Früh übt sich! Was Eltern zu einem besseren Verhalten ihrer Kinder im Verkehr beitragen können

Kind an der Hand der Mutter

Trotzige Schreie vom Straßenrand. Als Mama werde ich fast automatisch hellhörig. „Ich will aber keinen Helm aufziehen!“ Der Junge ist etwa sieben Jahre alt und verschränkt wutentbrannt die Arme. Rad und Helm liegen zu seinen Füßen. Sein Papa versucht verzweifelt, ihm den Helm aufzudrücken, während er etwas davon murmelt, dass das nun Mal wichtig sei. „Recht hat er“, denke ich, als ich vorbeilaufe. Doch dann sagt der Kleine etwas Entscheidendes: „Warum hast du dann nie einen Helm auf?“ Er trifft einen wunden Punkt. Bei seinem Papa, aber auch bei mir.

Die Vorbildfunktion von Eltern wird in vielen Lebensbereichen ganz selbstverständlich thematisiert, doch im Straßenverkehr wird gerne mal ein Auge zugedrückt. Ich kenne viele Erwachsene – auch Eltern – die nie einen Helm tragen, sei es aus Faulheit oder ganz einfach aus modischen Gründen. Die sich im Auto nicht anschnallen. Die mit den Kindern an der Hand bei Rot über die Straße rennen. Nur dieses eine Mal. Und da war ja auch wirklich niemand weit und breit.

Aber: Wie sollen wir etwas von unseren Kindern erwarten, was wir selbst nicht leben? Uns muss bewusst sein, welche Muster wir damit unseren Kindern vorleben. Und was das in der Realität bedeuten kann: Denn wenn Kinder im Straßenverkehr Entscheidungen treffen wie leichtsinnige Erwachsene, allerdings ohne die gleichen körperlichen und kognitiven Fähigkeiten, wird es gefährlich.

Deshalb ist es, auch gerade im Straßenverkehr wichtig, sich unserer Vorbildfunktion als Eltern bewusst zu sein. Selbst einen Helm zu tragen. Sich anzuschnallen. Konsequent bei Rot anzuhalten, denn dann prägt sich hoffentlich das gleiche Muster bei den Kleinen ein. Damit gespeichert wird: Rot heißt Stehen – und nicht Rot heißt manchmal Stehen.

Spannend finde ich deshalb auch die Kooperation des Verkehrspsychologischen Instituts „sicher unterwegs“ mit der Allgemeinen Unfallversicherung AUVA. Unter der Leitung der Verkehrspsychologin Dr. Bettina Schützhofer werden hier Workshops für Eltern von Kindergarten- und Schulkindern angeboten. Darin sollen Eltern ein besseres Verständnis für die Wahrnehmungsfähigkeiten ihrer Kinder im Verkehrsraum bekommen, sowie Ansätze wie man seien Kinder altersgerecht und spielerisch auf den Verkehr vorbereiten kann.

Mein Sohn Neon wird dieses Jahr drei Jahre alt und hat bereits jetzt ein reges Interesse für alles was „brummt“ und sich schnell bewegt. Für mich ist klar, dass ich ihn zwar nicht ängstlich, aber bewusst auf die Verkehrswelt vorbereiten will. Ich will, dass er Radfahren lernt, dass er irgendwann alleine mit seinen Freunden zur Schule laufen kann, dass er Autofahren lernt. All das wird ein Prozess und ich bin mir jetzt mehr bewusst, dass ich und mein eigenes Verhalten ein großer Teil davon sein werden. Also: Helm und Augen auf, liebe Eltern!

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