Wi-Fi 7 auf der Überholspur: Einblicke in das DEKRA Testlabor für die Konnektivität von morgen
02. Sept. 2026Digital Trust StoriesHier treiben Expertinnen und Experten die Möglichkeiten dessen voran, was Wi-Fi leisten kann. Sie stellen sicher, dass die nächste Generation drahtloser Wi-Fi 7 Geräte hält, was sie verspricht: Tempo, Verlässlichkeit und nahtlose Konnektivität.
So wird Wi-Fi-Qualität garantiert
Der Arbeitsalltag im Labor ist weit abwechslungsreicher, als das klassische Bild eines Testlabors vermuten lässt. „Jeder Tag ist eine abwechslungsreiche Mischung aus dem Ausführen definierter Testprozeduren, dem Analysieren von Protokoll-Traces, dem Nachbilden von Interoperabilitäts-Problemen und dem Besprechen technischer Erkenntnisse mit den Geräteherstellern“, sagt Juan José Guerra, Testingenieur für die Wi-Fi-Zertifizierung bei DEKRA. „Manche Geräte durchlaufen den Prozess genau wie erwartet, andere zeigen Verhaltensweisen, die nur unter ganz bestimmten Bedingungen auftreten. Genau dort beginnt ein großer Teil unserer Arbeit.“
Wi-Fi 7: Wenn jedes Interoperabilitäts-Problem zum technischen Puzzle wird
Die tägliche Arbeit des Teams ist somit alles andere als Routine. Die Expertinnen und Experten vergleichen Software-Versionen, untersuchen unerwartete Ergebnisse und stellen knifflige Szenarien immer wieder nach, bis die Ursache klar vor ihnen liegt. „Jedes Interoperabilitäts-Problem ist wie ein technisches Puzzle“, erklärt Juan Jose. „Es ist sehr erfüllend, wenn wir ein komplexes Problem am Ende verstehen und lösen, also alle Teile richtig zusammengefügt haben. Denn diese Lösung verbessert die Kompatibilität zwischen Produkten, die später vielleicht von Millionen Menschen genutzt werden.“
DEKRA hat Wi-Fi von Beginn an begleitet
Das DEKRA Labor in Málaga ist Europas erstes von der Wi-Fi Alliance® autorisiertes Zertifizierungslabor. Diese besondere Stellung bringt mit sich, dass das Team mit Komponentenzulieferern, Infrastruktur-Anbietern und Geräteherstellern rund um die Welt zusammenarbeitet. Die Test-Expertise des Labors reicht mehr als 20 Jahre zurück und umfasst jede große Entwicklungsstufe von Wi-Fi – seit den frühen Tagen des IEEE 802.11 bis zum heutigen Standard. Dieses tiefe Wissen hilft dem Team, Muster früh zu erkennen, Fehler gezielt einzugrenzen und Hersteller durch den gesamten Zertifizierungsprozess zu begleiten.
Das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) – ein weltweiter Berufsverband von Ingenieurinnen, Ingenieuren, Technikerinnen, Technikern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – ist die führende Institution für die Definition und Weiterentwicklung von Funkstandards. Mit IEEE 802.11be hat sie 2024 ihren neuesten Standard eingeführt. In Bezug auf Datenübertragungsrate, Effizienz und Datensicherheit bildet er den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung mit mehr als einem Dutzend Ableitungen des IEEE-802.11-Standards, der 1997 erstmals eingeführt wurde.
Moderne IEEE-Standards wie 802.11ac (seit 2013), 802.11ax (seit 2019) und 802.11be kennt man heute besser unter ihren Markennamen Wi-Fi 5, Wi-Fi 6 und Wi-Fi 7. Wi-Fi steht für „Wireless Fidelity“ und war die Idee einer Interessengruppe von Entwicklern, Herstellern und Anbietern von Produkten für drahtlose Kommunikation. Sie gründeten 1999 die sogenannte Wi-Fi Alliance®, die gewissermaßen die Hüterin des IEEE-Standards ist. Sie hält die Namensrechte am Begriff Wi-Fi und verantwortet unter anderem das Zertifizierungsprogramm „Wi-Fi CERTIFIED“. Es stellt die Interoperabilität zwischen Wi-Fi-Geräten sicher und vergibt dafür das Label „Wi-Fi CERTIFIED“.
