Vier DEKRA Kollegen im Einsatz für die Mobilität von morgen

Author: Karen Lust

05. Nov. 2026
Wer an den Lausitzring denkt, denkt vermutlich zuerst an Motorsport. Dass hier neben dem Rennsport noch viele weitere spannende Themen rund um Mobilität und Fahrzeugtechnik stattfinden, zeigt ein Blick in das DEKRA Automobil Test Center. Ob Homologation, Fahrerassistenzsysteme, Batterietests oder Emissionsprüfungen: Toni Lehmann, Pascal Brummer, Darius Schwarze und Niklas Drews geben Einblicke in ihren Arbeitsalltag und persönlichen Werdegang. Was sie verbindet, ist die die Begeisterung für die Technik der Zukunft und den Anspruch, für die Sicherheit der Mobilität von morgen zu sorgen.

Damit Fahrzeuge sicher auf die Straße kommen

Viele Menschen sehen nur das fertige Fahrzeug auf der Straße. Was oft verborgen bleibt ist, dass dahinter ein komplexer Zulassungsprozess steckt, der sich Homologation nennt. Bevor ein neues Fahrzeug in Europa oder Deutschland auf öffentlichen Straßen unterwegs sein darf, muss es zahlreiche Prüfungen durchlaufen. Das gilt nicht nur für klassische Pkws, sondern auch für landwirtschaftliche Maschinen, Baumaschinen und weitere Sonderfahrzeuge. Für diesen Bereich trägt Toni Lehmann als Fachspezialist im Bereich Fahrzeug-Homologation Verantwortung.
Dafür bringt er nicht nur langjährige Erfahrung, sondern auch einen vielseitigen technischen Hintergrund mit. Nach seiner Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechaniker studierte er Fahrzeugtechnik und fand schließlich seinen Weg zu DEKRA. Seit mehr als zehn Jahren begleitet er im Unternehmen Fahrzeughersteller bei der Homologation ihrer Produkte.
Der Begriff Homologation ist außerhalb der Automobilbranche wenig bekannt. Dabei betrifft sie jedes Fahrzeug, das später auf öffentlichen Straßen unterwegs sein soll. Vereinfacht gesagt geht es darum nachzuweisen, dass ein Fahrzeug alle gesetzlichen Anforderungen für die Zulassung erfüllt. Dafür werden zahlreiche Bereiche geprüft, von Bremsen und Lenkung über Beleuchtung und Abmessungen bis hin zu modernen Assistenzsystemen. Für Toni ist es deshalb nicht ungewöhnlich, dass sein Beruf zunächst für Fragezeichen sorgt: „Wenn ich sage, wir prüfen Fahrzeuge dahingehend, ob beispielsweise die Bremsen den gesetzlichen Anforderungen entsprechen, dann kommt meistens der Aha-Moment.“
Dabei gleicht kein Auftrag dem anderen. Mal steht ein Traktor auf dem Prüfplatz, mal ein gepanzertes Fahrzeug und mal eine Feldspritze. Gerade diese Vielfalt macht die Arbeit für Toni und seine Kollegen spannend: „Die größte Motivation? Die technische Vielfalt der Fahrzeuge und die Verantwortung, einen wichtigen Beitrag zur sicheren Teilnahme am Straßenverkehr zu leisten.“
Wer in der Fahrzeug-Homologation arbeiten möchte, sollte laut dem DEKRA Kollegen auf jeden Fall zwei Eigenschaften mitbringen: Verantwortungsbewusstsein und technischen Sachverstand. Schließlich bilden die Prüfergebnisse die Grundlage dafür, dass Fahrzeuge in Serie produziert werden können. Als Fachspezialist für die Homologation des Gesamtfahrzeuges behält Toni zudem den Überblick über zahlreiche Prüfbereiche, stimmt sich mit den verschiedenen Teams ab und begleitet Projekte bis zur Zulassung. Insgesamt ist es für ihn genau diese Mischung aus Verantwortung, Teamarbeit und abwechslungsreichen Fahrzeugprojekten, die seine Arbeit bei DEKRA so spannend macht.
Die größte Motivation? Die technische Vielfalt der Fahrzeuge und die Verantwortung, einen wichtigen Beitrag zur sicheren Teilnahme am Straßenverkehr zu leisten.
Toni Lehmann

Zwischen Teststrecke und Auslandseinsatz

Wie wird aus einem Assistenzsystem ein System, das für die Straße zugelassen werden kann? Pascal kennt die Antwort aus der Praxis: Er prüft Fahrzeuge und ihre Technologien dort, wo es darauf ankommt – auf der DEKRA Teststrecke in Klettwitz oder bei Herstellern im In- und Ausland.

