Charging Infrastructure: The Backbone of E-Mobility
Ende 2024 gab es in der EU erstmals mehr als eine Million öffentliche Ladepunkte – 35 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Allein in Deutschland gibt es Ende 2025 rund 184.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte, davon etwa 45.000 Schnellladepunkte. Das bedeutet: Derzeit kommen etwa 11 Elektrofahrzeuge auf einen öffentlichen Ladepunkt.
Die Europäische Kommission hat jedoch ein deutlich ehrgeizigeres Ziel: Bis 2030 sollen EU-weit 3,5 Millionen öffentliche Ladepunkte zur Verfügung stehen. Das erfordert rund 410.000 Neuinstallationen pro Jahr – fast dreimal so viel wie derzeit. Allein in Europa wurden in den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 über zwei Millionen neue Elektrofahrzeuge zugelassen – ein Plus von 26,2 Prozent. Mehr Neuzulassungen bedeuten einen höheren Bedarf an Ladestationen.
Ladestationen in der EU pro 100.000 Einwohner:
- Belgien: 938
- Luxemburg: 758
- Dänemark: 724
- Österreich: 666
- EU-Durchschnitt: 269
- Deutschland: 217
- Rumänien: 19
Sicherheit geht auch beim Laden vor
Seit April 2024 gilt EU-weit die Verordnung über die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR). Sie legt verbindliche Standards für den Bau und Betrieb öffentlicher Ladeinfrastrukturen fest. Die Anforderungen reichen von der technischen Ausstattung bis hin zu Aspekten der Cybersicherheit. Damit eine Ladestation als sicher zertifiziert werden kann, muss sie verschiedene Anforderungen erfüllen:
Weder die Spannung noch die Temperatur der Batteriezellen dürfen während des Ladevorgangs kritische Grenzwerte überschreiten. Die Benutzer müssen jederzeit vor Stromschlägen geschützt sein. Die Systeme müssen extremen Bedingungen wie Frost, Regen oder UV-Strahlung standhalten.
Michael Ringleb, Produktmanager für Elektrotechnik und E-Mobilität bei DEKRA Automobil, erläutert das Zulassungsverfahren vor Inbetriebnahme einer Ladestation: „Es umfasst eine Sichtprüfung sowie die Prüfung relevanter Dokumente und Protokolle gemäß den gesetzlichen Anforderungen.“
Mit den Vorschriften will die EU ein umfassendes, interoperables und sicheres Ladenetz in allen Mitgliedstaaten schaffen. Alle öffentlichen Ladepunkte sollen digital vernetzt sein, alle funkgesteuerten Ladestationen müssen Cybersicherheitsstandards erfüllen. Die festgelegten Standards sind zwar aus Sicherheitsgründen wünschenswert, verlangsamen jedoch das Expansionstempo.
Fachkräftemangel bremst Expansion
„Manchmal hat man den Eindruck, dass sich jeder, der ein Stromkabel anschließen kann, für kompetent hält, eine Ladestation zu installieren“, sagt DEKRA-Experte Ringleb. Er hat jedoch Fälle erlebt, in denen die Betriebs- oder Installationsanweisungen offensichtlich nicht gelesen wurden, und in einigen Fällen stellte er einen Mangel an Grundkenntnissen fest, „die Teil des ersten oder zweiten Ausbildungsjahres sind“. „Kabelquerschnitte sind zu klein dimensioniert oder die Erdung ist nicht korrekt ausgeführt. Hier macht sich der Fachkräftemangel direkt bemerkbar.“ Das Problem liegt oft bei Subunternehmern mit unzureichender Qualifikation. Die Herausforderung wird durch die zunehmende Komplexität noch verschärft: Netzanschlussgenehmigungen, die Abstimmung mit Netzbetreibern und die Integration intelligenter Lade- und Kommunikationstechnologien erfordern spezielles Fachwissen.
Ladestationen sind für die Elektromobilität das, was Tankstellen für Verbrennungsmotoren sind: eine Lebensader mit höchsten Anforderungen an die Funktionssicherheit. DEKRA unterstützt Betreiber und Investoren von Ladeinfrastruktur bei der Planung, der Auswahl von Systemen und Komponenten, testet und zertifiziert diese nach allen aktuellen Standards. Als globaler Partner für eine digitalisierte und nachhaltige Welt steht DEKRA für Innovation und Sicherheit, die Hand in Hand gehen – damit die Zukunft der Mobilität auch für Menschen, Unternehmen und die Gesellschaft sicher ist.