Die Herausforderung der Restauration
Das Restaurieren eines Amphicars ist keine leichte Aufgabe. Obwohl ursprünglich für den amerikanischen Markt konzipiert, waren sie den Amerikanern zu klein – die Verkaufszahlen blieben niedrig. Hinzu kommt der hohe Wartungsaufwand durch ihre Doppelfunktion als Auto und Boot. Die größte Problematik ist der Kampf gegen den Rost – das Fahrzeug ist schließlich ständig der Feuchtigkeit ausgesetzt. Besonders die Bremsen rosten schnell und gerne, da sie bei einer Bootsfahrt dauerhaft im Nassen sind. Das Wageninnere hingegen ist mit Wachs abgedichtet. Kommt jedoch, beispielsweise durch eine größere Welle, Wasser in den Innenraum, kann es auch dort zu Schäden kommen.
Generell sollten Schwimmautos nur in Süßwasser gefahren werden; Salzwasser greift die Karosserie stark an und das Gefährt wäre dann nicht mehr zu retten.
Eine Ausfahrt in Fluss oder See zieht viel Pflege für ein Amphibienfahrzeug nach sich: Jede Stunde im Wasser bedeutet für Thomas Kütter etwa zehn Stunden Wartungsarbeit. Dieser geht er vor allem im Winter nach, da die Wägen in dieser Zeit nicht genutzt werden. Nach spätestens 20 Jahren wird ein Rundum-Check-up notwendig: Die Klassiker werden komplett auseinandergenommen, repariert, gepflegt, geprüft und nach getaner Arbeit wieder zusammengesetzt. Hilfe bekommt er hierbei von einem Freund, der gelernter Karosserie-Mechaniker ist. Auch bei den Lackarbeiten hatte er Unterstützung – solche Arbeiten sollten immer von einem Profi erledigt werden, das weiß auch der gelernte Kfz-Schlosser.
Neben dem Kampf gegen den Rost ist – wie bei jedem Oldtimer – das Auftreiben von Ersatzteilen eine ständige Herausforderung. Diese bezieht der Sammler hauptsächlich aus den Amphi-Communities – allem voran der Amphicar Club, wo er bereits seit seinem 25. Lebensjahr aktives Mitglied ist. Falls ein Teil doch nicht vorhanden ist, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit auf dem amerikanischen Markt fündig. Jedoch müssen hierbei hohe Import- und Versandkosten sowie der Wechselkurs von Dollar mit einberechnet werden – eine teure Angelegenheit.
Der Amphicar-Club ist daher eine große Hilfe: ein unverzichtbares Netzwerk für Fans von Wasserautomobilen, eine ideale Anlaufstelle für das nötige Wissen.
Ein Verein von Gleichgesinnten
Die Amphicar-Community ist eine enge und leidenschaftliche Gruppe. Thomas Kütter schätzt die gemeinschaftlichen Treffen und die kollektive Begeisterung für diese einzigartigen Automobile. Er ist der Meinung, dass es ohne diese auch fast unmöglich ist, die Fahrzeuge auf Vordermann zu bringen und zu halten. „Zu Beginn lernt man sehr viel von den anderen Mitgliedern, zum Beispiel für die Restauration, später ist es vor allem für Ersatzteile einfach unverzichtbar.“ Die Gemeinschaft trifft sich regelmäßig für Ausfahrten auf dem Land und zu Wasser, was den sozialen Aspekt dieser besonderen Leidenschaft unterstreicht. Für Interessierte stehen die Treffen auch auf der Website des Clubs ausgeschrieben. Außerdem gibt es eine jährliche, einwöchige „Amphib-Tour“. Das Besondere hierbei: Jedes Jahr geht es in ein anderes Land. Es fahren circa 100 verschiedene Wagen mit und die Truppe war bereits in Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Italien unterwegs. „Man tauscht sich aus, unternimmt jeden Tag eine Ausfahrt und hat eine Menge Spaß. Letztes Jahr haben wir eine Fahrt in Amsterdam bei Nacht gemacht, das war schon fantastisch!“
Das Schwimmobil in Aktion
Egal, ob als Gruppe unterwegs oder allein, so ein Amphicar zieht schnell die Blicke aller auf sich. „Die Propeller sind einfach ein wahrer Blickfang. Außerdem ist einfach jeder erstaunt über den Fakt, dass ein Auto schwimmen kann, da staunt Klein und Groß.“
Aber wie ist es überhaupt, ein Amphicar zu fahren? Thomas Kütter beschreibt es als ein einzigartiges Erlebnis. Durch seine geschickte Anbindung ans Wasser – „wir wohnen keine 200 Meter von der Weser entfernt“ – unternimmt er regelmäßige Ausflüge mit seinen zwei Fahrzeugen des Modells 770. Die Modellbeschreibung steht übrigens für 7 Meilen im Wasser und 70 Meilen auf dem Land, was einer Geschwindigkeit von etwa 12 km/h beziehungsweise 120 km/h entspricht.
