Geruchsmessung deutschlandweit: DEKRA bietet Olfaktometrie für Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft.

20. Juli 2026Konzern

Geruchsbelästigungen haben viele Ursachen

Stephan Mahlberg, Technischer Leiter der Luftqualitätsmessstation bei DEKRA, und sein Team messen Gerüche aus Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft in ganz Deutschland – von Kaffeeröstereien bis hin zu Kläranlagen und Kompostieranlagen. Wir haben die Geruchsgutachter in Grün bei einem Einsatz vor Ort begleitet.

Es braucht mehr als nur eine gerümpfte Nase, um die Geruchsgutachter von DEKRA zu einem Einsatz zu bewegen. In den meisten Fällen kommt die Anfrage direkt vom Anlagenbetreiber. Gründe dafür sind unter anderem gesetzliche Vorschriften, vorgeschriebene Inspektionen, Abnahmeprüfungen oder eine Zunahme von Beschwerden aus der Nachbarschaft. „Es kommt aber auch vor, dass sich beispielsweise Restaurantbesitzer proaktiv an unsere Luftqualitätsüberwachungszentrale wenden, um Konflikte wegen Geruchsbelästigung zu vermeiden“, erklärt Mahlberg auf dem Weg zu seinem nächsten Einsatz. Das DEKRA-Team wurde beauftragt, die Geruchsbelastung an einer Kompostierungsanlage in der Nähe von Stuttgart zu ermitteln.

Von der Anfrage bis zum Ziel – das Spektrum der Geruchsmessungen ist vielfältig

Das Verfahren zur Geruchsmessung variiert je nach Standort, Art der Anlage und Zielsetzung. Ist die Anlage unbekannt, wird vor der Probenahme eine Begehung vor Ort durchgeführt: Wie viele Messpunkte sind erforderlich? Wie sind die Messpunkte zugänglich? Und wie hoch ist die typische Betriebskapazität der Anlage?
Parameter dieser Art bilden – wie im heutigen Betrieb – die Grundlage für einen konkreten Messplan. Kompostieranlagen sind ein klassischer Einsatzbereich für die Geruchsgutachter von DEKRA: Hier wird am Biofilter – einem offenen Filterbett aus Holzhackschnitzeln, in dem Mikroorganismen die durchströmende Abluft reinigen – häufig ein Grenzwert von 500 Geruchseinheiten (OUE) pro Kubikmeter als gesetzlicher Höchstwert festgelegt. „Je höher die Werte, desto intensiver nehmen wir Gerüche in der Regel wahr“, erklärt Mahlberg. Mittlerweile verrät uns ein harziger, organischer Geruch, dass wir uns unserem Ziel nähern.
„Bei sommerlichen Temperaturen wie heute arbeiten wir besonders gerne im Freien“, sagt Mahlberg, während wir die Ausrüstung vom Auto zum Messpunkt tragen. Für die Messung selbst spielt das Wetter jedoch nur eine untergeordnete Rolle: Die Geruchsgutachter erfassen die Abluftbedingungen am Biofilter und die Wetterbedingungen genau, damit die Messung später besser interpretiert werden kann. Entscheidend ist, dass die Anlage unter typischen Betriebsbedingungen läuft. „Erst wenn das der Fall ist, beginnt die Probenahme“, fügt seine Kollegin Beate Kyriazis hinzu, stellvertretende technische Leiterin der Luftqualitätsmessstation bei DEKRA. Der Biofilter ist schnell ausgemacht, und die Arbeitsschritte sind perfekt aufeinander abgestimmt: Die Geruchsgutachter von DEKRA unterteilen die Holzschnitzelschicht in mehrere Rasterabschnitte, um den Biofilter gründlich untersuchen zu können.
Anschließend wird die ein Quadratmeter große Probenahmehaube in Betrieb genommen. Diese verjüngt sich nach oben hin trichterförmig und ist mit einem kleinen Abzugsrohr sowie einer Öffnung zur Probenentnahme ausgestattet.
Das Team vor Ort stülpt die Haube über das Holzspänebett und misst an verschiedenen Stellen im Biofilter, wie schnell die Luft durch die Haube strömt. „So können wir feststellen, ob der Biofilter im betreffenden Abschnitt tatsächlich gut belüftet ist“, sagt der Geruchsexperte. Anschließend schließen die Gutachter den Abzugskamin an einen PTFE-Schlauch an, der wiederum zum Probenehmer mit dem vorbereiteten Probenbeutel führt. Sobald die Pumpe anläuft, entsteht im Schlauch ein Unterdruck, und der Beutel füllt sich langsam mit Luft.

