Ziel zwei: Afrika
Durch die Sahara nach Dakar
Zurück in der Heimat dachte der Abenteurer: „Jetzt aufhören wäre schade.“ Also wurde aus der Rückkehr ein Neustart Richtung Afrika. Eines seiner Ziele war dabei inspiriert von der legendären Paris-Dakar-Rallye. Zunächst rollte er entspannt durch Europa, bewusst langsam. Er wollte nicht zu früh in Marokko ankommen, da es im September und Oktober dort schlicht zu heiß ist. Anfang November setzte er schließlich nach Marokko über. Von dort arbeitete er sich durch die Westsahara Richtung Mauretanien. Die Sahara mit dem Auto zu durchqueren, klingt im ersten Moment verrückter, als es ist: „Es gibt eine meistens gut asphaltierte Straße, die von Nord nach Süd geht – das ist auch eine wichtige Verkehrsachse." Mit Temperaturen um die 32 Grad empfand er diesen Reiseabschnitt auch deutlich angenehmer als die kasachische Steppe im Sommer. Zwischendurch fuhr Emanuel auch auf alten Rallye-Dakar-Pisten abseits der Straße. Dabei blieb er einmal abends in einem Flussbett stecken, in welchem er letztendlich übernachten musste, da über die nächsten Stunden kein weiteres Auto in Sicht war. Erst am nächsten Morgen zog ihn ein zufällig vorbeifahrender Pickup heraus.
Bürokratie als Herausforderung
Als er Dakar schließlich erreichte, wollte der Weltenbummler nicht, dass sein Abenteuer schon wieder endet. Das nächste logische Ziel war also, Südafrika zu erreichen. Die westafrikanische Overland-Route gilt als eine der schwierigsten weltweit, allein schon durch den bürokratischen Aufwand. 13 Visa waren nötig, um den Kontinent zu durchqueren – manche davon kosteten bis zu 250 Euro, viele ließen sich auch nur persönlich vor Ort beantragen, weil manche Online-Systeme nicht funktionierten. Bevor er nach Nigeria konnte, wartete der Reisende zwei Wochen auf die Einreisegenehmigung, bis er schließlich direkt zur Grenze fuhr und den Einlass auf dem kurzen Dienstweg regelte. Für die Einfuhr des Autos benötigte er außerdem ein Carnet de Passage – ein Zolldokument, das beim ADAC beantragt wird und als Garantie gilt, dass das Fahrzeug wieder ausgeführt wird. Dafür flog er eigens zurück nach Deutschland, holte zusätzlich Impfungen nach und deckte sich mit ein paar Ersatzteilen ein, wie zum Beispiel einer zweiten Kupplung, einer Spritpumpe, Riemen und Radlager.
Sicherheit, Sand & Technik
Die Sicherheitslage in Westafrika ist ein Thema, das viele vom Reisen abhält – Emanuel begegnet ihr nüchtern. Die meisten Länder sind sicherer als ihr Ruf. Seiner Erfahrung nach, läuft alles ziemlich reibungslos, solange man freundlich bleibt und die Sprache ein wenig spricht – hier helfen ihm seine Französischkenntnisse erheblich. Nur an der Grenze zwischen Nigeria und Kamerun gibt es eine Ausnahme: eine instabile Region, die ausschließlich im Militärkonvoi passiert werden darf. Zweimal pro Woche setzt dieser sich in Bewegung, „und dann muss man versuchen, da hinterherzukommen“, meint der Abenteurer. Aber auch diese Strecke meisterte sein Theodor ohne Probleme.
Generell macht der BMW auf der langen Strecke eine gute Figur. Mit ein Grund dafür ist auch, dass Emanuel in zehn Monaten bereits neun Ölwechsel durchgeführt hat. Auf schlechten Pisten macht der Motor zwar recht wenige Kilometer, läuft dafür aber stundenlang unter Volllast. Die Verkürzung der Wechselintervalle ist deshalb sehr wichtig. Die eigentliche Herausforderung ist der Sand: Sobald das Tempo sinkt, gräbt sich der Wagen ein. Hier wurde zum ersten Mal der fehlende Allradantrieb bemerkbar. Doch auch dafür fand unser Tüftler eine Lösung: breite Sommerreifen statt Offroad-Profil, denn weniger Profil bedeutet weniger Schaufeln im Sand. Auf besonders schwierigen Lehmpisten arbeitete er sich Zentimeter für Zentimeter vor, legte Sandbretter unter die Räder und vertraute darauf, dass der Unterfahrschutz hält. „Ein Geländewagen mit Bodenfreiheit kommt da gut rüber, aber für mich war das echt eine Herausforderung.“
Ein Kontinent, viele Welten
Kulturell ist Afrika ein Kontinent voller Kontraste; es gibt muslimisch geprägte Länder wie Mauretanien und Senegal, aber auch christlich dominierte wie Ghana oder gar die Voodoo-Religion in Benin – und überall die unterschiedlichsten Mentalitäten. Der Schlüssel, um neue Leute kennenzulernen, war abermals sein treuer Begleiter Theodor. „Das ist echt so ein guter Aufhänger gewesen, was meine Reise einfach extrem bereichert hat.“ Die BMW-Community hat ihn auf diesem Part seiner Reise ebenfalls wieder herzlich aufgenommen. Beispielsweise zeigten sie ihm in Lagos die Stadt und kochten für ihn. Wer mit einem 37 Jahre alten Fünfer durch Westafrika fährt, findet überall Freunde.
Das Abenteuer geht weiter
Nach über 55.000 Kilometern, mehr als 41 Ländern und einem Jahr unterwegs, läuft Theodor noch immer rund. Emanuel kann sich deshalb gut vorstellen, einen dritten Kontinent in Angriff zu nehmen und seinen BMW nach Urugay zu verschiffen. Ob das direkt nach seiner Zeit in Südafrika sein wird oder erst noch eine weitere Reise durch Europa ansteht, ist dabei noch offen. Der Weltenbummler selbst sagt: „Einfach machen und genießen, wenn man Lust drauf hat.“ Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieser Reise; nicht das Fahrzeug oder das Budget sind entscheidend, sondern die Bereitschaft, loszufahren und sich auf das Abenteuer einzulassen.