Pascals Weg zu DEKRA begann während seines Studiums der Fahrzeugtechnik an der Hochschule München. Über einen Werkstudentenjob im Bereich Digitalisierung lernte er das Arbeitsumfeld kennen. Als seine Bachelorarbeit anstand, wollte sein damaliger Teamleiter ihn gerne bei DEKRA halten und fand ein passendes Thema für ihn. In Klettwitz beschäftigte er sich daraufhin ein halbes Jahr lang mit Cybersecurity und Software-Updates – damals noch ein vergleichsweise neues Themenfeld.
Heute arbeitet er als Fachspezialist für (fortschrittliche) Fahrerassistenzsysteme, funktionale Sicherheit und Cybersecurity im Bereich Gesamtfahrzeug. Sein Schwerpunkt: die technische Prüfung von Fahrerassistenzsystemen im Rahmen der Typgenehmigung – von Geschwindigkeitsregelungen und ACC bis hin zu Systemen für Lenkung und Bremse.
Seine Tätigkeit übt er sowohl auf den eigenen Teststrecken in Klettwitz als auch direkt beim Hersteller vor Ort aus. Bevor es allerdings auf die Strecke geht, wird zunächst sichergestellt, dass die Messtechnik korrekt kalibriert ist und die aufgezeichneten Daten verlässlich sind. Dann wird es praktisch: Auf der Teststrecke werden die in den jeweiligen Testkatalogen festgelegten Fahrsituationen durchgespielt – etwa wie ein Fahrzeug auf andere Verkehrsteilnehmer reagiert, wenn es bremsen oder die Spur wechseln muss. Für bestimmte Szenarien kommen sogenannte Soft Targets zum Einsatz. Die beweglichen Prüfobjekte „sehen aus wie Fahrzeuge und sind so beschaffen, dass Radar- und andere Fahrzeugsensoren sie erkennen können“, erklärt Pascal. So lassen sich unterschiedliche Situationen kontrolliert nachstellen.
Am Ende werden die Ergebnisse in einem Testprotokoll dokumentiert und anschließend in einen Testbericht überführt. „Wir prüfen aus technischer Sicht, ob das System den aktuell geltenden technischen Anforderungen entspricht.“, beschreibt Pascal seine Aufgabe. Die eigentliche Typgenehmigung erteilt anschließend die zuständige Behörde.
Für seine Arbeit ist er viel unterwegs. Die Prüfungen führen ihn zu Teststrecken und Herstellern in Europa und darüber hinaus. Auch in Asien ist er regelmäßig im Einsatz. Gerade diese Kombination aus Reisen und Einblicke in die Entwicklungen unterschiedlicher Fahrzeughersteller macht seinen Job für ihn interessant: „Man erhält Einblicke in viele OEMs (Fahrzeughersteller), wie es dort abläuft, wie die Prozesse sind, wie die Fahrzeuge entwickelt werden und was deren Fokusthemen sind.“
Und auch bei den Fahrzeugen selbst ist die Bandbreite groß. „Ich sag immer, wir machen alles vom E-Scooter bis zum Mähdrescher.“ Neben klassischen Pkw gehören für ihn beispielsweise auch land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge zu den Projekten.
Seinen Arbeitsplatz hat Pascal dabei nicht ausschließlich am Lausitzring. Obwohl viele Prüfungen vor Ort stattfinden, sitzt er heute in München. Das war für ihn eine wichtige Voraussetzung, um nach seinem Studium in seine Heimatstadt zurückkehren zu können. DEKRA hat diese Lösung ermöglicht.
Dass sein Arbeitsalltag dabei immer wieder neue Fahrzeuge, Hersteller und Technologien mit sich bringt, ist für Pascal ein wesentlicher Teil dessen, was seine Arbeit spannend macht. „Wie setzen unterschiedliche Hersteller technisch die gleichen Dinge um? Das finde ich total interessant.“
Wie setzen unterschiedliche Hersteller technisch die gleichen Dinge um? Das finde ich total interessant.
Pascal Brummer

Batterien unter Extrembedingungen

Wasser, Salz, Kälte, Hitze und Staub: Im DEKRA Batterie Test Center untersucht Darius, wie Batterien auf verschiedenste Umwelteinflüsse reagieren, denen sie im Laufe ihres Lebens ausgesetzt sein können.