Landesweite Geruchsmessung: Sechs Stunden zwischen Probenahme und Analyse

Eine einzelne Probenahme dauert eine halbe Stunde. Das DEKRA-Team bewegt die Haube in gleichmäßigem Tempo über mehrere Felder des Biofilters, bis eine Mischprobe gewonnen ist. Anschließend wird der gefüllte Probenbeutel verschlossen, beschriftet und an einem lichtgeschützten Ort gelagert. Das Team wiederholt diesen Vorgang dreimal im gereinigten Gas, das aus dem Biofilter austritt. Gleichzeitig werden drei Proben aus dem Rohgas entnommen – direkt im Kanal vor dem Biofilter. Die insgesamt sechs Proben bilden die Grundlage für die anschließende Geruchsbewertung.
Aufgrund der geografischen Nähe wird diese Untersuchung derzeit in einem DEKRA-Labor in Stuttgart durchgeführt. DEKRA betreibt zudem ein Geruchslabor in Braunschweig, das sich besonders gut für Probenahmen in Mittel- und Norddeutschland eignet.
Es ist von entscheidender Bedeutung, dass nicht mehr als sechs Stunden vergehen, bevor unser Testleiter und unsere Tester die Proben in einem geruchsneutralen, gut belüfteten Raum bewerten.
Beate Kyriazis, stellvertretende technische Leiterin der Luftqualitätsmessstation bei DEKRA

Das Olfaktometer und seine Rolle bei Geruchsmessungen

Das Olfaktometer – ein unscheinbares, kastenförmiges Gerät – verteilt die Probenluft auf die jeweiligen Teststationen. Um einen aussagekräftigen Durchschnittswert zu ermitteln, sind bei jeder Geruchsbewertung stets vier Tester anwesend. Vor dem Geruchstest bewerten sie die Referenzsubstanz n-Butanol, um sicherzustellen, dass ihr Geruchssinn im normalen Empfindlichkeitsbereich liegt. Aber Vorsicht: Wer zu empfindlich oder zu unempfindlich reagiert, ist für die Testreihe nicht geeignet.
Während der eigentlichen Messung – der Olfaktometrie – mischt das Olfaktometer die Luft aus den Probenbeuteln mit gereinigter, geruchsneutraler Luft und führt sie den Testpersonen in schrittweise ansteigenden Verdünnungsstufen zu. Für einen Außenstehenden sieht das eher unspektakulär aus: Die Testpersonen sitzen vor kleinen Geruchsöffnungen und atmen auf ein Signal hin ein. Sobald sie einen Geruch wahrnehmen, drücken sie einen Knopf.
Für DEKRA endet der Auftrag mit einer umfassenden Dokumentation und einem detaillierten Bericht. „Letztendlich entscheidet die zuständige Aufsichtsbehörde, wie die Ergebnisse der behördlich angeordneten Messungen zu bewerten sind“, erklärt Mahlberg. Nach einem Arbeitstag voller starker Gerüche freut er sich besonders auf den vertrauten Duft seines eigenen Zuhauses.
Als akkreditierte Messstelle ist DEKRA ein umfassender Partner für Luftqualitätsmessungen in Industrie, Handel und Kommunen. Neben der Olfaktometrie bietet DEKRA Immissions- und Emissionsmessungen sowie Funktionsprüfungen und Kalibrierungen von Mess- und Überwachungsgeräten an. Darüber hinaus führt DEKRA Immissionsprognosen und Ausbreitungsberechnungen durch, ermittelt Schornsteinhöhen und bietet Luftqualitätsüberwachung in Echtzeit an. Auf diese Weise unterstützt DEKRA Betreiber und Behörden dabei, gesetzliche Anforderungen einzuhalten und luftbezogene Risiken zuverlässig zu bewerten.
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