Sicherheit in der Luftfahrt

18. Feb 2020

Audits

Das Qualitätsmanagement auf allen Ebenen beherrschen - Konfigurationsmanagement im Fokus

Die Luftfahrtindustrie stößt an ihre Kapazitätsgrenzen: im Luftverkehr, bei Infrastrukturprojekten und in der Produktion. Bis 2037 sollen sich die Flugpassagiere auf über acht Milliarden pro Jahr verdoppelt haben. Um die Fertigungsraten auf Rekordniveau und Spezialanforderungen beispielsweise an den Leichtbau, die Energieeffizienz und Komfortausstattungen noch bewältigen zu können, wird die globale Lieferkette immer länger. Die Lieferanten qualitätsgesichert zu steuern, ist daher eine Schlüsselaufgabe in den Qualitätssystemen der Luftfahrtindustrie.

Das Qualitätssystem auf allen Ebenen beherrschen

Originalausrüster (OEM) mit einer behördlichen Zulassung nach EASA Part 21 G oder auch die behördlich eingestuften Entwicklungsbetriebe nach EASA Part 21 J haben die volle Verantwortung, dass nur betriebssichere Bauteile und Ausrüstungen in den Verkehr gebracht werden – vom Wareneingang bis zum kompletten Materialfluss in die Produktion. Die tragischen Unglücksflüge der beiden 737 Max-Maschinen führen vor Augen, dass auch ein Flottenausbau mit neuesten Maschinen keine Sicherheitsgarantie birgt, sondern nur ein umfassendes, integriertes Qualitätsmanagementsystem über alle Lieferebenen. Die Qualitätsnorm DIN EN 9100 fordert seit ihrer Neuauflage explizit QM-Prozesse, um das Beschaffungsrisiko in seinen vielschichtigen Wechselwirkungen zu erkennen und geeignete Maßnahmen zur Überwachung einzurichten. Hierzu zählt auch eine Reporting-Struktur, die eine umgehende Meldung eines Vorfalls an die Behörden und Branchen- Informationsdienste sicherstellt.

Anforderungen eindeutig benennen

Auch wenn die Luftfahrtindustrie nahezu im Akkord arbeitet, so gleicht die Produktion eher einer Manufakturarbeit mit kleinen Stückzahlen. Selbst Maschinen einer Serie sind aufgrund der komplexen Einzelfertigung und weitverzweigte Zulieferwege für Flugwerk, Antriebstechnik oder Ausrüstungskomponenten nicht exakt baugleich. Vor diesem Hintergrund ist in der Praxis beispielsweise zu beobachten, dass Anforderungen im Beschaffungsprozess nicht immer von vornherein spezifiziert sind und gegenüber dem Lieferanten als „to-be-discussed“ noch offen gehalten werden.

Qualitätssicherheit über die gelieferten Teile zu gewinnen, ist aber nur möglich, wenn eine eindeutige Bezugskonfiguration und eine sogenannte beherrschte Umgebung vorliegen. Dies ist die Aufgabe des Konfigurationsmanagements. Es erweist sich somit als zentrales Element im Qualitätssicherungssystem eines Luftfahrtherstellers. Die Luftfahrtnorm DIN EN 9100 verlangt daher: „Die Organisation muss die Prozesse planen, umsetzen und lenken, die, angemessen für die Organisation und das Produkt, notwendig sind, um die Produktsicherheit während des gesamten Produktlebenszyklus sicherzustellen.“ Beispiele für die Prozesse sind:

  • die Bewertung von Gefährdungen und die Steuerung der zugeordneten Risiken;
  • die Lenkung sicherheitskritischer Einheiten;
  • die Analyse und Berichterstattung von die Sicherheit betreffenden, eingetretenen Ereignissen;
  • Kommunikation dieser Ereignisse und Ausbildung von Personen.

In der betrieblichen Praxis sollte mindestens einmal im Monat abglichen werden, ob sich bei den erforderlichen funktionellen und physischen Merkmalen etwas geändert hat. Dies ist vor allem für die kleinen Betriebe wichtig, weil sie bei einer fehlenden oder nachlässigen Konfigurationsbeschreibung häufig mit Überschussinformationen konfrontiert werden, die letztlich nicht relevant für die eigene Konfigurationseinheit sind.

Jederzeit den Überblick behalten

Änderungen sind in einem Entwicklungs- und Produktionsprozess als Reifungsstufen nichts Ungewöhnliches. Jeder Betrieb sollten sich mit einer Datenbank jederzeit einen Überblick über die aktuellen Konfigurationsdokumente mit den Bezugsvorgaben verschaffen können. Fehlt dieses Management, kann die gesamte Lieferkette mit Rückfragen, Verzögerungen und Nachbesserungen schnell ein Steuerungsproblem bekommen.

Neben der Identifikation und Abgrenzung der Produktionseinheiten ist das Audit eine weitere tragende Säule des Konfigurationsmanagements. In dem Audit wird abgeglichen, ob die technische Realisierung der Bezugsbeschreibung, den definierten Leistungen und den Änderungsanträgen entspricht und ob die Konfigurationsbeschreibung auch auf dem aktuellen Stand der Technik ist.

Fazit:

Das Konfigurationsmanagement ist ein wesentliches Instrument, um für die normgerechte Produktsicherheit während des gesamten Produktlebenszyklus zu sorgen. Durch die weiter voranschreitende enge Vernetzung der Lieferkette weicht die Unterscheidung zwischen einer kritischen und weniger kritischen Lieferbeziehung auf. Daher sind Luftfahrtbetriebe jeder Größenordnung gut beraten, auf ein stabiles Konfigurationsmanagement zu achten, um sich auch weiterhin als verlässliche Bezugsquelle zu empfehlen.

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