Das Fahren auf Flüssen und Seen unterliegt strengen Regeln, die denen für Motorboote ähneln: Es wird beispielsweise ein Bootsführerschein benötigt, um die Fahrzeuge über 15 PS im Wasser zu nutzen. Auch muss beachtet werden, dass nicht jedes Gewässer befahren werden darf; so ist auf dem Bodensee ein Schwimmauto nicht erlaubt. Den Schweriner See hingegen nennt Thomas Kütter das Paradies für Amphicars, da hier keine Strömung herrscht.
Für eine sichere Fahrt müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, wie eine Straßen- und eine Bootszulassung. Da es sich um ein Fahrzeug für den Straßenverkehr handelt, müssen – wie in jedem Auto – das Warndreieck, Warnwesten und ein Verbandskasten mitgeführt werden. Zusätzlich müssen Paddel an Bord sein sowie Rettungswesten, ein Anker und zusätzlich zur Wagenbeleuchtung werden spezielle Leuchtmittel notwendig, wie das Dampferlicht.
Unfälle sind ihm oder jemandem in seinem Bekanntenkreis zum Glück noch nie passiert. Aber Pannen gibt es immer wieder: „Als wir auf dem Lago Maggiore waren, hat sich die Türdichtung ausgehängt und es ist Wasser reingelaufen. Aber wir kamen problemlos an Land, haben das Wasser rausgepumpt und die Dichtung wieder eingehängt“, erklärt der Hobbykapitän gelassen. „Das ist halt ein Boot mit vielen Löchern, das passiert schon mal.“
Blick in die Zukunft
Aktuell besitzt er nicht nur mehrere Amphicars, wie den Solo 750 mit Allrad-Antrieb aus den 1970ern oder einen von 36 gebauten Amphi-Ranger, sondern auch mehrere Mercedes und weitere Wagen, auch wenn (noch) nicht alle ein H-Kennzeichen tragen – „Das fängt so mit einem Fahrzeug an und dann hat sich das einfach weiterentwickelt. Die sind mir alle zugelaufen“, scherzt Thomas Kütter. Seine Frau hat er mit seinem Enthusiasmus an Schwimmautos ebenfalls angesteckt – diese hat sich jedoch für ein „neueres“ Modell entschieden, nämlich einen Gibbs Aquada, „die letzte Revolution der Schwimmautos“, wie der Sammler ihn gern bezeichnet. Das Besondere an diesem Fahrzeug ist die Anordnung der Sitze: Der Fahrersitz befindet sich in der Mitte, die Beifahrenden nehmen links und rechts Platz. Außerdem ist der Gibbs Aquada etwas schneller unterwegs als seine Wasserauto-Vorgänger.
Der Amphicar-Enthusiast ist stets auf der Suche nach Wegen, seine Schwimmautos zu verbessern und seine beeindruckende Sammlung für zukünftige Generationen zu erhalten. Die Liebe zu den Fahrzeugen hat er an seine Kinder weitergegeben und hofft, dass er auch seine Enkel begeistern kann, sobald sie groß genug sind. Für ihn sind seine Amphicars lebendige Zeugnis der Ingenieurskunst und der kulturellen Geschichte, die es zu bewahren gilt. Deshalb stellt er seine Klassiker gerne auch bei Messen und Veranstaltungen aus. Thomas Kütter war jahrelang bei DEKRA tätig – unter anderem als Abteilungsleiter für Prüfwesen. Aktuell ist der Rentner als Lehrbeauftragter bei DEKRA angestellt und hält Gast-Lehrgänge sowie Schulungen und unterstützt auch hier mit seinen Fahrzeugen zur optischen Veranschaulichung.
Das Wichtigste für ihn und seine Frau ist in ihrer Sammelleidenschaft und der Pflege der klassischen Wasserfahrzeuge jedoch eins: einfach Spaß haben. Auch diesen Sommer werden die beiden viel Zeit mit ihren vielseitigen Oldtimern zu Land und zu Wasser das schöne Wetter genießen – Ahoi!