Trotz voranschreitender Digitalisierung:
DEKRA: Rettungskarte im Fahrzeug bleibt wichtige Hilfe für Rettungskräfte
Nach schweren Verkehrsunfällen muss die Feuerwehr eingeklemmte oder eingeschlossene Personen möglichst schnell und sicher aus dem Fahrzeug befreien. Dabei verwenden die Einsatzkräfte oft hydraulische Rettungsgeräte wie Schere, Spreizer oder Rettungszylinder. Wo und wie diese Geräte angesetzt werden, entscheidet über Geschwindigkeit, Erfolg und Sicherheit der Rettungsmaßnahme. Eine wichtige Hilfe ist dabei immer noch die Rettungskarte im Fahrzeug.
- Schnelle Orientierung bei Verkehrsunfällen mit eingeklemmten Personen
- Feuerwehr erkennt Gefahrenbereiche im Fahrzeug
- Besonders relevant für Elektro- und Hybridfahrzeuge
Sie beschreibt, wo Airbags, Gurtstraffer und die dazu gehörenden Gasgeneratoren verbaut sind, und informiert über das Kraftstoff- oder Hochvoltsystem. Auf der Karte ist auch verzeichnet, an welchen Stellen die Karosserie mit hochfesten Stählen verstärkt ist. Damit erkennen Einsatzkräfte sofort, wo sie die Fahrzeugstruktur öffnen können und wo besondere Gefahren bestehen.
Die Rettungskarte wird hinter die Fahrer-Sonnenblende gesteckt. Ein Aufkleber an der Windschutzscheibe zeigt den Helfern, dass die Karte im Fahrzeug vorhanden ist. „Bei der technischen Rettung geht es immer um Zeit. Sinnvoll wäre, wenn die Rettungskarte in jedem Fahrzeug bereits ab Werk vorhanden wäre“, sagt Tim Strobel, Stellvertretender Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Nastätten im Rhein-Lahn-Kreis (Rheinland-Pfalz).
Herausforderungen bei der Rettung
„In heutigen Fahrzeugen kommen zunehmend hochfeste Werkstoffe, umfangreiche Airbag-Systeme und neue Antriebstechnologien zum Einsatz. Die stabile Fahrgastzelle schützt die Insassen sehr gut, kann nach schweren Kollisionen aber auch die Befreiung erschweren“, erläutert Unfallforscher Markus Egelhaaf von DEKRA.
Wenn Rettungsgeräte an ungeeigneten Stellen angesetzt werden, kann das schwerwiegende Folgen haben. So können beispielsweise Komponenten nicht ausgelöster Airbags oder Gurtstraffer beschädigt werden – mit möglichen Risiken für Einsatzkräfte und eingeschlossene Insassen. Ebenso besteht die Gefahr, auf besonders hochfeste Strukturteile zu treffen, die die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Rettungsgeräte übersteigen. Das kann die Rettungszeit verlängern oder sogar zu Schäden am Gerät führen.
Mit der zunehmenden Elektrifizierung des Fahrzeugbestands kommen weitere Risiken hinzu. Elektro- und Hybridfahrzeuge haben Hochvoltsysteme mit mehreren hundert Volt Spannung. Wenn bei Rettungsmaßnahmen stromführende Leitungen oder andere Hochvoltkomponenten beschädigt werden, können Einsatzkräfte und Insassen durch eventuell auftretende Kurzschlüsse gefährdet werden. Deshalb müssen die Feuerwehrleute vor Beginn der Rettung eindeutig erkennen, wo sich die Hochvoltkomponenten befinden und wie sich diese deaktivieren lassen.
Digitale Rettungsdaten noch nicht flächendeckend verfügbar
Zwar können viele Feuerwehren in Deutschland die Rettungsdaten inzwischen digital abrufen, wenn das Kennzeichen des Fahrzeugs bekannt ist. Die Praxis zeigt jedoch: Die klassische Rettungskarte ersetzt das nicht. Auch 13 Jahre nach Einführung des Systems und Schaffung des rechtlichen Rahmens fehlt es noch immer bei einigen Leitstellen an der erforderlichen Technik und auch an notwendigen Endgeräten auf den Einsatzfahrzeugen. Für einen von der Leitstelle unabhängigen Abruf direkt an der Einsatzstelle muss der verunfallte Fahrzeugtyp bekannt sein und es ist eine Mobilfunkverbindung erforderlich. „Die Rettungskarte in Papierform ist sehr vorteilhaft. Auch wenn die Digitalisierung voranschreitet, gibt es in unseren Regionen noch Ecken, in denen kein oder nur begrenzter Mobilfunkempfang vorhanden ist“, sagt Feuerwehrmann Strobel. Es gibt zudem Fälle, in denen sich nach schweren Kollisionen der Fahrzeugtyp nicht schnell genug eindeutig identifizieren lässt.
Die Rettungskarte steht für nahezu alle Fahrzeugmodelle über die jeweiligen Fahrzeughersteller kostenlos zum Download bereit. DEKRA hat auf der Seite www.dekra.de/rettungskarte die jeweiligen Herstellerseiten direkt verlinkt. Dort ist zudem kostenlos der Hinweisaufkleber „Rettungskarte im Fahrzeug“ für die Windschutzscheibe erhältlich.
DEKRA empfiehlt Fahrzeughalterinnen und Fahrzeughaltern, die passende Rettungskarte auszudrucken, hinter der Fahrersonnenblende zu hinterlegen und den Hinweisaufkleber an der Windschutzscheibe anzubringen. Wichtig ist ein farbiger Ausdruck, damit sicherheitsrelevante Bauteile eindeutig erkennbar sind.
Der Aufwand ist gering, kann im Ernstfall jedoch entscheidend dazu beitragen, Rettungszeiten zu verkürzen und Risiken für Einsatzkräfte sowie Unfallopfer zu reduzieren.