Verschlissene Scheibenwischer rechtzeitig austauschen

Gute Pflege, gute Sicht – für die Sicherheit

27. März 2024 Automobil
  • Defekte Wischer sind ein Sicherheitsrisiko
  • Schlechte Sicht insbesondere bei Gegenlicht
  • Wenn sich Schlieren zeigen, Wischerblätter wechseln

Die ersten Autofahrer mussten bei Regenwetter anhalten oder das Dach öffnen, um die Frontscheibe freizumachen. Diesen Job übernehmen heute High-Tech-Scheibenwischer-Systeme, häufig unterstützt durch Intervallschaltung und Regensensoren. Allerdings: Gute Sicht garantieren sie nur dann, wenn die Wischerblätter gepflegt und rechtzeitig ausgetauscht werden. Für einen Check der Wischer ist das Frühjahr ein guter Zeitpunkt.

„Gute Sicht zählt zu den wichtigsten Dingen, wenn es um Sicherheit im Straßenverkehr geht“, sagt Stefanie Ritter, Unfallforscherin bei DEKRA. „Mit verschlissenen Scheibenwischern ist das nicht gewährleistet. Regenfahrten können dann leicht zum Blindflug werden.“ Abgenutzte Wischer hinterlassen auf der Scheibe feine Schlieren, die den Fahrenden die Sicht nehmen, wenn es eigentlich besonders darauf ankommt: bei Regen, Nebel oder Schneefall. Auch feine Verschmutzungen, wie etwa Staub oder Insektenrückstände, lassen sich mit verschlissenen Gummilippen nicht mehr einfach wegwischen.

Blendeffekte bei Gegenlicht

Vor allem bei Dämmerung und im Dunkeln können Blendeffekte die Sicht stark einschränken. Sobald das Scheinwerferlicht des Gegenverkehrs auf Schlieren oder Schmutz auf der Scheibe trifft, entsteht viel Streulicht. Abgenutzte Wischerblätter können so zum Sicherheitsrisiko werden.
Bei der Hauptuntersuchung gelten verschlissene Scheibenwischer als Mangel und müssen umgehend behoben werden. Geht ein beschädigtes Wischerblatt noch als geringer Mangel durch, gelten nicht funktionstüchtige oder nicht vorschriftsmäßige Scheibenwischer als erheblicher Mangel. Das gilt auch für Wischer an Heckscheibe und Scheinwerfern, denn was am Fahrzeug verbaut ist, muss auch funktionieren.
„Gehen Sie kein Risiko ein“, empfiehlt die Expertin von DEKRA. „Es lohnt sich, die Wischerblätter im Blick zu behalten. Gönnen Sie ihnen von Zeit zu Zeit eine Reinigung und spendieren ihnen etwas Pflegemittel.“ Häufig reicht dafür ein feuchtes Tuch, bei stärkerer Verschmutzung leisten Glasreiniger oder warmes Wasser mit einem Spritzer Spülmittel gute Dienste.

Den Wischern unnötigen Stress ersparen

Hochwertige Wischerblätter sind heute auf mehr als 750.000 Wischer-Perioden ausgelegt. Damit wischen sie insgesamt eine Fläche von rund 60 Fußballfeldern frei. Sie halten einem Temperaturspektrum von -30°C bis +80°C ebenso stand wie direkter UV-Strahlung durch die Sonne. Unnötigen Stress sollte man ihnen trotzdem ersparen, sonst leidet ihre Haltbarkeit. Scheibenwischer wurden entwickelt, um Wasser, feinen Partikeln und Insektenresten zu Leibe zu rücken – groben Schmutz, Laub oder Eisplatten entfernt man besser von Hand.
„Häufig werden Wischerblätter beschädigt, wenn man nach einer frostigen Nacht an den festgefrorenen Blättern reißt. Besser ist es, sie durch Auftauen der Frontscheibe zu lösen“, empfiehlt Ritter. Wer in einer Frostnacht im Freien parkt, stellt die Wischer besser schon am Abend auf, damit sie nicht festfrieren. Auch wer über Eisplatten oder zu viel Schneelast wischt, tut den Gummilippen und dem Wischermotor keinen Gefallen.
Doch selbst bei bester Pflege bleiben die Wischer Verschleißteile, die über kurz oder lang ausgetauscht werden müssen. Ein Wechsel bahnt sich an, wenn sie zu quietschen oder rattern beginnen, und fällig ist er spätestens, wenn sie Schlieren hinterlassen und Teile der Scheibe nicht mehr vollständig reinigen.

Erstes Patent im Jahr 1903

Das erste Patent auf einen Scheibenwischer meldete die US-Amerikanerin Mary Anderson im Jahr 1903 an. Nach Lösungen, die von Hand bewegt wurden oder mit Unterdruck arbeiteten, stellte Bosch im Jahr 1926 die erste elektrisch angetriebene Wischeranlage vor. Auch ein zweiter Wischer für die Beifahrerseite war möglich. Später kam der „Scheibenspüler“ (1959) hinzu, und die Überdeckung der beiden Wischerblätter machte das Sichtfeld größer.
Danach sorgten Intervallschaltung, Heckscheibenwischer und Regensensor für noch mehr Komfort und Sicherheit. In den 1990er Jahren wurden die Wischerblätter durch die Kombination von zwei unterschiedlichen Gummisorten weiter auf Temperaturresistenz und Laufruhe getrimmt. Dann kam das gebogene Wischerblatt, das sich der Wölbung der Scheibe anpasst und damit für einen gleichmäßigen Anpressdruck und für gute Wischqualität sorgt.
„Heutige Scheibenwischer sind High-Tech-Bauteile, die alles tun, um gute Sicht zu ermöglichen“, so die Unfallforscherin von DEKRA. „Aber nur so lange, bis sie verschlissen sind, und dann gilt es zu handeln.“