Im Oldtimer um die Welt: Ein BMW auf Expedition

Einen gut bezahlten Job aufgeben, das Auto packen und einfach losfahren – für die meisten bleibt das ein Traum. Emanuel, der auch unter dem Namen e34xpeditions Bekanntheit auf Social Media gewonnen hat, verwirklichte ihn. Mit seinem 37 Jahre alten BMW 520i, liebevoll Theodor genannt, rollte er zunächst durch Zentralasien und brach danach Richtung Afrika auf. Das Ziel: bis nach Südafrika kommen. Auf seinem Weg begleiten ihn einfache Technik, Improvisation und die weltweite BMW-Community.

Der Fahrer und sein Klassiker

Emanuel studierte BWL, machte Karriere und zog dann die Reißleine. „Wenn ich jetzt nicht irgendwie etwas Verrücktes mache, dann mache ich das wahrscheinlich nie“, sagte er sich. Im Frühjahr 2025 kündigte er seinen Job und startete wenige Wochen später in sein großes Abenteuer.
Bei seiner Reiseplanung hatte der 32-Jährige die Wahl zwischen einem modernen SUV mit Allrad, oder aber einem BMW 520i mit M20B20-Motor aus dem Jahr 1988. Diesen hatte er vor knapp acht Jahren für gerade einmal 650 Euro gekauft, als der Klassiker bereits über zehn Jahre in einer Garage gestanden hatte. Er restaurierte den Wagen in Eigenregie, lernte dabei jeden Winkel des Fahrzeugs kennen und baute ein Vertrauen auf, das kein Neuwagen ersetzen kann. Die Wahl fiel ihm deshalb leicht: „Ich nehme die einfache Karre mit einfacher Technik.“
An der Technik selbst veränderte der Tüftler nur das Nötigste: Er erhöhte die Bodenfreiheit leicht, indem er vorne das Fahrwerk des Facelift-Modells einbaute und hinten stärkere Federn verwendete. Dazu kam ein Unterfahrschutz aus Stahl, der die Ölwanne vor Steinschlägen auf schlechten Pisten schützt. Alles andere blieb im Originalzustand. Kein Allrad, kein ABS, kein ESP, keine Airbags.

Ziel eins: Zentralasien

Hitze, Höhe, Horizont

Im April 2025 startete Emanuel die erste Etappe. Die Route führte durch den Balkan und die Türkei nach Georgien – einem Land, das er für Roadtrips ausdrücklich empfiehlt. Von dort ging es weiter durch Russland in die kasachische Steppe. In Kasachstan rollte Theodor durch die endlose Graslandschaft bei bis zu 48 Grad Celsius. Klimaanlage? Fehlanzeige. Schatten? Kaum vorhanden. „Da gibt es keine Bäume, nur Kamele“, erinnert sich der Abenteurer. Er hatte stets extra Wasserreserven dabei, da eine Panne auf den langen, menschenleeren Strecken ohne derartige Vorkehrungen schnell zur ernsthaften Gefahr werden kann.
Weiter ging es nach Usbekistan, dann hinauf in die tadschikischen Berge, wobei die Route der Grenze zu Afghanistan folgte. Sein Höhepunkt der Tour: der Pamir Highway. Die zweithöchste internationale Straße der Welt steigt auf über 4.600 Meter. Dort oben ist die Luft so dünn, dass sowohl Mensch als auch Maschine an ihre Grenzen kommen und Theodors Motor spürbar an Leistung verlor. Dazu kamen die frostigen Nächte, in denen es bis auf zwei Grad abkühlte.

