Zukunftstag Nutzfahrzeuge am DEKRA Lausitzring

Gemeinsam den Hochlauf emissionsfreier Lkw voranbringen

28. Juli 2026
  • Branche diskutiert die nächsten Schritte für eine erfolgreiche Antriebswende
  • Der Business Case entscheidet am Ende über den Erfolg
  • Fahrzeugtechnik ist nicht mehr das entscheidende Hindernis

Die Technologien für emissionsfreie Nutzfahrzeuge sind verfügbar. Jetzt entscheidet sich der Markthochlauf daran, ob Infrastruktur, Energieversorgung und planbare politische Rahmenbedingungen Schritt halten. Dieses Fazit stand im Mittelpunkt des Zukunftstags Nutzfahrzeuge 2026, den der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. gemeinsam mit DEKRA veranstaltete. Schauplatz war der DEKRA Lausitzring, Europas größtes herstellerunabhängiges Prüf- und Testzentrum für die Mobilität der Zukunft. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Transportwirtschaft, Fahrzeugindustrie sowie Energie- und Ladeinfrastruktur diskutierten darüber, wie der Umstieg auf emissionsfreie Nutzfahrzeuge wirtschaftlich und praxistauglich gelingen kann.

Einigkeit bestand darüber, dass der Hochlauf emissionsfreier Nutzfahrzeuge heute nicht mehr an der Fahrzeugtechnik scheitert: Fahrzeughersteller, Trailer-Industrie und Technologieanbieter bringen zunehmend marktreife Lösungen auf die Straße. Entscheidend sei, dass der Business Case entlang der gesamten Wertschöpfungskette funktioniere. Hersteller brauchen verlässliche Nachfrage, um Kapazitäten auszubauen und Kosten zu senken. Für Transportunternehmen zählen wirtschaftliche Gesamtkosten, das passende Einsatzprofil sowie eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur mit ausreichenden Netzkapazitäten und wettbewerbsfähigen Energiepreisen. Betreiber von Ladeinfrastruktur wiederum benötigen planbare Netzanschlüsse, belastbare Auslastungsperspektiven und verlässliche politische Rahmenbedingungen.
Die Diskussionen am DEKRA Lausitzring machten deutlich, dass batterieelektrisch getriebene Lkw heute im Betrieb schon kostengünstiger sein können als dieselgetriebene – erst recht dann, wenn Speditionen die Chancen nutzen, die für das Depot-Laden in der Stromproduktion durch eigene Photovoltaik-Anlagen stecken. Einigkeit herrschte allerdings auch darüber, dass insbesondere Planbarkeit durch verlässliche langfristige politische Rahmenbedingungen sowie schnellere Netzanschlüsse und eine bessere Verzahnung von Depot- und öffentlicher Ladeinfrastruktur entscheidend sind, um den Hochlauf weiter zu beschleunigen. Prof. Dr. Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des BGL, sagte: „Unsere Unternehmen sind bereit, in die Antriebswende zu investieren. Dafür brauchen sie jedoch mehr als ein physisch verfügbares Fahrzeug. Netzanschluss, Ladeleistung, Energiepreis, Tourenplanung und Kundenanforderungen müssen zu einem wirtschaftlich tragfähigen Gesamtsystem zusammenfinden. Erst dann wird daraus ein skalierbares Modell für den Mittelstand.“
Politik, Industrie und Transportbranche im Austausch
Für die Bundesregierung sprach Dr. Claudia Elif Stutz, Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr. In ihrer Keynote betonte sie, der Bund sei beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur entlang der Autobahnen in der Pflicht – und bereits in der Umsetzung. Die Ausschreibung für das Schnellladenetz mit insgesamt 350 Standorten sei teilweise auf dem Weg, teilweise schon abgeschlossen. Im Jahr 2030 soll es im Kernnetz alle 60 Kilometer eine Anlage geben; im Gesamtnetz alle 100 Kilometer. Zusätzlich stellt der Bund in den nächsten vier Jahren insgesamt 1 Milliarde Euro an Fördermitteln für Ladeinfrastruktur in den Depots der Transportunternehmen bereit.
Technik auf der Rennstrecke praktisch erlebbar
Wie weit die technische Entwicklung bereits ist, konnten die Teilnehmenden am DEKRA Lausitzring live erleben. Im Innovation Hub präsentierte eine Vielzahl von Ausstellern aktuelle Fahrzeuge sowie Lösungen aus den Bereichen Ladeinfrastruktur, Batterietechnologie, Energieversorgung und Transport.
Bei Fahrdemonstrationen auf der Rennstrecke konnten batterieelektrische Nutzfahrzeuge unter realen Bedingungen erlebt werden. Darüber hinaus erhielten die Teilnehmer Einblicke in das DEKRA Batterie Test Center, in dem Batteriesysteme unter mechanischen, thermischen und elektrischen Extrembelastungen auf Sicherheit, Leistungsfähigkeit und Lebensdauer geprüft werden. Guido Kutschera, Executive Vice President DEKRA SE und Vorsitzender der Geschäftsführung der DEKRA Automobil GmbH, sagte: „Der technologische Fortschritt ist deutlich sichtbar. Für den breiten Einsatz müssen neue Fahrzeug- und Ladesysteme jedoch sicher, zuverlässig und reproduzierbar funktionieren. Unabhängige Prüfung, praxisnahe Erprobung und belastbare Standards sind deshalb wesentliche Voraussetzungen dafür, dass aus innovativen Lösungen ein funktionierender Markt wird.“
Am Zukunftstag Nutzfahrzeuge 2026 nahmen knapp 300 Gäste teil. Mit Events wie diesem wollen BGL und DEKRA den Dialog zwischen Branche, Industrie, Energiewirtschaft und Politik weiter voranbringen und die nächsten Schritte der Antriebswende im Straßengüterverkehr gemeinsam begleiten.
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