Massenbilanzsysteme: Reduzierte Einstiegshürden für nachhaltigere Materialien und Energieträger
Der Einsatz nachhaltigerer Materialien und Energieträger gewinnt in fast allen Branchen zunehmend an Bedeutung. Doch gerade in komplexen und kapitalintensiven Produktions- und Logistiksystemen ist eine physische Trennung von nachhaltigeren und konventionellen Materialien sowie Energieträgern oft technisch oder wirtschaftlich nicht realisierbar.
Durch gemeinsame Liefer-, Lager- und Produktionsprozesse kommt es zu Vermischungen der Materialien bzw. Energieträger. Dadurch lässt sich im Nachhinein nicht eindeutig nachvollziehen, zu welchen Anteilen einzelne Produkte oder Kundenaufträge aus nachhaltigeren Materialen oder Energieträgern hergestellt wurden.
Hier setzen Massenbilanzsysteme an. Diese ermöglichen es Unternehmen unter der Berücksichtigung international definierter Anforderungen, Materialien und Energieträger mit verschiedenen Nachhaltigkeitseigenschaften in denselben Logistik- und Produktionsprozessen einzusetzen und diese dann bilanziell einzelnen Produkten und Kundenaufträgen zuzuweisen.
So werden nicht nur Einstiegshürden für nachhaltigere Materialien und Energieträger in Form von hohen Investmentbedarfen oder zunehmender organisatorischer Komplexität reduziert, sondern auch die Nachfrage und Wettbewerbsfähigkeit für nachhaltigere Materialien durch niedrigere Kosten gesteigert.
Was ist ein Massenbilanzsystem?
Ein Massenbilanzsystem ist ein in ISO 22095 definiertes Chain-of-Custody-System. Mit Hilfe von Massenbilanzsystemen können nachhaltigere Materialien und Energieträger, nach einer prozess- oder organisatorisch bedingten Vermischung mit konventionellen Materialien und Energieträgern, bilanziell einzelnen Aufträgen und Produkten aus demselben Produktionsprozess zugewiesen werden.
Das bedeutet:
Unternehmen können z.B. nachweisbar biobasierte, recycelte oder CO2-reduzierte Materialien sowie Grünstrom einkaufen, gemeinsam mit konventionellen Materialien lagern und ohne physische oder organisatorische Rückverfolgbarkeit in die Produktion einfließen lassen. Anschließend können diese Materialien entsprechend der eingesetzten Inputmengen bestimmten Produkten oder Aufträgen zuweisen.
Unternehmen können z.B. nachweisbar biobasierte, recycelte oder CO2-reduzierte Materialien sowie Grünstrom einkaufen, gemeinsam mit konventionellen Materialien lagern und ohne physische oder organisatorische Rückverfolgbarkeit in die Produktion einfließen lassen. Anschließend können diese Materialien entsprechend der eingesetzten Inputmengen bestimmten Produkten oder Aufträgen zuweisen.
Die ISO 22095 definiert dafür klare Begriffe, Anforderungen und Rollen, um Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Belastbarkeit der bilanziellen Zuweisungen sicherstellen zu können.
Die Kreditmethode: effiziente Zuweisung von Materialeigenschaften
Neben der Methode des gleitenden prozentualen Durchschnitts mit der vor allem durchschnittliche produktbezogene Nachhaltigkeitsaussagen über eine Jahresproduktion getroffen werden, definiert die ISO 22095 mit der Kreditmethode die bereits beschriebene Möglichkeit, verarbeitete Inputmaterialien selektiv einzelnen Produkten, Kunden oder Aufträgen zuzuweisen.
Dabei werden Materialeingänge mit bestimmten Eigenschaften, etwa:
- recycelter Anteil
- regionale Herkunft
- reduzierte CO₂-Intensität
- Grünstrom
als „Credits“ verbucht. Diese Credits können später gezielt einzelnen Produkten, Kunden oder Kundenaufträgen zugewiesen werden – unabhängig vom tatsächlichen physischen Material- und Energiefluss.
Ein Unternehmen entscheidet sich zusätzlich zur Beschaffung von fossil basiertem Kunststoffgranulat, 10 Tonnen biobasiertes Granulat zu beschaffen. Das biobasierte Granulat wird gemeinsam mit dem fossilen Granulat gelagert und geht gemeinsam mit diesem zu gegebener Zeit in die Produktion von spezifischen Kunststoffprodukten ein. Unter der Annahme, dass eine Produktion des Kunststoffproduktes zu 100% aus dem biobasierten Material möglich ist, das Produkt vollständig aus einem Kunststoffgranulat besteht und der Materialverlust in der Produktion bei angenommenen 10% liegt, können in Summe 9 Tonnen an Ausgangsprodukt einzelnen Kunden als massenbilanziell biobasiert deklariert werden. Um eine Doppelzählung zu vermeiden, dürfen die Eigenschaften des biobasierten Granulats nicht außerhalb der massenbilanziellen Zuweisung in Anspruch genommen werden.
