FAQ Aufzüge

Regelmäßige Prüfungen von Aufzugsanlagen werden wiederkehrende Prüfungen genannt. Diese Prüfungen sind in der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) festgeschrieben. Die BetrSichV hat Gesetzescharakter und ist deshalb für jeden Betreiber verbindlich einzuhalten.

Arbeitgeber im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes sind natürlich und juristische Personen und rechtsfähige Personengesellschaften, die Personen beschäftigen. Dem Arbeitgeber steht gleich, wer ohne Arbeitgeber zu sein, zu gewerblichen oder wirtschaftlichen Zwecken eine überwachungsbedürftige Anlage verwendet sowie der Auftraggeber und Zwischenmeister im Sinne des Heimarbeitsgesetzes.

Der für den Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen zuständige Arbeitgeber wird auch Verwender genannt.

Verwender einer überwachungsbedürftigen Anlage im Sinne der BetrSichV ist, wer die tatsächliche oder rechtliche Möglichkeit hat, die notwendigen Entscheidungen im Hinblick auf die Sicherheit der Anlage zu treffen und dabei Arbeitgeber oder diesem gemäß BetrSichV gleichgestellt ist. Auf die Eigentumsverhältnisse kommt es nicht an. So kann auch ein Pächter oder Mieter Verwender einer überwachungsbedürftigen Anlage sein. Maßgeblich hierbei ist die privatrechtliche Ausgestattung des Verhältnisses zwischen dem Eigentümer der Betriebsanlagen und dem Nutzer. Ein Verpächter bleibt Verwender, wenn er allein über die sicherheitstechnischen Vorkehrungen entscheidet.

Alle Aufzüge, die zur Beförderung von Personen bestimmt sind, gelten als überwachungsbedürftige Aufzugsanlagen. Hierzu zählen auch Plattformlifte, Fassadenbefahranlagen, Befahranlagen, bei denen eine Absturzgefahr (Förderhöhe) über drei Meter besteht. Überwachungsbedürftige Aufzugsanlagen sind nach §16 BetrSichV prüfpflichtig und dürfen ausschließlich durch eine Zugelassene Überwachungsstelle (ZÜS) – wie DEKRA – wiederkehrend geprüft werden.

Zugelassene Überwachungsstellen müssen die Anforderungen gemäß § 37, Abs. 1 und 2 des Produktsicherheitsgesetzes (ProdSG) sowie die besonderen Anforderungen des Anhang 2 zu den §§ 15 und 16 Abschnitt 1 der BetrSichV erfüllen. Demnach muss unter anderem deren Kompetenz und Eignung festgestellt werden. Die Befugniserteilung für die zugelassenen Überwachungsstellen erfolgt durch die Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) in München. Die ZLS hat entsprechende Richtlinien (ZÜS-RL) für die jeweiligen Bereiche herausgegeben. Außerdem stellt die ZLS hohe Ansprüche an das Prüfpersonal und seine technische Kompetenz. So darf das Prüfpersonal nur mit solchen Aufgaben beauftragt werden, für die es neben ausreichender Qualifikation und beruflichen Erfahrung eine entsprechende Einarbeitung erfahren hat. DEKRA erfüllt alle diese Anforderungen und ist deshalb als zugelassene Überwachungsstelle bundesweit tätig.

Alle Aufzüge, die nicht zur Beförderung von Personen, jedoch von Gütern bestimmt sind und im Rahmen von Arbeitstätigkeiten durch Mitarbeiter, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, benutzt werden, gelten als nicht überwachungsbedürftig, aber prüfpflichtig. Hierzu zählen Güter-, Kleingüter-, Behälter- und Unterfluraufzüge sowie vereinfachte Güteraufzüge. Darüber hinaus werden dieser Gruppe von Aufzügen auch Plattform- und Treppenlifte hinzugerechnet, bei denen eine Absturzhöhe (Förderhöhe) von bis zu höchstens drei Metern besteht. Diese Prüfung kann entweder durch eine befähigte Person oder durch eine ZÜS - wie DEKRA - ausgeführt werden.

Hinweis zur "zur Prüfung befähigten Person":

Die Verantwortung für die sachgerechte Prüfung, einschließlich der überwachungsbedürftigen Anlagen, liegt beim Arbeitgeber. Die Beauftragung einer zur Prüfung befähigten Person entlastet diesen dabei rechtlich nicht.

