Land- und Forstwirtschaft

Schutzmaßnahmen für den richtigen Umgang mit Biostoffen

Bei Tätigkeiten in der Land- und Forstwirtschaft aber auch bei den vergleichbaren Tätigkeiten besteht die Möglichkeit, dass Beschäftigte mit Biostoffen oder biogenen Stoffen in Kontakt kommen.

Der Arbeitgeber ist nach § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet zu überprüfen, ob bei der Arbeit die Sicherheit und Gesundheit seiner Beschäftigten gefährdet sein können. Er hat die möglichen Gefährdungen zu beurteilen und die erforderlichen Schutzmaßnahmen festzulegen und durchzuführen. Bei der Gefährdungsbeurteilung sind auch Tätigkeiten zu berücksichtigen, die nur selten durchgeführt werden. Dazu können beispielsweise Reparaturarbeiten zählen.
Er hat für die Gefährdungsbeurteilung die einschlägigen Regelungen der TRBA 400 „Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung und für die Unterrichtung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen“ anzuwenden. Die Gefährdungsbeurteilung muss fachkundig erfolgen.

Technische und bauliche Schutzmaßnahmen

  • Arbeitsbereich und Wohnbereich sind strikt zu trennen, z.B. durch vollständig voneinander getrennte Gebäude, Schleusen (Schwarz-Weiß-Trennung).
  • Es sind vom Arbeitsplatz getrennte Umkleidemöglichkeiten bzw. -räume mit zwei getrennten Bereichen jeweils für Arbeits- und Privatkleidung zur separaten Aufbewahrung vorzusehen.
  • Es ist sicherzustellen, dass durch Tätigkeiten oder Arbeitsverfahren, die zu einer Freisetzung oder Verschleppung von Biostoffen führen, keine Beschäftigten in benachbarten Arbeitsbereichen belastet werden.
  • Die Belastung der Beschäftigten durch Staub und Bioaerosole ist zu minimieren, z.B. durch
    1. Vermeidung größerer Fallhöhen staubender Materialien;
    2. raumlufttechnische Anlagen;
    3. Lüftungsoptimierung in baulichen Anlagen (auch bei freier Lüftung der Ställe);
    4. geschlossene Fahrerkabinen an landwirtschaftlichen Fahrzeugen möglichst mit Kabinenschutzbelüftung;
    5. Schutz vor Stäuben - bei regelmäßigen Arbeiten mit staubendem organischem Material größeren Umfangs.
  • Der Arbeitgeber hat Funktion und Wirksamkeit der technischen Schutzmaßnahmen regelmäßig, mindestens jedes zweite Jahr, zu überprüfen.

Organisatorische Schutzmaßnahmen

  • Die Zahl der Beschäftigten, die Biostoffen ausgesetzt sind oder sein können, ist auf das für die Erfüllung der Arbeitsaufgabe notwendige Maß zu begrenzen.