Wi-Fi 7 ist mehr als nur Geschwindigkeit
Was macht Wi-Fi 7 so besonders? „Wi-Fi 7 ist weit mehr als einfach nur ‚ein schnelleres Wi-Fi 6‘“, sagt Lourdes Sánchez, Director of Connectivity bei DEKRA Testing and Certification. „Wi-Fi 7 kann auch unter hoher Netzwerklast für einen stabileren und zuverlässigeren Datenfluss sorgen – besonders in Wohnungen, Häusern und Arbeitsumgebungen, in denen viele Geräte gleichzeitig verbunden sind.“ Im Vergleich zu Wi-Fi 6 bietet der neue Standard höheren Durchsatz, geringere Latenz, und er nutzt das verfügbare Übertragungsspektrum effizienter. Ob man 8K-Videos streamt, Spiele in der Cloud abruft oder ein Smart Home betreibt – Wi-Fi 7 hält den Datenfluss unterbrechungsfrei aufrecht, selbst unter hoher Last.
Wi-Fi 7: Viele Innovationen unter der Benutzeroberfläche
Wi-Fi 7 verbindet mehrere technische Durchbrüche miteinander. Multi-Link Operation (MLO) lässt Geräte über mehrere Frequenzbänder simultan kommunizieren und steigert so Tempo und Verlässlichkeit. „MLO ist wahrscheinlich die folgenreichste Funktion, die mit Wi-Fi 7 eingeführt wurde“, sagt Juan Jose. Weitere Neuerungen – wie 320-MHz-Kanäle, 4096-QAM-Modulation, Multi-Resource-Unit-(Multi-RU)-Zuweisung und erweitertes Preamble Puncturing – helfen Geräten, das Funkspektrum effizienter zu nutzen. In Summe verbessern diese Innovationen sowohl die Leistung als auch das Nutzererlebnis.
Multi-Link Operation (MLO): Ermöglicht Geräten, mehrere Frequenzbänder gleichzeitig zu nutzen, was Geschwindigkeit und Verlässlichkeit erhöht.
320-MHz-Kanäle: Breitere Kanäle lassen mehr Daten gleichzeitig fließen und steigern damit die Übertragungsgeschwindigkeiten.
4096-QAM-Modulation: Ein Verfahren, das mehr Information in jedes einzelne Signal packt und die Datenübertragung effizienter macht.
Multi-Resource-Unit-(Multi-RU)-Zuweisung: Ermöglicht Geräten, mehrere Bänder des Funkspektrums gleichzeitig zu nutzen. Das verbessert Flexibilität und Leistung.
Erweitertes Preamble Puncturing: Ermöglicht Geräten, Teile eines Kanals zu nutzen, auch wenn andere Teile bereits belegt sind. So lassen sich verfügbare Frequenzen besser ausschöpfen.
Neue Horizonte für Wi-Fi 7 Anwendungen
Die Wirkung von Wi-Fi 7 reicht weit über schnellere Downloads hinaus. „Viele bestehende Anwendungen werden einfach besser funktionieren. Doch vor allem macht Wi-Fi 7 Anwendungen möglich, die bislang kabelgebundene Verbindungen oder spezialisierte Netzwerklösungen brauchen“, erklärt Lourdes. Für Verbraucherinnen und Verbraucher wird das erlebbar in flüssigeren AR- und VR-Erlebnissen, Streaming in ultrahoher Auflösung und in Smart Homes mit Dutzenden vernetzter Geräte. In Unternehmen öffnet Wi-Fi 7 die Tür für industrielle Automatisierung, Robotik in der Logistik, KI-Anwendungen auf lokalen Endgeräten oder verlässliche Datenkommunikation an stark frequentierten Orten wie Flughäfen und Sportstadien.
Globales Momentum für Wi-Fi 7
Während Nordamerika und Asien bei der Einführung von Wi-Fi 7 einen Vorsprung haben, holt Europa schnell auf – vor allem bei Unternehmensnetzwerken und hochwertigen Endgeräten für Verbraucherinnen und Verbraucher. „Aus unserer Sicht reift das Ökosystem sehr schnell. Wir erwarten, dass die Zahl der Zertifizierungen für Wi-Fi 7 in den kommenden Jahren in allen großen Märkten weiter wächst“, prognostiziert Lourdes. Im DEKRA-Prüf- und Zertifizierungslabor in Málaga helfen sie und ihre Kolleginnen und Kollegen dabei, eine Zukunft zu gestalten, in der drahtlose Verbindungen schneller, intelligenter und bereit für neue Herausforderungen sind.