Technik hat Darius schon immer interessiert. Nach seinem Abitur studierte er Fahrzeugtechnik in Dresden – bewusst breit aufgestellt, denn festlegen wollte er sich zunächst nicht. „Ich fand alles interessant. Beim Fahrzeug läuft für mich vieles zusammen.“ Über ein Praktikum und weitere Stationen im DEKRA Automobil Test Center führte ihn sein Weg schließlich zu seiner aktuellen Tätigkeit im DEKRA Batterie Test Center als Fachgebietsverantwortlicher für Umweltprüfungen.
Seit Dezember 2024 ist Darius Teil des Teams und hat den Aufbau des neuen Bereichs von Beginn an begleitet. Als er startete, waren gerade die Fundamente gegossen. „Ich finde es cool, dass ich die Inbetriebnahme des Batterie Test Center von Anfang an begleiten konnte. So weiß ich genau, warum bestimmte Dinge so umgesetzt wurden.“ Heute kümmert er sich unter anderem um die Messtechnik und die Prüfmittel-Beschaffung und ist als Fachgebietsverantwortlicher außerdem erster Ansprechpartner für fachliche Fragen in seinem Team.
Das Batterietestzentrum deckt unterschiedliche Prüfbereiche ab, darunter elektrische Leistungsprüfungen, mechanische Belastungstests, Zerstörungsprüfungen und Umwelttests. Sein fachlicher Schwerpunkt liegt im Umwelttesting. Dabei geht es um die Frage, wie sich Batterien unter unterschiedlichen Umweltbedingungen verhalten. Zu den Tests gehören beispielsweise Dichtigkeitsprüfungen, Salzkorrosionstests, Spritzwasserprüfungen und Eiswasserschockprüfungen. In beschleunigten Testverfahren werden solche Bedingungen gezielt simuliert. So lässt sich beispielsweise untersuchen, wie eine Batterie auf die Streusalzbelastung im Winter reagiert. „Viele dieser Prüfungen bilden reale Belastungen beschleunigt nach. So können wir innerhalb weniger Tage oder Wochen nachvollziehen, welche Beeinträchtigungen, Beschädigungen oder Auffälligkeiten über die Lebensdauer hinweg zu erwarten sind.“ Besonders spannend wird es für Darius, wenn eine Testanfrage neue Fragen aufwirft: „Wenn man eine Testanfrage bekommt, die man vorher noch nie hatte, finde ich es spannend zu schauen: Was können unsere Prüfstände? Können wir das überhaupt abbilden?“ Dann sind technisches Verständnis, Neugier und die Bereitschaft gefragt, sich in neue Themen einzuarbeiten.
Faktencheck DEKRA Batterie Test Center
Im DEKRA Batterie Test Center in Klettwitz werden Batterien, Module und Batteriesysteme entlang des gesamten Entwicklungsprozesses geprüft. Neben den Umwelttests, auf die sich Darius spezialisiert hat, umfasst das Leistungsspektrum auch mechanische Tests, elektrische Prüfungen sowie sogenannte Missbrauchs-Tests, bei denen das Verhalten von Batterien unter Extrem- und Fehlbeanspruchungen untersucht wird (z.B. Falltests).
Doch nicht nur die technischen Herausforderungen machen die Arbeit für Darius aus. Auch das Team spielt für ihn eine wichtige Rolle. Rund 20 junge Kolleginnen und Kollegen arbeiten derzeit in seinem Bereich. „Die Kommunikation im Team stimmt einfach. Wenn etwas nicht passt, sprechen wir darüber.“ Besonders schätzt er den offenen Umgang miteinander und die gegenseitige Unterstützung. Auch gemeinsame Teamausflüge gehören dazu. „Wir bringen die Arbeitsleistung, aber vergessen dabei nicht, dass wir ein Team sind.“
Wer sich für eine Tätigkeit im Batterietestzentrum interessiert, braucht aus Darius‘ Sicht nicht unbedingt bereits Expertenwissen. Gerade im Umgang mit Hochvolt-Systemen ist ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Verantwortungsbewusstsein deutlich wichtiger. Auch wenn bestimmte Abläufe zur Routine werden, darf die notwendige Vorsicht nicht verloren gehen. „Man muss sich immer vorher absichern und darf im Tagesstress nicht in irgendwelche Routinen verfallen“, sagt er.
Insgesamt hat Darius im Batterie Test Center genau das gefunden, was er sich für seinen Berufsweg gewünscht hat: abwechslungsreiche Technik, ein starkes Team und eine Aufgabe mit Sinn.
Wir bringen die Arbeitsleistung, aber vergessen dabei nicht, dass wir ein Team sind.
Darius Schwarze

