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Die Kunst des Vermittelns

Die Kunst des Vermitteln

Mögen Sie Kunst? Wenn Sie von sich behaupten würden, dass Sie kunstinteressiert sind und gerne ins Museum gehen, dann sollten Sie sich mal mit Roos Jan-sen unterhalten. Dann wird Ihnen schnell klar werden, dass Sie gar nicht mal so viel Ahnung von Kunst haben. Roos Jansen hat Ahnung von Kunst, jede Menge davon. Sie ist Schadenexpertin für Kunstwerke und andere Luxusgüter bei DEKRA Claims & Expertise in den Niederlanden. Die 39-jährige Holländerin spricht von Künstlern, als wären sie Teil ihrer ziemlich perfekten, vierköpfigen Familie – und das sind sie irgendwie auch. Roos Jansen lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen auf der Noordereiland in Rotterdam, umgeben von Wasser. Zum Zentrum sind es nur wenige Minuten über die Brücke. Frühmorgens ist es in der zweitgrößten Stadt der Niederlande noch ruhig. Die Sonne ist gerade hinter Rotterdams berühmter Skyline aufgegangen. Roos macht die Kinder fertig, bringt sie zur Kindertagesstät-te und macht sich auf den Weg in den kleinen Ort Leiden, etwa eine Dreiviertel-stunde Autofahrt von Rotterdam entfernt. Umgeben von schmalen Backsteinhäu-sern und malerischen Kanälen steht das Museum De Lakenhal. Hier hat Roos einen Termin mit Oskar Brandenburg, Programm- und Sammlungsdirektor des Museums. Vor zwei Jahren, im März 2018, waren die Beiden das erste Mal gemeinsam hier – da war die Katastrophe gerade passiert.

Wasserschaden im Museum

Während der Renovierungsarbeiten an dem städtischen Kunstmuseum hatte ein Rohrbruch zwei Stockwerke unter Wasser gesetzt. „Die Gemälde waren natürlich schon vor der Renovierung entfernt worden“, erzählt Oskar Brandenburg. Alle, bis auf eines: das in die Decke eingelassene Gemälde im Erdgeschoss, ein Werk des niederländischen Malers Anthony Ellinger „Der Raubüberfall auf Ganymedes mit den Göttern des Olymps“ von 1739. Die mythologische Darstellung von Jupiter, der in Form eines Adlers den schönen Ganymedes auf den Olymp entführt, war bereits in den Zwanzigerjahren in die Sammlung des Museums aufgenommen wor-den und schmückte seit rund 100 Jahren die Stuckdecke in einem der Museumsräume. „Das Wasser lief schon anderthalb Tage, bis der Bauleiter das Leck nach dem Wochenende entdeckte.“ Schuld war die Kälte – denn das Bauunternehmen hatte versäumt, die oberen Stockwerke zu beheizen. Das Wasser in einer Leitung gefror, die Leitung platzte. „Der Schaden am Gemälde war groß“, erzählt Roos Jansen. „Durch das Wasser wellte sich die Leinwand, hatte große Beulen und Risse.“ „Ganymedes“ wurde abgenommen und notbehandelt: zunächst mit einem speziellen japanischen Papier, das viel Wasser aufnimmt, und, ja, Windeln. „Das sah sehr komisch aus, Windeln überall. Aber ich weiß es von meinen Kindern: Das wirkt am besten“, lacht Roos Jansen. Denn bei Wasserschäden muss man sehr vorsichtig sein, heiße Luft macht die Gemälde brüchig und richtet nur noch mehr Schaden an. Roos Jansen wurde von der Versicherung des Museums beauftragt, den Schaden zu begutachten und den Restaurierungsprozess zu begleiten. „Als Schadenexpertin bist du mittendrin. Es sind viele unterschiedliche Parteien mit verschiedenen Interessen beteiligt.“ Im Falle des Deckengemäldes waren es die Museumsleute, die Restaurateure und die Versicherungen. „Du musst übersetzen. Die Schadenexperten der Versicherungen wissen kaum etwas über Kunst. Und die Museumsleute wissen wenig über Versicherungen. Und den Restaurateuren, denen geht es natürlich nur um das Kunstwerk selbst.“

