DEKRA Arbeitsmarkt-Report 2016:

Umworbene Pflegefachkräfte

22. Jun 2016

Die 10 häufigsten Tätigkeiten von Pflegekräften

  • Anspruchsvolle Aufgaben über Grundpflege hinaus zu erfüllen
  • Soft Skills Lernbereitschaft und Motivation sind Grundvoraussetzung
  • Recruiter locken Bewerber mit attraktiven Zusatzleistungen
  • Demografische Entwicklung erfordert Reform der Pflegeberufe

Deutsche Kliniken und Pflegedienste suchen händeringend Mitarbeiter. Davon profitieren Bewerber: Sie können aus vielen Stellenangeboten wählen und Arbeitgeber bieten oft zusätzliche Benefits. Dies hat die Analyse von 350 Stellenangeboten für Pflegefachkräfte in der Kranken-, Alten- und Kinderpflege ergeben. Allerdings sind die Aufgaben im Vergleich zu vor fünf Jahren deutlich anspruchsvoller geworden und Arbeitgeber erwarten neben Kenntnissen in bestimmten Fachgebieten eine hohe Lernbereitschaft bei Bewerbern.

Pflege spielt in allen Lebensphasen von der Versorgung direkt nach der Geburt bis zur Betreuung im Alter eine wichtige Rolle. Entsprechend begehrt sind Pflegefachkräfte. Im Rahmen des DEKRA Arbeitsmarkt-Reports 2016 wurden 350 Stellenangebote vertiefend analysiert, um zu erfahren, welche Aufgaben die neuen Mitarbeiter erwarten und welche Fähigkeiten und Kompetenzen sie dafür benötigen. Der Vergleich mit der Erhebung von 2011 lässt Rückschlüsse zur Entwicklung in diesem Tätigkeitsfeld zu.

Breites Aufgabenspektrum

Neue pflegewissenschaftliche Erkenntnisse und der medizinische Fortschritt haben die Pflegeberufe verändert. Neben der Grund- und Behandlungspflege ist die Dokumentation der Pflege eine zentrale Aufgabe, bei der es auf eine gute Beobachtungsgabe, Erfahrung und Sorgfalt ankommt. Sie findet sich in dreimal so vielen Stellenangeboten wie vor fünf Jahren. Das Pflegepersonal ist für Patienten und Angehörige die erste Anlaufstelle bei Fragen oder Sorgen. Sie zu beraten, bei der Behandlung anzuleiten und zu unterstützen, gehört zu den täglichen Arbeitsabläufen in der Kranken- und Altenpflege. Vor fünf Jahren nannten Arbeitgeber die Beratung weit seltener als Aufgabe der gesuchten Mitarbeiter (12,4 %). Außerdem ist die Meinung und Expertise der Fachkräfte auch bei anderen Professionen gefragt: Nicht ganz jedes fünfte Aufgabenprofil beinhaltet die interdisziplinäre Zusammenarbeit, zum Beispiel mit Anästhesisten oder Therapeuten (2011: 11,0 %).

Bedarf an Spezialkenntnissen steigt
Drei von vier Offerten benennen darüber hinaus Tätigkeiten, für die Kandidaten idealerweise spezielle Berufserfahrung oder entsprechende Weiterbildung mitbringen. Am häufigsten erwähnen sie die Intensivpflege (21,1 %) und die Altentherapie bzw. Aufgaben, die in den Bereich der Gerontologie fallen (20,0 %). Letztere beschränken sich nicht auf Mitarbeiter in der Altenpflege, sondern finden sich auch in Job-Angeboten für Gesundheits- und Krankenpfleger. Angesichts immer älterer Patienten, die auch dement sein können, benötigen Kliniken ebenfalls speziell qualifiziertes Personal.

Nach der Ausbildung beginnt die Weiterbildung
Bewerber müssen den Abschluss einer Berufsfachschule (77,1 %) bzw. bei Pflegehelfer-Positionen die 200-Stunden-Basisqualifikation mitbringen. Gut jeder fünfte Kandidat sollte eine zusätzliche Qualifikation vorweisen, besonders häufig die Fachweiterbildung für Anästhesie und Intensivpflege sowie die Weiterbildung zum Pflegedienstleiter. Wer sich für eine der 51 gezählten Führungspositionen interessiert, hat mit einem Studium gute Karten. Insgesamt wird in den Anzeigen 30-mal ein Uni- oder Fachhochschulabschluss als Anforderung genannt. Allerdings wird dieser oft im Sinne einer Alternative zur Pflegedienstleiter-Qualifizierung erwähnt. Insofern steht der Aufstieg in eine leitende Position weiterhin auch ambitionierten Kandidaten mit Ausbildung offen, die bereit sind, sich weiterzubilden.

