2010, 2013), Stralsund (2012, 2013, 2014) und Greifswald (2010, 2011, 2013, 2014) haben es jeweils schon mehrfach erreicht. „Wir sind insgesamt auf einem guten Weg, aber dennoch längst nicht am Ziel“, so Dr. Gerd Neumann, Vorsitzender der Geschäftsführung der DEKRA Automobil GmbH, bei der Vorstellung des DEKRA Verkehrssicherheitsreports 2016 mit Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Christian Pegel in Schwerin und dem Präsidenten der Landesverkehrswacht, Hans-Joachim Hacker.

„Die Ergebnisse der Auswertung können uns positiv stimmen. Doch sie sind kein Grund, uns darauf auszuruhen, sondern eher als Motivation für die Fortsetzung des eingeschlagenen Weges bei der Verkehrssicherheitsarbeit zu verstehen. Die Ergebnisse können nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zur ‚Vision Zero‘ im ganzen Land sein. Jeder Verkehrstote ist einer zu viel. Es muss jedem, der sich am Straßenverkehr beteiligt, klar sein, dass er Verantwortung übernimmt, Regeln zu befolgen und Rücksicht zu üben. Verkehrssicherheitsarbeit ist deshalb eine Daueraufgabe, die alle betrifft und die deshalb auf möglichst breiter gesellschaftlicher Basis stehen muss. Aus diesem Grunde danke ich DEKRA und der Landesverkehrswacht für ihr Engagement in der Verkehrssicherheitsarbeit“, so Minister Christian Pegel.

Gemeinsam wollen alle Beteiligten die erfolgreiche Verkehrssicherheitsarbeit im Nordosten fortsetzen. Dabei ist es aus Sicht von DEKRA Geschäftsführer Dr. Neumann teilweise auch nötig, neue Wege zu gehen. „Wir müssen uns dafür einsetzen, die Bedeutung der Verkehrssicherheitsarbeit noch mehr in allen Bereichen der Gesellschaft zu verankern. Viele Städte sind hier schon sehr aktiv. Doch auch in kleineren Kommunen, in Unternehmen, Schulen und Vereinen sollte die Verkehrssicherheit ein wichtiges Thema werden – mit Zielen und Maßnahmen, die jede Institution für sich in ihrem Bereich definiert. Dabei können wir beispielsweise von der langfristig erfolgreichen Entwicklung im Bereich der Arbeitssicherheit lernen und daraus Rückschlüsse ziehen“, so Dr. Neumann weiter. „Wünschenswert wäre auch, dass erfolgreiche Einzelinitiativen für mehr Verkehrssicherheit noch mehr öffentliche Würdigung erfahren und so Beispiel geben für andere.“

Der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2016 beschäftigt sich mit dem Schwerpunktthema Personenverkehr – und hier insbesondere mit dem Pkw-Verkehr, der nach wie vor den mit Abstand größten Anteil der individuellen Mobilität ausmacht. Im Report zeigt die Sachverständigenorganisation auf, wo die größten Potenziale für die nachhaltige Verringerung der Unfallopferzahlen auf den Straßen der EU liegen und welche Herausforderungen sie für Mensch, Technik und Infrastruktur bedeuten.

Über viele Jahre hat sich das Risiko, im Personenverkehr tödlich zu verunglücken oder schwer verletzt zu werden, in nahezu allen Mitgliedstaaten der EU deutlich verringert. Doch diese positive Entwicklung ist nun ins Stocken geraten. So stieg 2015 in Deutschland die Zahl der Verkehrstoten nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes um 2,9 Prozent auf 3.475. Auch in Frankreich und Italien steigen die Zahlen. „Wenn die Zahl der Verkehrstoten ausgerechnet in diesen Staaten mit ihrer vergleichsweise modernen Fahrzeugflotte nach oben geht, ist das alarmierend“, so der DEKRA Geschäftsführer.

Pkw-Fahrer am häufigsten an Unfällen beteiligt

Pkw-Fahrer sind seit Jahrzehnten die Verkehrsteilnehmergruppe, die am häufigsten an Unfällen mit Personenschaden beteiligt ist. 2014 waren dies in Deutschland 63,5 Prozent. Insofern gilt es insbesondere hier anzusetzen, um die Verkehrssicherheit nachhaltig zu erhöhen. Die Hauptursache von schweren Unfällen ist dabei menschliches Versagen: Wie Statistiken immer wieder zeigen, ist der Mensch für etwa 90 Prozent der Unfälle verantwortlich.

Nicht ohne Grund setzt die Automobilindustrie schon seit Jahren auf Fahrerassistenzsysteme wie Fahrdynamikregelung, Notbremssystem, Abstandsregelung, Spurhalteunterstützung und Müdigkeitswarner. All diese Systeme sind in der Lage, kritische Fahr- und Verkehrssituationen frühzeitig zu erkennen, vor Gefahren zu warnen und wenn nötig auch aktiv einzugreifen.

Ergänzend kommt den Schlüsseltechnologien der Mobilität 4.0 ebenfalls ein wichtiger Part zu. Sie können mit intelligenter Infrastruktur und Vernetzung von Fahrzeugen zusätzlich helfen.



Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen

Schon heute fahren einige Fahrzeuge teilautomatisiert und vernetzt. In Zukunft wird die Anzahl der Fahrzeuge mit Funktionen des automatisierten Fahrens und Vernetzung deutlich steigen. Dass die betreffenden Systeme beachtliche Perspektiven eröffnen, um die Unfallzahlen und insbesondere die Zahlen getöteter oder verletzter Verkehrsteilnehmer zu reduzieren, ist unbestritten. „Zuvor müssen dafür aber die rechtlichen Rahmenbedingungen angepasst werden“, betonte Dr. Neumann. Neben dem „Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr“ betreffe dies vor allem auch die nationalen und internationalen Vorschriften über die Rechte und Pflichten der Verkehrsteilnehmer sowie die Regelungen für die Zulassung von Kraftfahrzeugen.

Aufmerksamkeit ist die beste Sicherheitsstrategie

Während viele Maßnahmen, insbesondere auch elektronische Assistenzsysteme, in den vergangenen Jahren die Straßen sicherer gemacht haben, wird dieses positive Potenzial nach Ansicht der DEKRA Experten durch zunehmende Ablenkung im Verkehr teilweise zunichte gemacht. Autofahrer, aber auch Fußgänger, wenden ihre Aufmerksamkeit vom Straßenverkehr ab, weil sie beispielsweise ihre Smartphones bedienen. Die Gefahren hierdurch sind nicht zu unterschätzen. „Gerade beim Thema Ablenkung müssen wir mit Nachdruck ansetzen. Aufklärungsarbeit steht hier an erster Stelle“, so Dr. Neumann.

Insgesamt sind nach seiner Überzeugung verantwortungsbewusstes Verhalten, die richtige Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und ein hohes Maß an Regelakzeptanz aller Verkehrsteilnehmer unerlässlich. „Daran kann auch die beste Fahrzeugtechnik und Straßenverkehrsinfrastruktur nichts ändern.“

Pressekontakt:

Wolfgang Sigloch

Pressesprecher Automobil

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Telefon +49.711.7861–2386

Fax +49.711.7861–742386

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