Die Emissionen von morgen auf dem Prüfstand

Autos haben Niklas schon immer interessiert. Heute hat er das Glück, sie dort zu erleben, wo sie für die Öffentlichkeit noch gar nicht existieren. In der Abteilung Antrieb- und Abgasemissionen begleitet Niklas Messungen und Prüfungen, die am Ende darüber mitentscheiden, ob Fahrzeuge für die Straße zugelassen werden können.

Sein Weg nach Klettwitz war dabei eher Zufall als langfristiger Plan. Während seines Fahrzeugtechnik-Studiums in Dresden suchte er nach einem Thema für seine Diplomarbeit und wurde über einen Kommilitonen auf DEKRA am Lausitzring aufmerksam. „Ich kannte den Standort hier in Klettwitz einfach gar nicht. Klar, man kannte den Lausitzring und war hier vielleicht schon mal zur DTM – aber was hier sonst alles passiert, war mir nicht bewusst“, erzählt er. Neben der Nähe zu seinem Studienort überzeugte ihn vor allem die Zukunftsperspektive, die sich am Standort bot. Also bewarb er sich und blieb. Das Thema der Diplomarbeit begleitet ihn bis heute in seiner Arbeit. „Das ist schon cool, dass man an dem Thema seiner Diplomarbeit jetzt noch weiterarbeitet“, sagt Niklas.
Dabei geht es unter anderem um nicht-abgasbedingte Emissionen, mit denen sich Niklas und seine Kollegen beschäftigen. Neben den klassischen Abgasemissionen rückt mit der neuen Abgasnorm auch der Abrieb von Bremsen und Reifen stärker in den Fokus. Dabei geht es um Partikel, die beim Bremsen entstehen und in die Umwelt gelangen können. Gemeinsam mit einem externen Partner werden entsprechende Prüfungen durchgeführt. Während dort die Messungen an den Bremskomponenten auf dem Prüfstand stattfinden, übernimmt DEKRA die technische Prüfung und Abnahme sowie die anschließende Berichterstellung. Sein Schwerpunkt liegt heute unter anderem in der Fahrwiderstandsermittlung. Dabei wird ermittelt, welchen Widerständen ein Fahrzeug während der Fahrt ausgesetzt ist – etwa durch Luft- und Rollwiderstand. So kann beispielsweise untersucht werden, wie viel Energie ein Fahrzeug benötigt, welche Emissionen entstehen und welche elektrische Reichweite bei Elektrofahrzeugen erreicht wird.
Was Niklas an seiner Arbeit besonders schätzt, ist die Nähe zu neuen Fahrzeugen und Technologien. Immer wieder kommen Fahrzeuge nach Klettwitz, die noch nicht auf dem Markt sind. Darunter sind auch Erlkönige, deren endgültiges Design noch niemand kennt. „Irgendwann später zu sehen, dass das Fahrzeug jetzt auf dem Markt ist und ich selbst daran mitgearbeitet habe, ist schon etwas Besonderes“, erzählt er.
Dass er sich in Klettwitz wohlfühlt, liegt für Niklas aber nicht nur an den Fahrzeugen. Auch das Team ist für ihn ein wichtiger Teil des Arbeitsalltags. Viele Kolleginnen und Kollegen sind wie er selbst sportlich unterwegs. „Ich bin froh, in einem Team zu sein, bei dem die Chemie stimmt und die Zusammenarbeit Spaß macht.“
Aktuell stehen für Niklas die nächsten Entwicklungsschritte bereits fest. Für die vollständige Freigabe und Unterzeichnung von Prüfberichten ist die Qualifikation zum Fachspezialisten erforderlich. Dafür sind zusätzliche Schulungen und Berufserfahrung notwendig.
Insgesamt schließt sich damit für Niklas der Kreis. Was mit einer Zufallsbegegnung begann, hat sich zu einem erfolgreichen Karriereweg entwickelt, auf dem er auch künftig weitere fachliche Meilensteine erreichen möchte.
Irgendwann später zu sehen, dass das Fahrzeug jetzt auf dem Markt ist und ich selbst daran mitgearbeitet habe, ist schon etwas Besonderes.
Niklas Drews

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