Mythos aufgedeckt: Oldtimer & Spritverbrauch | DEKRA

Der Kontext zählt

Vollgas an der Zapfsäule und eine leere Brieftasche nach jeder Ausfahrt – so stellen sich viele den Oldtimer-Alltag vor. Doch entspricht dieses Klischee tatsächlich der Realität? DEKRA Experte Carsten Bräuer räumt mit einem der hartnäckigsten Vorurteile der Szene auf und erklärt, warum der Blick auf den Verbrauch allein in die Irre führt.

Eines vorweg: Der Mythos ist nicht vollständig falsch. Klassische Automobile, je älter, desto stärker, verbrauchen pro Kilometer mehr als ein vergleichbarer moderner Wagen. Heutige Motoren sind technisch effizienter; daran gibt es nichts zu rütteln. Dieser Unterschied ist umso ausgeprägter, je älter der verglichene Oldtimer ist. Bei dem Vergleich Oldtimer vs. modernes Fahrzeug ist zu beachten, dass die jüngsten Oldtimer aus der ersten Hälfte der 90er-Jahre stammen, und bei dem Vergleich ist der Unterschied dann nicht mehr sehr groß. Auch darf man nicht auf die Kraftstoffverbrauchsangaben schauen, da diese sich in den letzten 30 Jahren mehrfach geändert haben. Wenn wir vergleichen, können wir das tatsächlich nur bei Vergleichsfahrten valide tun.
Der bessere Wirkungsgrad moderner Triebwerke wird häufig durch das gestiegene Fahrzeuggewicht wieder zunichtegemacht. Auch gilt es zu beachten, dass die Fahrzeugmodelle im Lauf der Modellzyklen immer größer und damit ebenfalls schwerer geworden sind. Hier sind wir bei einem ehrlichen Vergleich gut beraten, Fahrzeuge mit ähnlichen Gewichten und ähnlichen Motoren (Leistung, Hubraum) gegenüberzustellen. Dann stellen wir fest, dass der Unterschied im realen Verbrauch nicht wirklich groß ist. Je geringer der Altersunterschied ist, desto geringer fallen dann auch die Kraftstoffverbrauchsunterschiede aus.
Eine Ausnahme bilden, wie eingangs bereits erläutert, sehr alte, schwere Fahrzeuge, wie Vorkriegsmodelle oder frühe Nachkriegsklassiker mit Motoren mit großem Hubraum. Diese können tatsächlich deutlich mehr Kraftstoff pro 100 Kilometer benötigen. Doch solche Fahrzeuge sind in der Szene eher die Ausnahme als die Regel und werden kaum im Alltag bewegt.

Die entscheidende Frage

Viel wichtiger ist außerdem: Wie viele Kilometer fahren Sie mit Ihrem Oldtimer im Jahr? Mit einigen Ausfahrten an Sonntagen, dem Besuch von ein paar Events und vielleicht der einen oder anderen Urlaubsfahrt, kommen die meisten auf eine durchschnittliche Jahresfahrleistung von rund 1.600 Kilometern. Schließlich handelt es sich vorwiegend um ein Genussfahrzeug anstelle eines Alltagswagens.
Auch bei einem Oldtimer gilt, dass der Fahrstil einen großen Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch hat. Insbesondere für Oldtimer aus den 80er-Jahren und früher gilt, dass eine regelmäßige Wartung durch einen Fachmann den Kraftstoffverbrauch im Zaum hält. Zum Vergleich: Versicherung, Garagenmiete und regelmäßige Wartung fallen als Fixkosten deutlich stärker ins Gewicht. Wer einen Klassiker besitzt, hat diese Kosten längst einkalkuliert.

Fazit: Nicht notwendigerweise ein Spritvernichter – aber auch kein Sparwunder

Der Mythos hat einen wahren Kern, muss aber in der Realität des Oldtimer-Alltags genauer betrachtet werden. Es stimmt, dass der Klassiker (je älter, desto mehr) pro 100 Kilometer einen größeren Verbrauch hat. Das macht ihn allerdings nicht unbedingt zum Kostentreiber. Die geringere Fahrleistung pro Jahr sorgt dafür, dass steigende Spritpreise im Verhältnis zu den übrigen Kosten, die ein Klassiker ohnehin mit sich bringt, nicht so stark ins Gewicht fallen, wie vielleicht vermutet. Wer seinen Klassiker mit Leidenschaft bewegt, hat die Kraftstoffkosten im Blick; und sie springen häufig nicht als Erstes ins Auge.

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