Reparatur im Niemandsland

Genau dort, auf knapp 4.200 Metern, erlebte Emanuel seinen einzigen größeren Defekt der Asienreise: Eine Leitung des Kühlers platzte. In dieser Höhe liegt der Siedepunkt von Wasser deutlich niedriger – fällt der Systemdruck weg, beginnt es sofort zu kochen. Der Tüftler ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen, er rollte zurück in die nächste Siedlung und flickte das Leck provisorisch. Als sein Ersatzteil einige Wochen später geliefert wurde, konnte er ihn im Gesamten austauschen. „Im Nachhinein hätte ich den Kühler einfach vor der Reise tauschen sollen“, sagt der BMW-Enthusiast heute. Das zweite Malheur geschah in Russland, wo ein Radlager nachgab. Dieses ließ er in einer Werkstatt tauschen, allerdings musste er dafür nochmal knapp 300 Kilometer fahren. Aber auch diese Krise meisterten er und Theodor mit Bravour.
Von Tadschikistan führte die Route über Kirgistan wieder nach Kasachstan, entlang der chinesischen Grenze, durch das russische Altaigebirge bis fast an die mongolische Grenze. Zurück ging es quer durch Russland und die baltischen Staaten nach Deutschland. Insgesamt erkundete der Weltenbummler in fünf Monaten rund 18 Länder. „Ich hatte mir keinen genauen Zeitplan gesetzt – die Gefahr ist, dass man irgendwann dem Plan hinterherrennt und die ganze Reise nicht wirklich genießen kann.“

Menschen und Community

Was den 32-Jährigen neben den Landschaften am stärksten beeindruckt hat, waren die Menschen. Die Gastfreundschaft in Zentralasien war für ihn von einer anderen Qualität. Er erinnert sich an eine besonders herzliche Familie im Altai, die kein Englisch sprach und ihm trotzdem einen Platz an ihrem Feuer anbot. Auch die BMW-Community nahm ihn freudig auf: Es kam zu Treffen in Kasachstan, Georgien, Kirgistan sowie mehrfach in Russland – immer organisiert über Instagram. „Ein alter BMW ist der beste Diplomat auf Erden“, schmunzelt Emanuel.

Ziel zwei: Afrika

Durch die Sahara nach Dakar

Zurück in der Heimat dachte der Abenteurer: „Jetzt aufhören wäre schade.“ Also wurde aus der Rückkehr ein Neustart Richtung Afrika. Eines seiner Ziele war dabei inspiriert von der legendären Paris-Dakar-Rallye. Zunächst rollte er entspannt durch Europa, bewusst langsam. Er wollte nicht zu früh in Marokko ankommen, da es im September und Oktober dort schlicht zu heiß ist. Anfang November setzte er schließlich nach Marokko über. Von dort arbeitete er sich durch die Westsahara Richtung Mauretanien. Die Sahara mit dem Auto zu durchqueren, klingt im ersten Moment verrückter, als es ist: „Es gibt eine meistens gut asphaltierte Straße, die von Nord nach Süd geht – das ist auch eine wichtige Verkehrsachse." Mit Temperaturen um die 32 Grad empfand er diesen Reiseabschnitt auch deutlich angenehmer als die kasachische Steppe im Sommer. Zwischendurch fuhr Emanuel auch auf alten Rallye-Dakar-Pisten abseits der Straße. Dabei blieb er einmal abends in einem Flussbett stecken, in welchem er letztendlich übernachten musste, da über die nächsten Stunden kein weiteres Auto in Sicht war. Erst am nächsten Morgen zog ihn ein zufällig vorbeifahrender Pickup heraus.

Bürokratie als Herausforderung

Als er Dakar schließlich erreichte, wollte der Weltenbummler nicht, dass sein Abenteuer schon wieder endet. Das nächste logische Ziel war also, Südafrika zu erreichen. Die westafrikanische Overland-Route gilt als eine der schwierigsten weltweit, allein schon durch den bürokratischen Aufwand. 13 Visa waren nötig, um den Kontinent zu durchqueren – manche davon kosteten bis zu 250 Euro, viele ließen sich auch nur persönlich vor Ort beantragen, weil manche Online-Systeme nicht funktionierten. Bevor er nach Nigeria konnte, wartete der Reisende zwei Wochen auf die Einreisegenehmigung, bis er schließlich direkt zur Grenze fuhr und den Einlass auf dem kurzen Dienstweg regelte. Für die Einfuhr des Autos benötigte er außerdem ein Carnet de Passage – ein Zolldokument, das beim ADAC beantragt wird und als Garantie gilt, dass das Fahrzeug wieder ausgeführt wird. Dafür flog er eigens zurück nach Deutschland, holte zusätzlich Impfungen nach und deckte sich mit ein paar Ersatzteilen ein, wie zum Beispiel einer zweiten Kupplung, einer Spritpumpe, Riemen und Radlager.

