Erkenntnisse aus dem DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026

Moderne Lkw-Technik kann Leben retten

11. Sept. 2026
  • Untersuchung von Daimler Truck Unfallanalyse, VUFO und DEKRA
  • Schutzpotenzial für ungeschützte Verkehrsteilnehmer unterstrichen
  • Unterschiedliche Schwerpunkte für Fußgänger, Rad- und Motorradfahrer

Ob zu Fuß, auf dem Fahrrad oder auf dem Motorrad: Für ungeschützte Personen endet ein Zusammenprall mit einem Lkw nicht selten tödlich oder mit schwersten Verletzungen. „Doch Tragödien dieser Art müssen nicht sein“, sagt DEKRA Unfallforscherin Stefanie Ritter. Vor allem Fahrerassistenzsystemen kommt – neben gegenseitiger Rücksichtnahme und verantwortungsbewusstem Verhalten – große Bedeutung zu. Das zeigt eine gemeinsame Untersuchung der Unfallanalyse von Daimler Truck, der Verkehrsunfallforschung an der TU Dresden GmbH (VUFO) und der DEKRA Unfallforschung. Ergebnis: Das Potenzial von Assistenzsystemen, solche Unfälle zu verhindern, ist erheblich.

Für das Projekt wurden aus den Datenbanken der drei Projektpartner 75 Unfälle aus den Jahren 2015 bis 2024 unter Beteiligung eines Lkw (ECE-Klasse N2 oder N3) und eines ungeschützten Verkehrsteilnehmers verwendet. Bei jedem dieser Unfälle kam mindestens eine Person, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Motorrad unterwegs war, ums Leben oder erlitt schwere Verletzungen.
„Nach der Aufbereitung der relevanten Unfalldaten wurden die Fälle anhand eines definierten Schemas einheitlich bewertet, um den potenziellen Beitrag unterschiedlicher Assistenzsysteme zur Unfallvermeidung oder Unfallfolgenminderung zu beurteilen“, erläutert Stefanie Ritter das Vorgehen. Am Ende standen belastbare Aussagen zur Wirksamkeit und Relevanz des Systems für die analysierten Szenarien zur Verfügung.
Das Ergebnis ist eindeutig: Viele Unfälle können verhindert oder zumindest deutlich entschärft werden, wenn die beteiligten Fahrzeuge mit modernen Assistenz- und Sicherheitssystemen ausgestattet sind. Besonders dramatisch ist der Befund bei zu Fuß Gehenden. Eine gute direkte Sicht für die Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer ist entscheidend, denn sie kann in 93 % der Fälle positiven Einfluss auf die Unfallfolgenschwere haben. Wenn es doch zu einer gefährlichen Situation kommt, können Anfahr-Warnsysteme in 94 % der Fälle helfen – und Notbremsassistenten sogar in 100 % der analysierten Unfälle. „Auch Rundumsichtsysteme und Bremsassistenten zeigen ein enormes Potenzial, zugleich können passive Sicherheitssysteme wie ein Rad- oder ein vorderer Unterfahrschutz die Folgen eines Aufpralls deutlich reduzieren“, erläutert die DEKRA Unfallforscherin.
Bei Unfällen mit Radfahrenden zeigt sich ein ähnliches Bild. Systeme, die Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer rechtzeitig warnen, haben einen enormen Einfluss. Direkte Sicht zeigt in 80 % der Fälle Potenzial zur Minderung der Unfallfolgenschwere, Notbremsassistenten in 81 %. Besonders wichtig ist, dass Radfahrende nicht überrollt werden – hier können seitliche Unterfahrschutzsysteme und ein Radschutz einen entscheidenden Beitrag leisten.
Lkw-Unfälle mit Motorrädern können vor allem durch Totwinkel-Informationssysteme positiv beeinflusst werden. Diese zeigen in 83 Prozent der Fälle ein hohes Potenzial zur Vermeidung schwerer oder tödlicher Verletzungen. Wie bei den anderen Untersuchungsgruppen ist es auch hier wichtig, dass die Motorradfahrenden aus dem Lkw heraus rechtzeitig erkannt werden. Obwohl Motorradunfälle häufig mit hohen Geschwindigkeiten verbunden sind, zeigt die Analyse zudem, dass passive Systeme wie der nach UNECE R61 definierte Schutz ungeschützter Verkehrsteilnehmender vor scharfen Ecken und Kanten die Unfallfolgen abmildern können.
Weitere Hintergründe zum Thema wie auch zu vielen weiteren Aspekten rund um den „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ finden sich im DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026. Er steht online unter www.dekra-roadsafety.com zur Verfügung.
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