Welche Vorteile bietet ein Massenbilanzsystem nach ISO 22095?
1. Glaubwürdige Nachhaltigkeitsaussagen
Die ISO 22095 sorgt dafür, dass Unternehmen ihr Massenbilanzsystem an den Anforderungen und Definitionen eines international anerkannten Standards ausrichten. Das stärkt die Belastbarkeit und Glaubwürdigkeit der aus dem Massenbilanzsystem entstehenden Nachhaltigkeitsaussagen im Zusammenhang mit einzelnen Produkten und Kundenaufträgen.
Die ISO 22095 sorgt dafür, dass Unternehmen ihr Massenbilanzsystem an den Anforderungen und Definitionen eines international anerkannten Standards ausrichten. Das stärkt die Belastbarkeit und Glaubwürdigkeit der aus dem Massenbilanzsystem entstehenden Nachhaltigkeitsaussagen im Zusammenhang mit einzelnen Produkten und Kundenaufträgen.
2. Flexibilität in der Produktion
Die physische Trennung nachhaltigerer und herkömmlicher Materialien ist oft technisch oder wirtschaftlich nicht möglich. Die Massenbilanzierung erlaubt gemischte Prozesse, ohne dabei auf eine transparente Nachweisführung verzichten zu müssen.
Die physische Trennung nachhaltigerer und herkömmlicher Materialien ist oft technisch oder wirtschaftlich nicht möglich. Die Massenbilanzierung erlaubt gemischte Prozesse, ohne dabei auf eine transparente Nachweisführung verzichten zu müssen.
3. Effizienter Einsatz nachhaltiger Materialien
Unternehmen können Materialien dort einsetzen, wo es technisch am sinnvollsten ist, während die bilanziellen Vorteile an die Produkte weitergegeben werden, die die Märkte nachfragen.
Unternehmen können Materialien dort einsetzen, wo es technisch am sinnvollsten ist, während die bilanziellen Vorteile an die Produkte weitergegeben werden, die die Märkte nachfragen.
4. Reduktion von Investmentbedarfen und organisatorischer Komplexität
Da keine separaten Produktions- und Logistikprozesse geschaffen werden müssen und auf eine genaue Rückverfolgbarkeit der Materialströme in Produktion und Logistik verzichtet werden kann, werden Investmentbedarfe und organisatorische Komplexität reduziert.
Da keine separaten Produktions- und Logistikprozesse geschaffen werden müssen und auf eine genaue Rückverfolgbarkeit der Materialströme in Produktion und Logistik verzichtet werden kann, werden Investmentbedarfe und organisatorische Komplexität reduziert.
5. Kundengerechte Zuweisung von Materialmerkmalen
Unternehmen können einzelnen Kunden und individuellen Aufträgen die Nachhaltigkeitseigenschaften der eingesetzten Materialien und Energieträger bedarfsgerecht im Rahmen der ISO 22095 Anforderungen zuweisen. Diese produkt- oder kundenbezogene Differenzierung schafft neue Geschäftsmodelle und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit.
Unternehmen können einzelnen Kunden und individuellen Aufträgen die Nachhaltigkeitseigenschaften der eingesetzten Materialien und Energieträger bedarfsgerecht im Rahmen der ISO 22095 Anforderungen zuweisen. Diese produkt- oder kundenbezogene Differenzierung schafft neue Geschäftsmodelle und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit.
6. Transparenz entlang der Wertschöpfungskette
Die standardisierte Dokumentation entlang der gesamten Supply Chain erlaubt es, Glaubwürdigkeit und Nachverfolgbarkeit sicherzustellen und Greenwashing-Risiken zu reduzieren.
Die standardisierte Dokumentation entlang der gesamten Supply Chain erlaubt es, Glaubwürdigkeit und Nachverfolgbarkeit sicherzustellen und Greenwashing-Risiken zu reduzieren.
Fazit: Massenbilanzsysteme reduzieren die Einstiegshürden für nachhaltige Materialien
Massenbilanzsysteme nach ISO 22095 bieten Unternehmen eine effiziente Möglichkeit, nachhaltigere Materialien und Energieträger einzukaufen, zu nutzen und bedarfsgerecht einzelnen Produkten oder Kundenaufträgen zuzuweisen, ohne dabei Einstiegshürden durch Investition in Logistik und Produktion und gesteigerte organisatorische Komplexität zu schaffen. Dies reduziert die Kosten für nachhaltigere Materialien, steigert deren Wettbewerbsfähigkeit und führt zu einer gesteigerten Nachfrage.
Haben Sie Fragen zur Einführung eines Massenbilanzsystems oder zur Verifizierung der ISO-22095-Konformität? Kontaktieren Sie uns gerne!
Möchten Sie unsere Dienstleistungen lieber zuerst sehen? Weitere Informationen finden Sie unter
Verifizierung von Nachhaltigkeitsaussagen zu Materialeigenschaften von Produkten