Sämtliche Arten von Aufzugsanlagen wie:

  • Personen- und Lastenaufzüge (mit Personenbeförderung)
  • Personenumlaufaufzüge (Paternoster)
  • Baustellenaufzüge (mit Personenbeförderung)
  • Fassadenbefahranlagen
  • Plattformlifte
  • Güteraufzüge, vereinfachte Güteraufzüge, Behälteraufzüge und Kleingüteraufzüge

Alle Aufzugsanlagen sind im Sinne der BetrSichV prüfpflichtig, ob mit oder ohne Personenbeförderung, überwachungsbedürftig oder nicht, oder ob sie durch Beschäftigte benutzt werden.

Die Prüffristen sind vom Arbeitgeber unter Berücksichtigung der erforderlichen Instandhaltungsmaßnahmen festzulegen. Die Prüffrist darf für wiederkehrende Prüfungen (Hauptprüfungen) 2 Jahre nicht überschreiten.

Zusätzlich zu den Hauptprüfungen ist in der Mitte des Prüfzeitraums zwischen zwei Hauptprüfungen eine Zwischenprüfung durchzuführen.

Maximale Prüffristen
AufzugsartWiederkehrende Prüfung (Hauptprüfung)Zwischenprüfung
Personen und Lastenaufzüge (mit Personenbeförderung)

Personenumlaufaufzüge (Paternoster)

Baustellenaufzüge

Fassadenbefahranlagen *

Befahranlagen in Windenergieanlagen

Plattformlifte
2 Jahrein der Mitte des Prüfzeitraums zwischen zwei Hauptprüfungen

*Aufgrund der Bauart und der Witterungseinflüsse wird die Zwischenprüfung i.d.R. im Umfang einer Hauptprüfung durchgeführt.

Hinweis:
Nach der Prüfung vor Inbetriebnahme und vor der ersten Hauptprüfung ist keine Zwischenprüfung erforderlich.

Anmerkung:
Für nicht überwachungsbedürftige Aufzüge sind die Prüffristen durch den Arbeitgeber im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung festzulegen.

Die Prüffrist von 2 Jahren darf nicht überschritten werden. Die Möglichkeit einer Prüffristverlängerung ist in der BetrSichV nicht vorgesehen.

Das Erfordernis der Anwesenheit von Wartungspersonal zur Prüfung kann mit dem §36 des Produktsicherheitsgesetzes (ProdSG) begründet werden. Eigentümer von überwachungsbedürftigen Anlagen und Personen, die solche Anlagen herstellen oder betreiben, sind verpflichtet, den Beauftragten zugelassener Überwachungsstellen, denen die Prüfung der Anlagen obliegt, auf Verlangen die Anlagen zugänglich zu machen, die vorgeschriebene oder behördlich angeordnete Prüfung zu gestatten, die hierfür benötigten Arbeitskräfte und Hilfsmittel bereitzustellen sowie die Angaben zu machen und die Unterlagen vorzulegen, die zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlich sind. Das Grundrecht des Artikels 13 des Grundgesetzes wird insoweit eingeschränkt.

Das Synonym wiederkehrende Prüfung beschreibt die Haupt- und Zwischenprüfung. Der Prüfumfang einer Hauptprüfung geht über den einer Zwischenprüfung deutlich hinaus. Die erforderlichen Prüfumfänge für beide Prüfungsarten sind in den Technischen Regeln für Betriebssicherheit TRBS 1201 Teil 4 im Einzelnen beschrieben. Die Zwischenprüfung umfasst im Wesentlichen Sicht- und Funktionsprüfungen.

Ja, bei allen überwachungsbedürftigen Aufzugsanlagen ist diese Prüfungsart gemäß BetrSichV vorgeschrieben. Die erste Zwischenprüfung findet allerdings nicht zwischen der Inbetriebnahme und der ersten Hauptprüfung statt, sondern zwischen der ersten und zweiten Hauptprüfung. Alle weiteren Zwischenprüfungen erfolgen zwischen den Hauptprüfungen. Die Zwischenprüfungen sind in der Mitte zwischen zwei Hauptprüfungen durchzuführen.

Aufzüge zählen seit über 150 Jahren zu den sichersten Transportmitteln überhaupt. Abstürzende Aufzüge in Deutschland gehören in den Bereich der Legenden und Thriller der Filmindustrie. Damit dies so ist und auch zukünftig bleibt, hat der Gesetzgeber klare Anforderungen an die Beschaffenheit und an die wiederkehrenden Prüfungen von Aufzügen gestellt. Somit müssen vorhandene Sicherheitseinrichtungen auch überladene Aufzüge im Fehlerfall sicher abbremsen können. Hierzu wird der Aufzug zur Prüfung mit Belastungsgewichten überladen.

