Erkenntnisse aus dem DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026

Wenn Landmaschinen zur tödlichen Gefahr werden

09. Okt. 2026
  • Traktorunfälle haben für Unfallgegner häufig schwere Folgen
  • Abbiegen, Einbiegen und Überholen bergen besondere Konfliktpotenziale
  • Fehlverhalten und technische Mängel können Unfallrisiken verschärfen

Traktoren und Zugmaschinen sind für die Landwirtschaft unverzichtbar. Wenn sie im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs sind, treffen Fahrzeuge mit großen Abmessungen und vergleichsweise niedrigen Fahrgeschwindigkeiten auf oftmals deutlich schnellere Verkehrsbeteiligte. „Gerade auf Landstraßen können daraus kritische Situationen entstehen, vor allem beim Abbiegen, Einbiegen oder Überholen“, sagt DEKRA Unfallforscher Markus Egelhaaf. Die Auswertung von Daten aus Europa macht seiner Ansicht nach deutlich, dass solche Unfälle oftmals durch bessere Technik, regelmäßige Wartung und gezielte Präventionsmaßnahmen vermeidbar wären.

Bis spät in den Herbst hinein ist mit einem erhöhten Aufkommen an Erntefahrzeugen zu rechnen. Immer wieder kommt es auch zu schweren Unfällen mit anderen Fahrzeugen, hauptsächlich Pkw oder Motorrädern. Der aktuelle DEKRA Verkehrssicherheitsreport „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ wirft einen genaueren Blick auf typische Unfallsituationen. Vor allem auf Landstraßen können Kuppen und Kurven die Sicht auf vorausfahrende oder entgegenkommende landwirtschaftliche Fahrzeuge einschränken. „Wer seine Geschwindigkeit an die Sichtverhältnisse und den Streckenverlauf anpasst, verschafft sich mehr Handlungsspielraum für unerwartete Situationen“, sagt Markus Egelhaaf.
Besondere Vorsicht ist auch beim Überholen geboten. Landwirtschaftliche Fahrzeuge können beispielsweise nach links in einen Feldweg abbiegen oder beim Rechtsabbiegen zunächst nach links ausschwenken. „Wer überholen will, sollte deshalb nicht nur den Gegenverkehr im Blick haben, sondern auch das mögliche Fahrmanöver des vorausfahrenden Fahrzeugs“, so der DEKRA Experte weiter. Wenn die Situation nicht eindeutig oder der Straßenverlauf nicht ausreichend einsehbar ist, empfiehlt er dringend, auf das Überholen zu verzichten.
Risiken beschränken sich nicht auf den Straßenverkehr
Auch der technische Zustand der Fahrzeuge eine wichtige Rolle, so der Report. Gerade bei älteren Zugmaschinen entsprechen Ausstattung und Sicherheitssysteme nur selten dem Stand moderner Fahrzeuge. Entscheidend für die Verkehrssicherheit sind jedoch weniger das Fahrzeugalter an sich als vielmehr der tatsächliche technische Zustand sowie eine funktionierende sicherheitsrelevante Ausstattung.
Die Risiken, die mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen verbunden sind, beschränken sich allerdings nicht auf den Straßenverkehr. Auch bei landwirtschaftlichen Arbeiten selbst können beispielsweise Umsturz- und Überschlagunfälle schwerwiegende Folgen haben. Hier sind Sicherheitseinrichtungen wie Überrollschutz und Sicherheitsgurt von besonderer Bedeutung. Bei Kollisionen im Straßenverkehr sind dagegen häufig die anderen Beteiligten besonders gefährdet. Das zeigt auch eine schwedische Untersuchung: Über einen Zeitraum von 14 Jahren wurden mehr als 2.500 Unfälle mit landwirtschaftlichen Zugmaschinen registriert. In 80 Prozent der Fälle verunglückten nicht die Menschen am Steuer der Zugmaschinen selbst, sondern die Unfallgegner.
Menschliches Fehlverhalten in Kombination mit technischen Mängeln
Eine deutsche Studie auf Basis von 905 Unfällen mit landwirtschaftlichen Zugmaschinen gibt weitere Hinweise auf typische Konfliktsituationen. Zwei Drittel der untersuchten Unfälle im Straßenverkehr ereigneten sich außerorts, fast 90 Prozent bei Tageslicht. Besonders häufig kam es zu Unfällen beim Abbiegen, Einbiegen und Kreuzen sowie im Längsverkehr. Bei den Fahrerinnen und Fahrern landwirtschaftlicher Fahrzeuge spielten unter anderem Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren sowie Vorfahrtsverstöße eine Rolle. Bei den Unfallgegnern waren vor allem Fehler beim Überholen und nicht angepasste Geschwindigkeit relevant. Auffällig ist zudem der technische Aspekt: In mehr als einem Viertel der untersuchten Fälle war der Fahrtrichtungsanzeiger defekt, schlecht sichtbar oder wurde nicht betätigt.
Wie fatal Unaufmerksamkeit und technische Mängel sein können, zeigt ein reales Unfallbeispiel aus dem DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026. Auf einer Landstraße befand sich ein Motorradfahrer bereits im Überholvorgang, als der Fahrer eines Traktors nach links in einen Feldweg abbog. Das Motorrad prallte gegen das Vorderrad des Traktors, der Motorradfahrer wurde schwer verletzt. Die Unfallanalyse zeigte, dass verschmutzte Spiegel und eine lockere Spiegelaufhängung die Sicht des Traktorfahrers nach hinten beeinträchtigten. Dadurch konnte er den von hinten herannahenden Motorradfahrer nur unzureichend erkennen.
Aus den Erkenntnissen lassen sich konkrete Ansatzpunkte für mehr Sicherheit ableiten. „Beleuchtung und Fahrtrichtungsanzeiger müssen funktionieren und gut erkennbar sein“, sagt Markus Egelhaaf. Ebenso wichtig sei, dass Spiegel und gegebenenfalls vorhandene Kameras den Fahrenden eine möglichst gute Sicht auf den umgebenden Verkehrsraum ermöglichen. Regelmäßige Wartung und Kontrolle der Fahrzeuge sowie Fahrsicherheitstrainings leisten ebenfalls einen wichtigen Beitrag. In Sachen Infrastruktur erachtet der DEKRA Unfallforscher insbesondere bessere Sicht an Kreuzungen sowie Geschwindigkeitsbeschränkungen, Überholverbote und eindeutige Warnzeichen an bekannten Gefahrenstellen für sinnvoll: „Mehr Sicherheit ist erreichbar, wenn Fahrzeugtechnik, Infrastruktur und das Verhalten aller Verkehrsteilnehmenden zusammenspielen.“
Weitere Hintergründe zum Thema wie auch zu vielen weiteren Aspekten rund um den „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ finden sich im DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026. Er steht online unter www.dekra-roadsafety.com zur Verfügung.
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