Gewerbliche Abfallsammlung (Siedlungsabfälle)

Schutzmaßnahmen und Hinweise für den Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen

Bei der Abfallsammlung werden Tätigkeiten ausgeführt, bei denen Beschäftigte mit Abfällen, Behältersystemen und Fahrzeugen umgehen, die biologische Arbeitsstoffe enthalten bzw. denen diese Stoffe anhaften. Beschäftigte kommen dabei mit biologischen Arbeitsstoffen in Kontakt, ohne dass die Tätigkeiten auf diese ausgerichtet sind.

Gefährdungsbeurteilung

Der Arbeitgeber hat entsprechend § 7 BioStoffV eine Gefährdungsbeurteilung bei nicht gezielten Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen durchzuführen. Dazu hat er vor Aufnahme von Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ausreichende Informationen zu beschaffen, die eine Gefährdungsbeurteilung hinsichtlich biologischer Gefährdungen ermöglichen (§ 4 BioStoffV).
Der Betriebs- oder Personalrat, die Fachkraft für Arbeitssicherheit, der Betriebsarzt oder der Arzt sind bei der Gefährdungsbeurteilung zu beteiligen.

Allgemeine Schutzmaßnahmen

  • Das Arbeiten in Bereichen, in welchen Gefährdungen durch biologische Arbeitsstoffe auftreten, ist zu minimieren.
  • Die allgemeinen Grundsätze zur Hygiene bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen der TRBA 500 „Allgemeine Hygienemaßnahmen: Mindestanforderungen“ sind zu beachten.
  • Der Arbeitgeber hat dafür Sorge zu tragen, dass geeignete körperbedeckende Schutzkleidung zur Verfügung steht, die regelmäßig und bei Bedarf gereinigt wird (bei starker Verschmutzung oder Durchnässung).
  • Geeignete persönliche Schutzausrüstung (z.B. Atemschutz und Einwegschutzkleidung) sind zur Verfügung zu stellen.
  • Die Beschäftigten sind in der Betriebsanweisung auf die Benutzungspflicht hinzuweisen.
Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten die Aufnahme von Nahrungs- und Genussmitteln unter solchen Bedingungen zu ermöglichen, dass die Aufnahme von biologischen Arbeitsstoffen aus der Arbeitsumwelt vermieden wird. Diese Forderung ist z.B. erfüllt, wenn
  • das Essen, Trinken, Rauchen grundsätzlich beim Umgang mit Abfällen untersagt wird.
  • Erfrischungsgetränke so in der Nähe der Arbeitsplätze bereitgestellt bzw. aufbewahrt werden, dass ein Kontakt mit biologischen Arbeitsstoffen nicht möglich ist.
  • Die Beschäftigten sind regelmäßig über die möglichen Gefährdungen durch biologische Arbeitsstoffe und die festgelegten Schutzmaßnahmen in der für sie verständlichen Sprache anhand einer Betriebsanweisung entsprechend § 14 BioStoffV mündlich zu unterweisen.

Führerhäuser - Technische Maßnahmen

  • Führerhäuser mit Steuerstand zur Behälterladung (z.B. Front- und Seitenlader) müssen geschlossen sein und über eine raumlufttechnische Einrichtung (Klimaanlage) verfügen.
  • Um Ablagerungen von biologischen Arbeitsstoffen in den Führerhäusern zu minimieren, sollte schon bei der Beschaffung darauf geachtet werden, dass im Inneren möglichst keine schwer zugänglichen Räume und Nischen vorhanden sind.
  • Führerhäuser neuer Fahrzeuge sollen mit technischen Einrichtungen zur Verminderung der Kontamination der Aufstiege ausgerüstet sein (z.B. Gitterroste oder perforierte Auftrittsbleche).
  • Die Oberflächen im Innenraum von Führerhäusern und Steuerständen sind nach Möglichkeit so zu gestalten, dass sie leicht zu reinigen sind.
  • Staubbindende Gegenstände (z.B. Kissen, Sitzabdeckungen, Teppiche) sind aus Führerhäusern fern zu halten.

Organisatorische Maßnahmen

  • Ein Wartungs- und Reinigungsplan ist zu erstellen und durchzuführen.
  • Führerhäuser sind arbeitstäglich zu reinigen.
  • Filter von raumlufttechnischen Einrichtungen sind entsprechend den Angaben des Herstellers regelmäßig zu warten und zu wechseln.
  • Die Fahrzeuge sollen nur in unbelasteten Anlagenbereichen abgestellt werden.
  • Die Türen und Fenster der Führerhäuser sind in belasteten Bereichen (z.B. beim Be- und Entladen) geschlossen zu halten. Das Ein- und Aussteigen in belasteten Bereichen ist soweit wie möglich zu reduzieren.

Hygienemaßnahmen durch die Beschäftigten

  • Regelmäßiges Stoßlüften der Arbeits- und Aufenthaltsräume.
  • Regelmäßige und gründliche Reinigung der Hände mit Wasser und Seife.
  • Mindestens 1-2 Meter Abstand zu Personen einhalten.
  • Tätigkeiten auf Arbeiten beschränken, die möglichst allein durchgeführt werden können.
  • Augen, Nase und Mund nicht mit den Händen zu berühren.
  • Begrüßung durch Händeschütteln und Körperkontakt vermeiden.
  • Bedieneinheiten von Anlagen oder Maschinen generell nur mit geeigneten Handschuhen durchführen.
  • Gebrauchte PSA fachgerecht über die Abfallbehälter entsorgen.
  • Spezifische PSA (z. B. Augen- und Gesichtsschutz) nicht durch mehrere Beschäftigte verwenden.

Persönliche Schutzmaßnahmen und –ausrüstungen (PSA)

  • Wenn die Gefährdung durch luftgetragene biologische Arbeitsstoffe nicht durch bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen verringert werden kann, ist geeigneter Atemschutz zur Verfügung zu stellen.
  • Die arbeitsmedizinische Vorsorge ist dem zuständigen Betriebsarzt abzuklären.
  • Für Tätigkeiten, bei denen Atemschutz zum Einsatz kommt, sind in der Gefährdungsbeurteilung die weitergehenden Anforderungen festzulegen.
Geeigneter Atemschutz für den Bereich der Schüttung muss folgende Anforderungen erfüllen:
  • Mindestens Halbmaske mit Partikelfilter der Klasse P2 nach DIN EN 143 „Atemschutzgeräte, Partikelfilter; Anforderungen, Prüfung, Kennzeichnung“ oder partikelfiltrierende Halbmaske FFP2 gemäß DIN EN 149 „Atemschutzgeräte, partikelfiltrierende Halbmasken zum Schutz gegen Partikel; Anforderungen, Prüfung, Kennzeichnung“.
  • Filtrierende Halbmasken mit Ausatemventil sind bevorzugt einzusetzen.
  • Atemschutzfilter und partikelfiltrierende Halbmasken sind täglich zu wechseln.
  • Im Übrigen sind die Berufsgenossenschaftlichen Regeln für die Benutzung von Atemschutzgeräten DGUV Regel 112-190 (bisher: BGR 190) zu beachten.
(QUELLE/INFO: TRBA 200; TRBA 212 (aufgehoben); TRBA 213; TRBA 214; TRBA 400; TRBA/TRGS 406)
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