Sicherheit, Sand & Technik

Die Sicherheitslage in Westafrika ist ein Thema, das viele vom Reisen abhält – Emanuel begegnet ihr nüchtern. Die meisten Länder sind sicherer als ihr Ruf. Seiner Erfahrung nach, läuft alles ziemlich reibungslos, solange man freundlich bleibt und die Sprache ein wenig spricht – hier helfen ihm seine Französischkenntnisse erheblich. Nur an der Grenze zwischen Nigeria und Kamerun gibt es eine Ausnahme: eine instabile Region, die ausschließlich im Militärkonvoi passiert werden darf. Zweimal pro Woche setzt dieser sich in Bewegung, „und dann muss man versuchen, da hinterherzukommen“, meint der Abenteurer. Aber auch diese Strecke meisterte sein Theodor ohne Probleme.
Generell macht der BMW auf der langen Strecke eine gute Figur. Mit ein Grund dafür ist auch, dass Emanuel in zehn Monaten bereits neun Ölwechsel durchgeführt hat. Auf schlechten Pisten macht der Motor zwar recht wenige Kilometer, läuft dafür aber stundenlang unter Volllast. Die Verkürzung der Wechselintervalle ist deshalb sehr wichtig. Die eigentliche Herausforderung ist der Sand: Sobald das Tempo sinkt, gräbt sich der Wagen ein. Hier wurde zum ersten Mal der fehlende Allradantrieb bemerkbar. Doch auch dafür fand unser Tüftler eine Lösung: breite Sommerreifen statt Offroad-Profil, denn weniger Profil bedeutet weniger Schaufeln im Sand. Auf besonders schwierigen Lehmpisten arbeitete er sich Zentimeter für Zentimeter vor, legte Sandbretter unter die Räder und vertraute darauf, dass der Unterfahrschutz hält. „Ein Geländewagen mit Bodenfreiheit kommt da gut rüber, aber für mich war das echt eine Herausforderung.“

Ein Kontinent, viele Welten

Kulturell ist Afrika ein Kontinent voller Kontraste; es gibt muslimisch geprägte Länder wie Mauretanien und Senegal, aber auch christlich dominierte wie Ghana oder gar die Voodoo-Religion in Benin – und überall die unterschiedlichsten Mentalitäten. Der Schlüssel, um neue Leute kennenzulernen, war abermals sein treuer Begleiter Theodor. „Das ist echt so ein guter Aufhänger gewesen, was meine Reise einfach extrem bereichert hat.“ Die BMW-Community hat ihn auf diesem Part seiner Reise ebenfalls wieder herzlich aufgenommen. Beispielsweise zeigten sie ihm in Lagos die Stadt und kochten für ihn. Wer mit einem 37 Jahre alten Fünfer durch Westafrika fährt, findet überall Freunde.

Das Abenteuer geht weiter

Nach über 55.000 Kilometern, mehr als 41 Ländern und einem Jahr unterwegs, läuft Theodor noch immer rund. Emanuel kann sich deshalb gut vorstellen, einen dritten Kontinent in Angriff zu nehmen und seinen BMW nach Urugay zu verschiffen. Ob das direkt nach seiner Zeit in Südafrika sein wird oder erst noch eine weitere Reise durch Europa ansteht, ist dabei noch offen. Der Weltenbummler selbst sagt: „Einfach machen und genießen, wenn man Lust drauf hat.“ Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieser Reise; nicht das Fahrzeug oder das Budget sind entscheidend, sondern die Bereitschaft, loszufahren und sich auf das Abenteuer einzulassen.

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