Soft Skills: Lernbereitschaft und Motivation als Grundanforderung
Der tägliche Umgang mit schwerkranken oder dementen Menschen fordert Pflegefachkräften einiges ab. In diesem Zusammenhang sind Soft Skills noch wichtiger geworden: In gut vier von fünf Stellenangeboten sprechen Arbeitgeber persönliche Eigenschaften an, auf die sie bei Mitarbeitern Wert legen (2011: 59,3 %).
Die Aufgaben und Anforderungen im Beruf verändern sich. Gleichzeitig müssen Pflegefachkräfte oft weitreichende Entscheidungen treffen: zum Beispiel, wann es ratsam ist, einen Arzt hinzuzuziehen. Kein Wunder, dass sich Lernbereitschaft sowie eine hohe Motivation und Eigeninitiative an den vordersten Stellen der gewünschten Soft Skills finden. Viele weitere Eigenschaften beziehen sich auf die hohe Verantwortung, die die Gesuchten in ihrem Beruf zu tragen haben. Interessanterweise sollte gut jeder zehnte Mitarbeiter kreativ sein (12,3 %), vermutlich, um in kritischen Situationen schnell eine Lösung zu erarbeiten zu können oder über individuelle Ansätze einen Zugang zu Menschen mit Demenz oder Behinderung zu finden.

Arbeitgeber strengen sich an
An verschiedenen Punkten lässt sich ablesen, wie schwer es Recruitern fällt, qualifiziertes Pflegepersonal zu finden: Sowohl bei den Vertragsverhältnissen als auch den Arbeitszeiten zeigen sich Arbeitgeber sehr flexibel. Bei einem großen Teil der angebotenen Positionen handelt es sich um Vollzeitstellen (82,3 %). Bewerber können jedoch oft wählen, ob sie in Teil- oder Vollzeit arbeiten möchten. Jedes vierte Inserat erwähnt außerdem die Möglichkeit eines „Wunschdienstplans“. Neben Zusatzleistungen zum Gehalt, wie betriebliche Altersvorsorge oder Weihnachts- und Urlaubsgeld, bieten Unternehmen oft weitere Benefits. Die Liste liest sich wie zu den besten Zeiten der Dotcom-Ära: Sie reichen von der betriebseigenen Kindertagesstätte über gesundheitsfördernde Angebote, private Krankenversicherung bis hin zur Nutzung betriebseigener Ferienhäuser. Dies zeigt: Arbeitgeber müssen sich sehr ins Zeug legen, um qualifiziertes Personal zu finden und an sich zu binden.

„Stellenprofile beinhalten heute viel mehr übergreifende und spezielle Aufgaben als dies vor fünf Jahren der Fall war. Fachkräfte in den Pflegeberufen müssen deshalb sehr viel breiter qualifiziert sein als in der Vergangenheit“, erläutert Dr. Peter Littig, Bildungspolitischer Berater der Geschäftsführung bei der DEKRA Akademie, die Ergebnisse. „Infolge der demografischen Entwicklung verschwimmt die klare Trennung zwischen den einzelnen Fachrichtungen. Insofern ist es nur konsequent, die Reform der Pflegeberufe anzugehen.“

Inhalte des DEKRA Arbeitsmarkt-Reports 2016:
Im Erhebungszeitraum vom 22. Februar bis 06. März wurden Stellenanzeigen in elf deutschen Tageszeitungen, zwei Online-Jobbörsen und einem sozialen Netzwerk ausgewertet. Der Report beinhaltet

  • einen Überblick über die Entwicklung der Berufe und Tätigkeitsfelder
  • eine vertiefende Analyse von Pflegeberufen
  • eine vertiefende Analyse der Tätigkeit von Berufskraftfahrern
  • einen Exkurs zum Thema „Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen“
  • Expertenkommentare zu Arbeitsmarkt-Trendthemen


Der DEKRA Arbeitsmarkt-Report 2016 kann kostenfrei per E-Mail unter
angefordert werden und ist verfügbar unter
www.dekra.de/Share/Blaetterberichte/arbeitsmarktreport-2016/blaetterkatalog

Weitere Informationen:
DEKRA Akademie GmbH
Dr. Peter Littig
Tel. 0171.7617400

Pressekontakt:

Dr.  Torsten Knödler

Pressesprecher Wirtschaft

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Telefon +49.711.7861-2075

Fax +49.711.7861-742075

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