Wenn der Nachhaltigkeitsbericht von der KI stammt: Warum eine Verifizierung wichtiger wird denn je
25. Aug. 2026Sustainability StoriesNachhaltigkeitsberichte werden heute häufig mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt. Emissionsfaktoren, Vergleichswerte, ganze Textpassagen lassen sich innerhalb von Sekunden recherchieren und generieren, für die früher tagelange Arbeit erforderlich war. Das bedeutet oft einen erheblichen Effizienzgewinn. Allerdings sind KI-generierte Daten nicht automatisch valide Daten.
Wie groß dieses Risiko sein kann, zeigt eine aktuelle Studie der Northern Arizona University. Die Forschenden verglichen die KI-gestützte Emissionsdatenbank Climate TRACE mit dem etablierten, amtlich kalibrierten Vulcan-Datensatz und stellten dabei erhebliche Abweichungen fest: Die KI-basierten CO2-Schätzungen für den städtischen Fahrzeugverkehr lagen durchschnittlich 70 Prozent unter den Vergleichswerten, in einzelnen Städten wie Indianapolis und Nashville sogar um mehr als 90 Prozent. Ein eindrückliches Beispiel dafür, dass auch gut gemeinte, KI-gestützte Datenerhebungen ohne unabhängige Prüfung deutlich abweichen können.
Warum das Risiko größer ist, als es aussieht
Nachhaltigkeitsdaten entstehen selten an einem einzigen Schreibtisch. Sie werden aus Daten und Informationen aus Einkauf, Produktion, Personalabteilung, Qualitätsmanagement und Facility Management zusammengeführt, häufig unter Zeitdruck und von Personen mit unterschiedlichem fachlichem Hintergrund. Werden dabei schnell recherchierte KI-Werte ohne weitere Plausibilisierung übernommen, steigt die Fehleranfälligkeit deutlich. Genau das erleben wir in der Beratungspraxis immer wieder.
So erleben wir regelmäßig Fälle, in denen Unternehmen KI-gestützte Berechnungen für ihre Treibhausgasbilanz nutzen und die daraus resultierenden Kennzahlen direkt in den Nachhaltigkeitsbericht übernehmen. Werden die verwendeten Emissionsfaktoren, Datenquellen und Berechnungsmethoden dabei nicht kritisch geprüft, können Fehler unbemerkt bleiben. Im Rahmen der Verifizierung zeigt sich dann mitunter, dass die Berechnungen nicht den erforderlichen Anforderungen an Nachvollziehbarkeit und Plausibilität entsprechen. Die betroffenen Kennzahlen müssen überarbeitet und belegt werden, bevor die Verifizierung erfolgreich abgeschlossen werden kann.
Warum das auch bei freiwilligen Berichten zählt
Viele Unternehmen bringen Verifizierung zunächst mit der gesetzlichen Pflicht im Rahmen der CSRD in Verbindung. Für freiwillige Berichte, beispielsweise nach dem EU Voluntary Standard (ehemals VSME), besteht eine solche Verpflichtung nicht. Dennoch kann eine Prüfung in vielen Fällen sinnvoll sein, denn ausschlaggebend ist stets die individuelle Ausgangssituation des Unternehmens.
Besonders Unternehmen, die in internationale Lieferketten eingebunden sind, den Informationsanforderungen von Banken oder Geschäftspartnern gerecht werden müssen oder sich den CSRD-Schwellenwerten annähern, profitieren von einer unabhängigen Verifizierung. Bestehen hingegen noch Herausforderungen bei Prozessen und Datenqualität oder gibt es derzeit keine externe Nachfrage nach geprüften Nachhaltigkeitsinformationen, sollte die Entscheidung für eine Verifizierung anhand der individuellen Unternehmenssituation getroffen werden. Verifizierungen sind also kein Automatismus. Sie sollten vielmehr als strategische Entscheidung verstanden werden, die zur jeweiligen Unternehmenssituation und den damit verbundenen Anforderungen passt.
Die Vorteile einer verifizierten Berichterstattung
Eine unabhängige Prüfung kann Unternehmen auf mehreren Ebenen unterstützen.
So läuft die Verifizierung bei DEKRA ab
Wir prüfen den Nachhaltigkeitsbericht und die darin enthaltenen Informationen und Kennzahlen strukturiert auf zwei Ebenen: Erstens bewerten wir die Einhaltung der Anforderungen des gewählten Berichtsstandards. Zweitens prüfen wir, ob die dargestellten Informationen und Daten nachvollziehbar, plausibel und verlässlich sind.
Dabei stützen wir uns auf verschiedene Prüfhandlungen, um die Qualität, Nachvollziehbarkeit und Belastbarkeit der berichteten Inhalte zu bewerten. Je nach Bericht und Datenlage beziehen wir dazu sowohl zugrunde liegende Nachweise als auch relevante Prozesse und Verantwortlichkeiten ein.
Die Ergebnisse fassen wir zusammen und klassifizieren sie als Anpassungsbedarf, Hinweis oder Empfehlung. Anpassungsbedarfe müssen umgesetzt werden. Hinweise und Empfehlungen weisen auf Verbesserungspotenziale hin und tragen dazu bei, die Nachvollziehbarkeit und Qualität des Berichts weiter zu erhöhen. Nach erfolgreicher Umsetzung der notwendigen Anpassungen erhält das Unternehmen die entsprechende Prüfbescheinigung sowie den Prüfbericht.
Tipps aus der Praxis
Die beste Vorbereitung auf eine Verifizierung beginnt bereits bei der Datenerhebung. Für alle Kennzahlen und wesentlichen Informationen sollten Datenquellen, Annahmen, Berechnungsmethoden und Nachweise von Anfang an dokumentiert und strukturiert abgelegt werden. Das erleichtert nicht nur die spätere Prüfung, sondern hilft Unternehmen auch dabei, Kennzahlen in den Folgejahren konsistent zu berechnen, Informationen nachvollziehbar herzuleiten und Wissen bei personellen Veränderungen zu sichern.
Ebenso wichtig ist es, Nachhaltigkeitsberichterstattung als bereichsübergreifenden Prozess zu verstehen. Unternehmen sollten ausreichend Zeit und Ressourcen einplanen sowie Verantwortlichkeiten frühzeitig festlegen. So ist klar geregelt, wer Daten bereitstellt, Kennzahlen berechnet und Inhalte freigibt. Das reduziert Abstimmungsaufwände, verbessert die Zusammenarbeit der beteiligten Bereiche und sorgt für effizientere Abläufe bei Berichtserstellung und Verifizierung.
Fazit
Verifizierung ist weit mehr als eine formale Prüfung. Gerade in einer Zeit, in der Nachhaltigkeitsdaten zunehmend mit Unterstützung von KI erstellt und verarbeitet werden, gewinnt die unabhängige Bestätigung ihrer Qualität und Nachvollziehbarkeit an Bedeutung. Ob verpflichtende oder freiwillige Berichterstattung: Wer seine Daten extern prüfen lässt, schafft Vertrauen bei Geschäftspartnern, Banken und anderen Stakeholdern und stellt sicher, dass die berichteten Informationen auf belastbaren Grundlagen beruhen.
Mehr zu unserer Verifizierung von Nachhaltigkeitsberichten: Verifizierung von Nachhaltigkeitsberichten | DEKRA