Die Zukunft der Mobilität ist vernetzt
Author: Wolfgang Sigloch
16. Okt. 2026 Mobility StoriesWer heute unterwegs ist, merkt oft nicht, wie viele Systeme eine Fahrt möglich machen. Eine App zeigt die nächste Verbindung. Ein Fahrzeug meldet seinen Standort. Eine Ampel liefert Signale. Im Hintergrund fließen Daten zwischen Verkehrsbetrieben, Fahrzeugen, Infrastruktur und digitalen Diensten. Für Thomas Jäger ist genau dieses Zusammenspiel der entscheidende Punkt: „Die Zukunft der Mobilität wird nicht allein elektrisch oder automatisiert sein. Sie wird vor allem vernetzt sein.“
So beschreibt das Whitepaper Mobilität im Jahr 2035
Der DEKRA Experte hat diese Perspektive in die Arbeit am Bitkom-Whitepaper „Mobilität 2035: Trends, Technologie und Transformation für die neue Dekade“ eingebracht. Das Papier entwirft kein einheitliches Verkehrsmittel für alle. Es beschreibt, wie Menschen in Stadt und Land bezahlbar, verlässlich und bedarfsgerecht mobil bleiben können. Vernetzte Angebote, Shared Mobility, öffentlicher Verkehr und automatisierte Lösungen sollen dabei ineinandergreifen.
Mobilität 2035: Nicht das Fahrzeug allein entscheidet
Ein autonomes Shuttle, das Menschen vom Wohnort zur nächsten Haltestelle bringt. Ein geteiltes Fahrzeug, das nach der Fahrt per Fernsteuerung wieder zum Bahnhof zurückkehrt. Oder ein Pkw, der vor einer Gefahr gewarnt wird, bevor sie für die Fahrerin oder den Fahrer sichtbar ist wie zum Beispiel E-Bikes, die hinter einem Sichthindernis hervorkommen werden: Solche Zukunfts-Szenarien zeigen, worum es Jäger geht. Mobilität wird erst dann einfacher und sicherer, wenn Fahrzeuge bzw. Transportmittel, Infrastruktur und digitale Dienste Informationen austauschen.
Das Whitepaper nennt leistungsfähige digitale Netze wie 5G und die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und ihrem Umfeld, kurz V2X, als Grundvoraussetzungen für vernetztes und automatisiertes Fahren. V2X kann Fahrzeuge mit anderen Fahrzeugen und mit der Infrastruktur verbinden. So können Systeme Verkehrssituationen früher erkennen und Abläufe besser koordinieren. „Vernetzung ist kein Zusatzmodul. Sie schafft die Grundlage dafür, dass neue Mobilitätsangebote im Alltag zuverlässig, sicher und nachhaltig funktionieren“, sagt Jäger.
Sicherheit muss mitfahren, wenn vernetzte Mobilität erfolgreich sein soll
Je stärker Mobilität vernetzt ist, desto mehr hängt sie von stabilen Systemen ab. Ein automatisiertes Fahrzeug braucht nicht nur Sensoren und Software. Es benötigt auch Kommunikationswege, die bei Störungen belastbar bleiben. Das Bitkom-Whitepaper fordert deshalb robuste digitale Infrastruktur sowie resiliente Navigations- und Kommunikationssysteme.
Für DEKRA liegt darin eine zentrale Aufgabe: Neue Technologien müssen sich im Alltag bewähren, bevor Menschen ihnen vertrauen. Das gilt für die Technik im Fahrzeug ebenso wie für Schnittstellen, Updates und die Kommunikation mit der Umgebung. „Sicherheit entsteht nicht durch eine einzelne Technologie. Sie entsteht, wenn das gesamte System zuverlässig zusammenspielt. Auch dann, wenn etwas nicht nach Plan läuft“, sagt Jäger.
Dieser Blick auf das Gesamtsystem verbindet die DEKRA Expertise mit dem Zielbild des Whitepapers. Das Papier plädiert dafür, Mobilitätsdaten so bereitzustellen, dass öffentliche und private Plattformen miteinander arbeiten können. Gleichzeitig soll der konkrete Nutzen im Mittelpunkt stehen. Daten sind kein Selbstzweck. Sie helfen nur dann, wenn sie Wege vereinfachen, Angebote besser verbinden und Menschen verlässlich und sicher ans Ziel bringen.
Vom Papier in die Praxis: Vernetzte Mobilität ist mehr als technische Entwicklung
Die technische Entwicklung allein reicht nicht. Damit vernetzte Mobilität in der Breite ankommt, müssen Unternehmen, Politik und Kommunen gemeinsame Regeln schaffen und umsetzen. Das zeigt sich etwa bei teleoperierten, also durch einen Menschen aus der Ferne gesteuerten Fahrzeugen. Das Whitepaper beschreibt sie als Möglichkeit, geteilte Fahrzeuge effizienter einzusetzen – auch in weniger stark frequentierten Regionen. Offene Fragen zu Genehmigungen, Zuständigkeiten und dem Umgang mit Software-Updates müssen jedoch noch geklärt werden.
Thomas Jäger sieht darin keinen Grund zu warten. Im Gegenteil: „Wir sollten Mobilität nicht länger in einzelnen Verkehrsmitteln denken. Entscheidend ist die sichere Verbindung: zwischen Menschen und Angeboten, zwischen Transportmitteln und Infrastruktur - und zwischen Innovation, interoperablen Standards und klaren Regeln.“
Das Bitkom-Whitepaper liefert dafür Impulse. Thomas Jäger bringt die DEKRA Perspektive ein: Mobilität der Zukunft braucht nicht nur neue Technik. Sie braucht Gesamtsysteme, die Menschen helfen, die sie flexibel nutzen und denen sie vertrauen können.
Vernetzung ist kein Zusatzmodul. Sie schafft die Grundlage dafür, dass neue Mobilitätsangebote im Alltag zuverlässig funktionieren.
Thomas Jäger, DEKRA Experte für vernetzte Mobilität

Zielbild und Maßnahmen für die Mobilität der Zukunft
Mobilität 2035