Arbeiten in abwassertechnischen Anlagen

Gefährdungsrisiken durch das Coronavirus

Um Mitarbeiter bei ihrer Arbeit in abwassertechnischen Anlagen vor biolo-gischen Gefährdungen zu schützen, muss eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden.

Der Umgang für nicht gezielte Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in abwassertechnischen Anlagen wird auf der Grundlage der Biostoffverordnung (BioStoffV) durch die Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) 220 „Sicherheit und Gesundheit bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in abwassertechnischen Anlagen“ geregelt.

Gefährdungsbeurteilung

Der Arbeitgeber hat entsprechend § 7 BioStoffV eine Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen durchzuführen. Dazu hat er sich vor der Aufnahme von Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ausreichende Informationen zu beschaffen, die eine Gefährdungsbeurteilung hinsichtlich biologischer Gefährdungen ermöglichen (§ 4 BioStoffV). Aus der Bewertung der Informationen hat die Ableitung von Schutzmaßnahmen zu erfolgen. Im Anwendungsbereich dieser TRBA treten in der Regel biologische Arbeitsstoffe der Risikogruppen 1 und 2 auf.
SARS-CoV-2 wurde vom Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) aus präventiver Sicht vorläufig in die Risikogruppe 3 nach Biostoffverordnung eingestuft.
Das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch zu Mensch über die Schleimhäute der Atemwege geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie der Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.
Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Symptome gezeigt hatten. Die neuartigen Coronaviren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden.
Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt.
Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes hat der Arbeitgeber die Gefährdung der Beschäftigten durch die Tätigkeiten mit Biostoffen vor Aufnahme der Tätigkeit zu beurteilen. Die Gefährdungsbeurteilung ist fachkundig durchzuführen. Verfügt der Arbeitgeber nicht selbst über die entsprechenden Kenntnisse, so hat er sich fachkundig beraten zu lassen. Der Arbeitgeber hat die Gefährdungsbeurteilung unverzüglich zu aktualisieren, wenn maßgebliche Veränderungen der Arbeitsbedingungen oder neue Informationen, zum Beispiel Unfallberichte oder Erkenntnisse aus arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen, dies erfordern oder die Prüfung von Funktion und Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen ergeben hat, dass die festgelegten Schutzmaßnahmen nicht wirksam sind.
Ansonsten hat der Arbeitgeber die Gefährdungsbeurteilung mindestens jedes zweite Jahr zu überprüfen und bei Bedarf zu aktualisieren.

Relevante Tätigkeiten

Bei abwassertechnischen Arbeiten wird unterschieden zwischen Tätigkeiten in der Abwasserleitung und Tätigkeiten in der Abwasserbehandlung.
Tätigkeiten, die bei Bau- und Sanierungsarbeiten sowie dem Betrieb und der Instandhaltung bei der Abwasserleitung zu einer Gefährdung durch Biostoffe führen können sind zum Beispiel die Kontrolle von Schächten und Kanälen, Hochdruckspülung von Abwasserkanälen, Störungsbehebung bei Rohrverstopfung, Auswechseln defekter Pumpen, Pumpenwartung und Entfernung von Rechengut. Im Bereich der Abwasserbehandlung können z.B. Reinigungsarbeiten, Störungsbehebungen, Umgang mit Reststoffen, Entnahme von Abwasser- und Schlammproben zu einer Gefährdung durch Biostoffe führen.
(Quelle: TRBA 220, Punkt 4.3)

Schutzmaßnahmen und Recht

Zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung sind durch den Arbeitgeber Informationen zu beschaffen (§ 4 BioStoffV) und die Gefährdungen zu ermitteln und zu beurteilen (§§ 4–6 BioStoffV). Zur Informationsbeschaffung gehören u.a. das Ausmaß und die Dauer der Exposition, Übertragungswege, Art, Dauer und Häufigkeit der Tätigkeit und spezifische Faktoren. Aber auch beispielsweise tätigkeitsbezogene Informationen über Erkrankungen der Beschäftigten sind zu berücksichtigen.
Die Schutzmaßnahmen sind festzulegen (§§ 9–10 BioStoffV). Hierbei ist folgende Rangfolge einzuhalten:
  1. Bauliche und technische Maßnahmen
  2. Organisatorische Maßnahmen
  3. Hygienische Maßnahmen
  4. Personenbezogene Maßnahmen
(Quelle/ Information: TRBA 200; TRBA 214; TRBA 400; TRBA/TRGS 406; TRBA 405; TRBA 462; TRBA 500)

Hinweis

Es wird darauf hingewiesen, dass beim Tragen eines Barts im Bereich der Dichtlinie von Atemschutzgeräten die erwartete Schutzwirkung wegen des schlechten Dichtsitzes nicht zu erreichen ist.
Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie uns.