Gewerbliche Wertstoffsortierung

Empfehlungen und Hinweise für Betreiber von Wertstoffanlagen

Um die Gesundheit und die Sicherheit von Beschäftigten zu gewährleisten, muss die Arbeit hinsichtlich eventueller Gefahren bewertet werden. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) hat der Arbeitgeber demzufolge die Gefährdung durch die Tätigkeiten mit Biostoffen im Vorfeld zu beurteilen.

Für den Umgang mit Biostoffen während Tätigkeiten in Anlagen sowohl zur Behandlung als auch zur stofflichen oder energetischen Verwertung von Abfällen, gibt es sogenannte Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA). Die TRBA 214 mit dem Titel „Anlagen zur Behandlung und Verwertung von Abfällen“ geben wichtige Hinweise für die aktuelle Lage.
Die TRBA 214 gilt außerdem für Sortieranalysen und manuelles Sortieren von Abfällen außerhalb von Abfallbehandlungsanlagen. Sie gilt nicht für Tätigkeiten mit Abfällen, an deren Sammlung und Entsorgung aus infektionspräventiver Sicht besondere Anforderungen gestellt werden.
Unter den Begriff "Anlagen zur Aufbereitung von Abfällen mit physikalischen, mechanischen und/oder biologischen Verfahren (Abfallbehandlungsanlagen)" im Sinne dieser TRBA fallen zum Beispiel:
  • Aufbereitungs- und Sortieranlagen für z.B. Siedlungs- und Gewerbeabfälle einschließlich getrennt gesammelter Fraktionen (z.B. Papier und Pappe, Glas, Textilien, Kunststoffe), sowie für Bau- und Abbruchabfälle
  • Kompostierungsanlagen (Anlagen zur Erzeugung von Kompost aus organischen Abfällen)
  • Vergärungsanlagen und Kofermentationsanlagen, in denen Abfallstoffe wie Bioabfälle aus der Haushaltssammlung gemeinsam mit Wirtschaftsdünger oder nachwachsenden Rohstoffen im Fermentationsprozess eingesetzt werden
  • Mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlagen (MBA)
  • Mechanisch-physikalische Abfallbehandlungs- oder Stabilisierungsanlagen (MPS)
  • Anlagen, in denen Abfälle verbrannt, energetisch verwertet oder als Ersatzbrennstoff (EBS, abfallstämmige Brennstoffe) eingesetzt werden
  • Abfallumladestationen

Gefährdungsbeurteilung

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes hat der Arbeitgeber die Gefährdung der Beschäftigten durch die Tätigkeiten mit Biostoffen vor Aufnahme der Tätigkeit zu beurteilen.
Die Gefährdungsbeurteilung ist fachkundig durchzuführen. Verfügt der Arbeitgeber nicht selbst über die entsprechenden Kenntnisse, so hat er sich fachkundig beraten zu lassen. Der Arbeitgeber hat die Gefährdungsbeurteilung unverzüglich zu aktualisieren, wenn maßgebliche Veränderungen der Arbeitsbedingungen oder neue Informationen, zum Beispiel Unfallberichte oder Erkenntnisse aus arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen, dies erfordern oder die Prüfung von Funktion und Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen ergeben hat, dass die festgelegten Schutzmaßnahmen nicht wirksam sind.
Ansonsten hat der Arbeitgeber die Gefährdungsbeurteilung mindestens jedes zweite Jahr zu überprüfen und bei Bedarf zu aktualisieren.

Beispiele für relevante Tätigkeiten

Gefährdungen durch Biostoffe können im Bereich der Wertstoffsortierung, aber auch durch Verbreitung via Staub- und Aerosolbildung bei der Aufbereitung von Abfällen, durch direkten Kontakt zu Abfall, bei Reinigungs- und Instandsetzungsarbeiten an Maschinen oder durch verunreinigte Gegenstände, Materialien und Kleidung entstehen. Insbesondere durch Tierkadaver und Abfälle aus Krankenhäusern, Arztpraxen oder Haushalten mit Kranken oder Pflegebedürftigen können Biostoffe der Risikogruppe 3 vorhanden sein.

Schutzmaßnahmen

Zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung sind durch den Arbeitgeber Informationen zu beschaffen (§ 4 BioStoffV), die Gefährdungen zu ermitteln und zu beurteilen (§§ 4–6 BioStoffV) sowie Schutzmaßnahmen festzulegen (§§ 9–10 BioStoffV).
Die Schutzmaßnahmen sind festzulegen (§ 8 Absatz 4 BioStoffV). Hierbei ist folgende Rangfolge einzuhalten:
  1. Bauliche Maßnahmen
  2. Technische Maßnahmen
  3. Organisatorische und hygienische Maßnahmen
  4. Personenbezogene Maßnahmen
(Quellen: TRBA 200; TRBA 214; TRBA 400; TRBA/TRGS 406; TRBA 405; TRBA 462; TRBA 500)

Zentrale Aussage

Die Entsorgung von in Haushalten anfallenden Abfällen, die eventuell mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) kontaminiert sind, kann bei Beachtung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen gemeinsam mit dem Restmüll erfolgen. Solche Abfälle dürfen allerdings nicht den Sammelsystemen für die getrennte Erfassung von Wertstoffen (z. B. Papiertonne, Biotonne, gelber Sack) zugeführt werden.
HINWEIS
Diese Ausführungen gelten nur unter der Voraussetzung, dass die Restabfälle – wie dies in Bayern ganz überwiegend erfolgt – einer thermischen Behandlung zugeführt werden. Für Rückfragen zur Entsorgung im Einzelfall sollten Sie sich an die Abfallberatung Ihrer entsorgungspflichtigen Körperschaft (kreisfreie Stadt oder Landkreis) wenden.
(Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt, Abfallratgeber Bayern Informationsstelle Kreislaufwirtschaft des LfU Stand: 12. März 2020)
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