Hygienemaßnahmen

  • Arbeitsbereiche sind regelmäßig gemäß der Gefährdungsbeurteilung und der Festlegungen im Reinigungs- und Hygieneplan und bei Bedarf zu reinigen und ggf. zu desinfizieren.
  • Schutzmaßnahmen zur Reinigung und zur Desinfektion von Arbeitsbereichen und Geräten sind schriftlich gemäß der Gefährdungsbeurteilung festzulegen und zu überwachen.
  • Die Reinigung muss prinzipiell unter Vermeidung von Staubaufwirbelungen erfolgen. Dies kann durch Feucht- oder Nassreinigung oder durch den Einsatz von speziellen Staubsaugern erreicht werden.
  • Es ist für grundlegende Hygienemaßnahmen zu sorgen. Dazu gehört das Waschen und ggf. die Desinfektion der Hände vor Eintritt in die Pausen und bei Beendigung der Tätigkeit und das Reinigen/Wechseln von Arbeitskleidung und persönlicher Schutzausrüstung.
  • Maßnahmen sind in einem Reinigungs- und Hygieneplan festzuhalten, siehe auch TRBA 500 „Grundlegende Maßnahmen bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen“.
  • Aus Gründen der Verletzungsgefahr sowie der mangelnden Wirksamkeit einer hygienischen Händewäsche und -desinfektion dürfen an Händen und Unterarmen keine Schmuckstücke, Uhren und Ringe getragen werden.
  • Es sind an allen Arbeitsplätzen - auch im Freien - Waschgelegenheiten, Einrichtungen zum hygienischen Trocknen der Hände (z.B. Einmalhandtücher) sowie geeignete Hautschutz-, Hautreinigungs-, Hautpflegemittel und ggf. Mittel zur Händedesinfektion gemäß Hautschutzplan zur Verfügung zu stellen und die Mitarbeiter in deren regelmäßiger und richtiger Anwendung zu unterweisen.
  • Die Pausen- oder Bereitschaftsräume bzw. Tagesunterkünfte dürfen nicht mit stark verschmutzter Arbeitskleidung betreten werden.
  • Der Wohnbereich sollte grundsätzlich nicht mit Arbeitskleidung betreten werden, um eine Kontamination des Wohnbereiches zu vermeiden. Weitere Maßnahmen zur Vermeidung der Verschleppung von Biostoffen und Allergenen in das häusliche Umfeld sind zu treffen:
    • Duschen nach der Arbeit;
    • Tragen von Mütze oder Kopftuch;
    • Kontakte von Arbeitskleidung und Privatkleidung vermeiden;
    • Waschmaschine für Arbeitskleidung nicht im häuslichen Bereich aufstellen.

Hygienemaßnahmen durch die Beschäftigten

  • Regelmäßiges Stoßlüften der Arbeits- und Aufenthaltsräume.
  • Regelmäßige und gründliche Reinigung der Hände mit Wasser und Seife.
  • Mindestens 1-2 Meter Abstand zu Personen einhalten.
  • Tätigkeiten auf Arbeiten beschränken, die möglichst allein durchgeführt werden können.
  • Augen, Nase und Mund nicht mit den Händen zu berühren.
  • Begrüßung durch Händeschütteln und Körperkontakt vermeiden.
  • Bedieneinheiten von Anlagen oder Maschinen generell nur mit geeigneten Handschuhen durchführen.
  • Gebrauchte PSA fachgerecht über die Abfallbehälter entsorgen.
  • Spezifische PSA (z. B. Augen- und Gesichtsschutz) nicht durch mehrere Beschäftigte verwenden.

Betriebsanweisung

  • Der Arbeitgeber hat vor Aufnahme der Tätigkeit eine schriftliche Betriebsanweisung zu erstellen und diese bei jeder maßgeblichen Veränderung der Arbeitsbedingungen zu aktualisieren. Die Betriebsanweisung ist in einer für die Beschäftigten verständlichen Form und Sprache abzufassen und zur Einsichtnahme auszulegen oder auszuhängen. Bei der Betriebsanweisung sind insbesondere folgende Punkte zu berücksichtigen:
    1. die mit den Tätigkeiten vorgesehenen möglichen Gefährdungen durch Biostoffe und ihre gesundheitlichen Wirkungen;
    2. die notwendigen Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln (einschließlich Verweis auf den Reinigungs- und Hygieneplan sowie den Hautschutzplan);
    3. das Tragen, Verwenden und Ablegen von PSA sowie
    4. Erste-Hilfe-Maßnahmen, Verhalten bei Unfällen und Betriebsstörungen.
  • Hinweise und Beispiele für die Erstellung von Betriebsanweisungen wurden durch Versicherungsträger und Arbeitsschutzbehörden veröffentlicht. Diese sind an die betriebsspezifischen Gegebenheiten anzupassen und zu ergänzen.
(QUELLE/INFO: TRBA 200; TRBA 230; TRBA 400; TRBA/TRGS 406; Beschluss des ABAS 608)
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