Die Bereitstellung von Belastungsgewichten zur Prüfung ist nicht nur kostenintensiv und ein logistisches Problem, sondern stellt auch besondere Belastungen an das Material des Aufzugs dar, was zu vorzeitigem Verschleiß der Aufzugsanlage führen kann. Nicht zuletzt können beim Transport dieser Gewichte auch Schäden an den Zugangswegen im Gebäude und am Fußboden der Aufzugskabine entstehen.

Alternativ bietet DEKRA hierzu kostengünstig die gewichtslose Prüfung eines Aufzugs an. Mit dem zertifizierten, vielseitigen und anwenderfreundlichen DEKRA Lift Kontroll System (LiKoS) wird der Aufzug äußerst schonend und im Vergleich zur Prüfung mit Belastungsgewichten wesentlich exakter und damit sicherer geprüft. Weitere Vorteile sind kürzere Ausfallzeiten der Aufzugsanlage und optional die Möglichkeit zusätzliche Qualitätskriterien zu erfassen, z. B. mit dem Ziel, den Verschleiß der Anlage zu verringern und damit weitere Kosten zu sparen.

Eine sicherheitstechnische Bewertung ist nach der BetrSichV 2015 nicht mehr erforderlich.

Der Arbeitgeber hat vor der Verwendung von Arbeitsmitteln die auftretenden Gefährdungen zu beurteilen (Gefährdungsbeurteilung) und daraus notwendige und geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten. Weitere Erläuterungen siehe §3 BetrSichV.

Die Gefährdungsbeurteilung darf nur von fachkundigen Personen durchgeführt werden. Verfügt der Arbeitgeber nicht selbst über die entsprechenden Kenntnisse, so hat er sich fachkundig beraten zu lassen.

Der Stand der Technik für Aufzugsanlagen wird durch die Normenreihe DIN EN 81 beschrieben. Der Stand der Technik stellt die technischen Möglichkeiten, Einrichtungen oder Betriebsweisen zu einem bestimmten Zeitpunkt dar, basierend auf gesicherten Erkenntnissen von Wissenschaft und Technik, die meist auch in technischen Regelwerken fixiert und fortgeschrieben werden.

So ist z. B. der Stand der Technik für einen Personenaufzug, der 1990 in Betrieb genommen wurde, die TRA 200. Für einen Aufzug, der z. B. 2012 auf dem Markt bereitgestellt wurde, gelten die Beschaffenheitsanforderungen der RL 95/16/EG bzw. der RL 2006/42/EG für Aufzüge nach Anhang IV Nr. 17. Konkretisierungen erfolgen in der harmonisierten Normenreihe EN 81 in der jeweils zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme gültigen Fassung. Somit besteht kein Automatismus, nach welchem stets der aktuelle Stand der Technik einzuhalten ist. Es besteht aber eine grundsätzliche Verpflichtung durch den Arbeitgeber, die bereitgestellten Arbeitsmittel und die erforderlichen Maßnahmen mindestens auf dem Stand der Technik (zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme stets) zu halten, sodass die Sicherheit und der Gesundheitsschutz der Beschäftigten gewährleistet sind. Anpassungen an den aktuellen Stand der Technik sind bei bestimmten Änderungen an Aufzugsanlagen jedoch dann erforderlich, wenn diese für die Sicherheit der Anlage von Bedeutung sind.

Gemäß Beschluss des EK-ZÜS ist bei Aufzügen durch die ZÜS ein Abgleich zum aktuellen Stand der Technik zu erstellen. Für diesen Abgleich sind 22 Kriterien zu untersuchen.

Abweichungen sind als Mangel 712 in die Prüfbescheinigung aufzunehmen und ist i.d.R. als geringfügig einzustufen. Eine Nachrüstpflicht bei Feststellung von Abweichungen durch den Arbeitgeber besteht nicht. Die ZÜS stellt weder die Priorität noch die zu wählende Lösung fest. Es wird nur zur "nach dem Stand der Technik sicheren Verwendung" ein evtl. notwendiger Handlungsbedarf aufgezeigt.

Eine direkte Nachrüstpflicht ergibt sich aus dem Mangel 712 demzufolge nicht.

Nach Abstimmung im zuständigen Aufzugsgremium erfolgt bei Aufzügen, die nach Aufzugsrichtlinie in Verkehr gebracht wurden (also ab dem 01.07.1999), keine Dokumentation des Mangels 712. Sie erkennen diese Aufzüge an der in der Aufzugskabine angebrachten CE-Kennzeichnung.

