Erkenntnisse aus dem DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026
Parkplatz-Wahnsinn auf der Autobahn
04. Sept. 2026- DEKRA Befragung bestätigt eklatante Missstände rund um den Lkw-Verkehr
- Fahrerinnen und Fahrer suchen oft eine Stunde oder länger einen Stellplatz
- Auf der Wunschliste auch saubere Sanitäranlagen und mehr Sicherheit.
Lange Suchzeiten, gefährliche Ausweichmanöver, zunehmende Kriminalität – all das macht Berufskraftfahrerinnen und -fahrern zu schaffen. Zu dieser Erkenntnis kommt eine Befragung für den DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026 „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ mit rund 100 Fahrprofis unterschiedlicher Nationen. Darüber hinaus fühlen sich viele Fahrerinnen und Fahrer auf den Rastplätzen nicht sicher. Auch beim Thema Ausstattung ist der Frust groß. „Über die Hälfte der Teilnehmenden arbeiten seit über zehn Jahren im Speditionsgewerbe, was die Einschätzungen durchaus belastbar macht“, betont der DEKRA Unfallforscher Luis Ancona.
Feierabend am Lkw-Steuer? Von wegen! Wenn die Lenkzeit endet, beginnt für viele erst der nächste Stress: Wo kann ich mein Fahrzeug sicher abstellen? Wie die DEKRA Befragung zeigt, kann die Suche nach einem geeigneten Stellplatz lange dauern. 43 % der Befragten brauchen im Schnitt 30 bis 60 Minuten, weitere 24 % suchen sogar länger als eine Stunde. Besonders zwischen 15 und 17 Uhr spitzt sich die Lage dramatisch zu.
Deutschland gilt unter den Befragten als das Land, in dem es am schwersten ist, einen freien Lkw Platz zu ergattern – weil es zu wenige gibt, aber auch weil Pkw und andere Fahrzeuge die Flächen blockieren, die eigentlich für die großen Fahrzeuge gedacht sind. Das Dilemma: Wer keinen Stellplatz findet, darf dennoch die vorgeschriebenen Ruhezeiten nicht einfach ignorieren. Gleichzeitig kann die Suche nach einem Parkplatz die Lenkzeit verlängern.
„Die Lkw werden dann aus Parkplatzmangel auf Zu- und Abfahrten oder Standstreifen abgestellt – und werden damit selbst zum Unfallrisiko“, gibt Unfallforscher Ancona zu bedenken. Laut Befragung mussten fast zwei Drittel der Fahrerinnen und Fahrer schon mehrfach an solchen gefährlichen Orten stehen. Mehr als die Hälfte fährt regelmäßig über 20 Kilometer extra, nur um überhaupt einen Platz zu finden.
Unzureichende Überwachung und zu hohe Kosten
Viele der Befragten bewerten auch die Sicherheitslage als unzureichend. 60 % sehen die fehlende Videoüberwachung als größtes Risiko, gefolgt von schlechter Beleuchtung. Ein Drittel fühlt sich unsicher, weil Polizei oder Sicherheitsdienste fehlen. Rund die Hälfte meidet bestimmte Rastplätze bewusst – insbesondere aufgrund von Vorfällen wie Fahrzeugaufbrüchen, Ladungsdiebstählen, Vandalismus oder körperlichen Übergriffen. Ein Fahrer zum Beispiel berichtet von sechs Überfällen innerhalb von drei Jahren. In Frankreich sollen bewaffnete Gruppen Lkw Fahrer attackiert haben. In den Benelux Staaten versuchen immer wieder Menschen, auf fahrende Lkw aufzuspringen. Auf abgelegenen Parkflächen sind aufgeschlitzte Tanks und aufgebrochene Tankdeckel im Erleben der Befragten keine Seltenheit.
Doch die Belastung endet nicht bei der Kriminalität. Viele Fahrerinnen und Fahrer sprechen vom „typischen Ammoniak-Geruch“ auf Rastplätzen, der ihnen buchstäblich den Atem raubt. Die Kostenstruktur sorgt ebenfalls für Unmut. Zehn Euro für eine Dusche empfinden viele als Abzocke, Parkgebühren von bis zu 25 Euro pro Nacht ebenso. Während in Spanien das Parken oft kostenlos ist, koppeln deutsche Raststätten Gebühren häufig an einen bestimmten Mindestverzehr – ein Modell, das viele als unfair empfinden. Klar formuliert wird der Wunsch nach Fitnessräumen, sauberer Sanitärinfrastruktur und mehr Möglichkeiten zur Erholung.
Digitale Hilfsmittel spielen bei der Parkplatzsuche eine zunehmend wichtige Rolle. Rund zwei Drittel der Befragten nutzen entsprechende Apps. Die Zahlungsbereitschaft für garantierte Stellplätze ist gespalten: Während 22 % bereit wären, bis zu fünf Euro zu zahlen, lehnen 20 % jegliche Kosten ab. Ein Drittel macht die Entscheidung vom Standort abhängig.
Befragte wünschen sich ein ganzheitlich verbessertes Arbeitsumfeld
„Insgesamt zeigen die Befragung wie auch die begleitenden Gespräche deutlich, dass sich die Berufskraftfahrerinnen und -fahrer ein ganzheitlich verbessertes Arbeitsumfeld wünschen“, bilanziert der DEKRA Unfallforscher. Diskussionsbedarf sehen viele der Befragten bei den Arbeitsbedingungen: Sie wünschen sich mehr gesellschaftlichen Respekt, eine bessere Bezahlung und eine klare Trennung der Aufgaben zwischen Fahrpersonal und Kunden – insbesondere bei der Be- und Entladung.
Weitere Hintergründe zum Thema wie auch zu vielen weiteren Aspekten rund um den „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ finden sich im DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026. Er steht online unter www.dekra-roadsafety.com zur Verfügung.