DEKRA / IFA-Studie vorgestellt

Junge Gebrauchtwagen: Großes Potenzial für den professionellen Automobilhandel

23. Jun 2016

  • Markt wird sich auf hohem Niveau von über 1 Mio. Fahrzeuge einpendeln
  • Zuwachs bei den Eigenzulassungen dürfte sich verlangsamen
  • Große Handelsgruppen mit eigenem Filialnetz sind im Vorteil


Das Marktvolumen für junge Gebrauchtwagen wird sich in Deutschland in den nächsten Jahren auf einem hohen Niveau von über einer Million Fahrzeuge pro Jahr einpendeln. Daher sollte dieses Segment auch künftig im besonderen Fokus des Automobilhandels stehen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Institut für Automobilwirtschaft (IFA) an der Hochschule Nürtingen-Geislingen für die DEKRA Automobil GmbH durchgeführt hat.

Zwischen 2010 und 2015 ist das Segment der jungen Gebrauchtwagen um 22,8 Prozent auf 1,25 Mio. Einheiten gestiegen. Das Wachstum lag damit über dem des gesamten Gebrauchtwagenmarktes, der im gleichen Zeitraum nur um 14,0 Prozent zugelegt hat. Dementsprechend ist der Anteil der jungen Gebrauchtwagen am Gesamtmarkt von 15,9 auf 17,1 Prozent gestiegen.

Verantwortlich für das schnelle Wachstum bei jungen Gebrauchtwagen sind nach den Analysen der IFA-Experten sowohl die steigende Nachfrage preissensibler Käufer, die dem Neuwagenmarkt den Rücken gekehrt haben, als auch das wachsende Angebot. Vor allem die stark gestiegenen Eigenzulassungen von Herstellern und Händlern haben zu einer steigenden Zahl junger Gebrauchtwagen im Markt geführt.

Nach Einschätzung der DEKRA / IFA-Studie wird sich der Zuwachs bei den Eigenzulassungen in den nächsten Jahren verlangsamen, da Hersteller und Händler aufgrund eines möglichen Überangebotes sonst mit steigenden Restwertrisiken rechnen müssen: „Wenn die Eigenzulassungen dauerhaft über 30 Prozent, teilweise sogar über 40 Prozent liegen, kann das für die Restwerte kritisch werden, wenn die Fahrzeuge nicht mehr schnell in den Markt abfließen“, erläutert der wissenschaftliche Leiter der Studie, Professor Dr. Willi Diez. Für das Jahr 2020 rechnet das IFA mit einem Marktvolumen von jungen Gebrauchtwagen in Höhe von rund 1,1 Mio. Fahrzeugen.

Ein Selbstläufer ist das Geschäft mit jungen Gebrauchtwagen für den Handel allerdings nicht. So zeigen die IFA-Erhebungen, dass der durchschnittliche Bruttoertrag bei jungen Gebrauchtwagen mit 6,6 Prozent leicht unter dem Branchendurchschnitt von 6,9 Prozent liegt. Allerdings zeigt sich auch, dass viele Händler mit jungen Gebrauchtwagen besonders hohe Bruttoerträge erzielen. Vor allem bei größeren Handelsgruppen liegen die Bruttoerträge mit jungen Gebrauchtwagen teilweise über 10 Prozent.

„Das Geschäft mit jungen Gebrauchtwagen ist insofern schwierig, als die Händlerbetriebe große Mengen von jungen Gebrauchtfahrzeugen zumeist homogener Qualität einkaufen müssen. Wenn diese dann allerdings nur in einer bestimmten Region angeboten werden, kann dies zu einem regionalen Überangebot mit negativen Folgen für die Gebrauchtwagenpreise führen“, erklärt Professor Diez.

Betriebsgröße und geringe Standzeiten sind wichtige Erfolgsfaktoren
Große Handelsgruppen mit einem eigenen Filialnetz seien hier im Vorteil, da sie die Fahrzeuge dann breit streuen könnten. Wichtig sei außerdem ein schneller Verkauf, denn gerade bei jungen Gebrauchtwagen bestehe die Gefahr, dass die Preiskalkulationen durch Verkaufsförderaktionen der Hersteller bei Neuwagen unter Druck kommen könnten: „Größe und geringe Standzeiten sind zwei der wichtigsten Erfolgsfaktoren bei jungen Gebrauchtwagen“, sagte Diez bei der Vorstellung der Studie.