Mit Einführung des Amendment 3 in der EN 81-1/2 wurde der Stand der Technik neu definiert. Anzuwenden ist dies für neue Aufzüge seit dem 01.01.2012. Für Aufzüge im Bestand ist A3 bei Änderungen (Umbau) zu berücksichtigen, sofern dies für die zu ändernden Anlagenteile relevant ist. Zu den A3-Anforderungen zählen:

Schutz gegen unbeabsichtigte Bewegung des Fahrkorbs

  • Aufzüge müssen mit einer Schutzeinrichtung zum Verhindern einer unbeabsichtigten Bewegung des Fahrkorbs von der Haltestelle weg, wenn die Schachttür nicht verriegelt und die Fahrkorbtür nicht geschlossenen ist, ausgestattet werden.

Betriebsmäßiger Halt des Aufzugs an Haltestellen und Nachregulierungsgenauigkeit

  • Die Anhaltegenauigkeit des Fahrkorbs muss ± 10 mm betragen.
  • Eine Nachregulierungsgenauigkeit von ± 20 mm muss sichergestellt werden. Falls beispielsweise während des Be- und Entladens der Wert von 20 mm überschritten wird, muss dieser korrigiert werden.

Die Prüfung der Wirksamkeit des Sicherheitsstromkreises dient dem Nachweis von zwei Sicherheitsaspekten und ist Bestandteil jeder Hauptprüfung:

  • Ist der Schutz gegen elektrischen Schlag beim Berühren von Metallen leitfähigen Teilen wirksam, wenn z. B. die Fahrschachttüren durch Körperschluss eine unzulässige Berührungsspannung ( > 50 V AC bzw. > 120 V DC) annehmen können. I. d. R. ist die Schutzeinrichtung eine Sicherung, die innerhalb einer vorgeschriebenen Zeit abschalten muss.
  • Ist sichergestellt, dass durch doppelte Körper- oder doppelte Erdschlüsse eine Fehlfunktion, z. B. das Fahren bei offenen Türen durch Überbrückung von Türkontakten nicht erfolgen kann? In geerdeten Hilfsstromkreisen muss der erste Körper- oder Erdschluss innerhalb von 5 Sekunden zur Abschaltung führen. Im ungeerdeten Hilfsstromkreis muss ein Isolationsfehler (Mindest-Isolationswiderstand 100 O/V) gemeldet werden (bei Aufzügen an eine beauftragte Stelle).

Selbstverständlich muss auch der Schutz gegen elektrischen Schlag, z. B. bei Körperschluss durch die fehlerhafte elektrische Anlage des Aufzuges, unabhängig vom Sicherheitskreis wirksam sein.

Die Prüfung der Sicherheit der elektrischen Anlagen und Betriebsmittel besteht aus dem Besichtigen, dem Messen und/oder Erproben zum Nachweis des Schutzes gegen elektrischen Schlag (Schutz gegen gefährliche Körperströme), z. B. der Einhaltung der Bedingungen für den Schutz durch Abschaltung auf Basis des zutreffenden Regelwerkes der Elektrotechnik.

Ein wichtiger Bestandteil der Prüfung ist die Prüfung der Wirksamkeit der Schutzmaßnahme des Sicherheitskreises.

Ein fehlender Prüfbericht nach DGUV V3 ist kein Mangel der wiederkehrenden Prüfung durch die ZÜS. Bestandteil der Hauptprüfung durch die ZÜS ist gemäß BetrSichV auch die Prüfung der Sicherheit elektrischer Anlagenteile.

Für z. B., Fahrtreppen, Unterfluraufzüge, Güter- und Kleingüteraufzüge sowie Behindertenaufzüge/ Pattformlifte (mit einer Förderhöhe ≤ 3 m) ist eine Prüfung auf Basis der DGUV V3 bei gewerblicher Nutzung vorgeschrieben.

Gemäß §10 BetrSichV sind Instandhaltungsmaßnahmen zu treffen, damit die Arbeitsmittel während der gesamten Verwendungsdauer den für sie geltenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen entsprechen und in einem sicheren Zustand erhalten werden.

Notwendige Instandhaltungsmaßnahmen sind unverzüglich durchzuführen und die dabei erforderlichen Schutzmaßnahmen zu treffen.

Instandhaltungsmaßnahmen dürfen gemäß §10 Absatz 2 Satz 2 BetrSichV nur von fachkundigen, beauftragten und unterwiesenen Beschäftigten oder von sonstigen für die Durchführung der Instandhaltungsarbeiten geeigneten Auftragnehmern mit vergleichbarer Qualifikation durchgeführt werden.

Seit dem Ende des Prüfmonopols 2008 werden die Preise nicht mehr über die Gebührenordnung festgelegt. DEKRA stimmt den Preis und das Angebot für Aufzugsprüfungen individuell auf Ihre Bedürfnisse und Anforderungen ab. Wir erstellen Ihnen gerne unverbindlich ein individuelles Angebot.

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