„Durch das Wasser wellte sich die Leinwand, hatte große Beulen und Risse.“ „Ganymedes“ wurde abgenommen und notbehandelt: zunächst mit einem speziellen japanischen Papier, das viel Wasser aufnimmt, und, ja, Windeln. „Das sah sehr komisch aus, Windeln überall. Aber ich weiß es von meinen Kindern: Das wirkt am besten“, lacht Roos Jansen. Denn bei Wasserschäden muss man sehr vorsichtig sein, heiße Luft macht die Gemälde brüchig und richtet nur noch mehr Schaden an. Roos Jansen wurde von der Versicherung des Museums beauftragt, den Schaden zu begutachten und den Restaurierungsprozess zu begleiten. „Als Schadenexpertin bist du mittendrin. Es sind viele unterschiedliche Parteien mit verschiedenen Interessen beteiligt.“ Im Falle des Deckengemäldes waren es die Museumsleute, die Restaurateure und die Versicherungen. „Du musst übersetzen. Die Schadenexper-ten der Versicherungen wissen kaum etwas über Kunst. Und die Museumsleute wissen wenig über Versicherungen. Und den Restaurateuren, denen geht es natürlich nur um das Kunstwerk selbst.“

Als Schadenexpertin bist du mittendrin. Es sind viele unterschiedliche Parteien mit verschiedenen Interessen beteiligt.

Roos Jansen

Roos Jansen bringt das alles zusammen. Ihre Aufgabe ist es, die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu finden. „Das ist wie ein Puzzle. Du musst versuchen, die unterschiedlichen Teile zusammenzufügen, bis es am Ende für alle ein stimmiges Bild ergibt.“ Ihr Wissen ist für Fälle wie den in Leiden unerlässlich. Nur sieben Schadenexperten für Kunst gibt es in den Niederlanden, Roos Jansen und ihre Kollegin Laura De Jongh, die seit April dieses Jahres bei DEKRA Claims & Expertise arbeitet, sind zwei davon. Und auch innerhalb des DEKRA Geschäftsbereichs sind die beiden die Exoten. Ansonsten beschäftigt sich das 30-köpfige Team beispielsweise mit der Schadenregulierung nach Bränden, bei Schiffstransporten oder an Immobilien. „Der Kunstsektor selbst ist eher konservativ. Da ist es schön, etwas Farbe reinzubringen“, sagt Roos Jansen. Die Frau mit den langen braunen Haaren ist groß, sportlich, immer in Bewegung, freundlich und kommunikativ, sehr charmant. Man merkt einfach, dass sie viel mit Menschen zu tun hat. Trotzdem ist sie durchaus resolut und klar in ihren Aussagen. Das muss sie auch sein, denn nicht immer kann sie gute Nachrichten überbringen oder alle Parteien gleichermaßen glücklich machen.

Der Wert der Kunst

Um Schäden einzuschätzen und den Wert von Kunstwerken zu beziffern, braucht man sehr viel Wissen und Erfahrung. Bevor Roos Jansen im Juni 2013 bei DEKRA anfing, arbeitete sie neun Jahre lang bei einer niederländischen Bewertungsfirma. Dort war sie auf die Schätzung von Gemälden, Antiquitäten und anderen Wertgegenständen spezialisiert. „In dieser Zeit habe ich zwischen 100 und 300 KunstgeKunstgegenstände in den Händen gehabt – pro Woche. Ich habe so viel gesehen, recherchiert, bewertet. Da bekommt man ein Gefühl für den Wert bestimmter Ge-genstände und Materialien.“ Viele verschiedene Faktoren seien für die Bewertung ausschlaggebend, etwa Größe, Zustand, Alter, Rarität. Aber auch die Frage, wer das Kunstwerk schon besessen habe. „Ganz wichtig ist der Künstler selbst. Name und Reputation sind in der Kunstwelt alles.“ Und dann helfen natürlich auch die richtigen Kontakte. Die hat Roos Jansen durch ihre langjährige Erfahrung in der Branche. „Jeder kennt jeden.“

Du kannst Teil eines Prozesses sein, bei dem ein Stück Kunstgeschichte erhalten wird.

Roos Jansen

Nur, die Sache mit der Schadenregulierung ist eben: Wenn Roos Jansen ins Spiel kommt, sind die Kunstwerke immer beschädigt. „Das kann herzzerreißend sein, weil manche Dinge nicht wiederhergestellt werden können. Wenn das aber geht, dann fühlt sich das unglaublich gut an: Du kannst Teil eines Prozesses sein, bei dem ein Stück Kunstgeschichte erhalten wird.“ In Leiden ist das geglückt. Zwei Monate vor Wiedereröffnung des Museums De Lakenhal war das Gemälde wieder an der Decke. Letztlich beliefen sich die Restaurationskosten auf rund 130.000 Euro. Der geschätzte Wert des Gemäldes – im Normalzustand – lag bei rund einer Million Euro. Oskar Brandenburg und Roos Jansen sind zufrieden mit dem Ergebnis ihrer gemeinsamen Arbeit. Aber Roos Jansen muss jetzt weiter, ihre Expertise ist noch woanders gefragt: Bei einem Brand wurden zwei Artdéco-Stühle beschädigt.

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