Aufgrund der großen und speziellen Herausforderungen, die das Geschäft mit jungen Gebrauchtwagen an den Handel stellt, empfiehlt die DEKRA / IFA-Studie, diesen Bereich als eigenes Profitcenter im Händlerbetrieb zu organisieren. So erforderten sowohl der Einkauf, als auch die Vermarktung andere und vor allem schnellere Prozesse als der Verkauf von älteren Gebrauchtfahrzeugen. Junge Gebrauchtwagen seien eine besondere „heiße Ware“, an der sich schon viele Händler die Finger verbrannt hätten: „Nur wer dieses Geschäft professionell beherrscht“, folgert Professor Diez, „wird hier mit einem überschaubaren Risiko auch wirklich Geld verdienen.“

Neunte DEKRA / IFA-Studie
Die Studie ist inzwischen die neunte Untersuchung zu Autohandels-Themen, die das IFA im Auftrag von DEKRA erstellt hat. „Wie mit allen Vorgänger-Studien wollen wir als langjähriger, zuverlässiger Partner des Automobilhandels und des Kfz-Gewerbes hiermit Denkanstöße liefern, mit denen unsere Kunden ihr Geschäft erfolgreich ausrichten können“, so Dr. Gerd Neumann, Vorsitzender der Geschäftsführung er DEKRA Automobil GmbH. „Von der Expertise von Professor Diez und seinem Team im Institut für Automobilwirtschaft (IFA) haben in den letzten Jahren schon viele Betriebe ganz konkret profitiert. Das ist unser Anliegen auch für die Studie in diesem Jahr.“
Die Studie stieß in einer Diskussionsrunde im Anschluss an die Präsentation auf große Resonanz. Branchenexperten aus unterschiedlichen Bereichen diskutierten die Ergebnisse: Neben Dr. Rudolf Rizzolli, Vorstandsvorsitzender der Sixt Leasing AG, und Markus Schuster, Business Development Gebrauchtwagen der Audi AG, saßen Andreas Tetzloff, Geschäftsführer der Robert Kunzmann GmbH & Co. KG, und Burkhard Weller, geschäftsführender Gesellschafter der Wellergruppe GmbH & Co. KG, auf dem Podium.

Bildunterschriften:

Bild 1: Titel der DEKRA/IFA-Studie 2016.
Bild 2: Dr. Gerd Neumann, Vorsitzender der Geschäftsführung, DEKRA Automobil GmbH
Bild 3: Prof. Dr. Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) an der Hochschule Nürtingen-Geislingen
Bild 4: Präsentation der DEKRA/IFA-Studie 2016 im UNESCO-Weltkulturerbe Zeche Zollverein in Essen (v.l.n.r.): Dr. Rudolf Rizzolli, Vorstandsvorsitzender, Sixt Leasing AG; Burkhard Weller, geschäftsführender Gesellschafter, Wellergruppe GmbH & Co. KG; Prof. Dr. Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) an der Hochschule Nürtingen-Geislingen; Dr. Gerd Neumann, Vorsitzender der Geschäftsführung, DEKRA Automobil GmbH; Markus Schuster, Business Development Gebrauchtwagen, Audi AG; Andreas Tetzloff, Geschäftsführer Robert Kunzmann GmbH & Co. KG.

Über das IFA
Das Institut für Automobilwirtschaft (IFA) ist eine wissenschaftliche Einrichtung der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen. Mit über 400 Studierenden in zwei automobilwirtschaftlichen Studiengängen und mehr als 20 Professoren und Lehrbeauftragten mit automobilwirtschaftlichem Hintergrund ist die Hochschule Nürtingen-Geislingen das größte automobilwirtschaftliche Ausbildungszentrum an einer deutschen Hochschule. Das IFA-Institut wurde im Jahr 1995 gegründet und hat seither zahlreiche Studien zur Entwicklung des Automobilmarktes, der Automobilindustrie und des Automobilhandels durchgeführt.

Pressekontakt:

Wolfgang Sigloch

Pressesprecher Automobil

separator

Telefon +49.711.7861–2386

Fax +49.711.7861–742386

separator
Zurück zur Übersicht
Seite teilen