Charging Infrastructure: The Backbone of E-Mobility

14. Jan. 2026

Der Ausbau liegt unter dem Bedarf

Ende 2024 gab es in der EU erstmals mehr als eine Million öffentlicher Ladepunkte2 – 35 Prozent mehr als im Jahr davor. Allein in Deutschland sind es Ende 2025 rund 184.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte, davon etwa 45.000 Schnellladepunkte. Das bedeutet: Auf jeden öffentlichen Ladepunkt kommen derzeit etwa 11 Elektrofahrzeuge.
Doch die Europäische Kommission hat ein deutlich ambitionierteres Ziel: Bis 2030 sollen EU-weit 3,5 Millionen öffentliche Ladepunkte verfügbar sein. Das erfordert rund 410.000 Neuinstallationen pro Jahr – fast das Dreifache der aktuellen Ausbaugeschwindigkeit. In Europa wurden allein in den ersten zehn Monaten 2025 über zwei Millionen neue Elektrofahrzeuge zugelassen – ein Plus von 26,2 Prozent. Mehr Neuzulassungen bedeuten mehr Bedarf an Ladestationen.
Ladepunkte in der EU pro 100.000 Einwohner:
  1. Belgien: 938
  2. Luxemburg: 758
  3. Dänemark: 724
  4. Österreich: 666
  5. EU-Mittelwert: 269
  6. Deutschland: 217
  7. Rumänien: 19

Auch beim Stromtanken gilt: Sicherheit geht vor

Seit April 2024 gilt EU-weit die Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR). Sie legt verbindliche Standards für den Aufbau und Betrieb öffentlicher Ladeinfrastruktur fest. Die Vorgaben reichen von der technischen Ausstattung bis hin zu Aspekten der Cybersicherheit. Damit eine Ladesäule als sicher zertifiziert wird, muss sie verschiedenste Voraussetzungen erfüllen:
Weder Spannung noch Temperatur der Batteriezellen dürfen beim Laden kritische Grenzen überschreiten. Nutzer müssen jederzeit vor Stromschlägen geschützt sein. Die Anlagen müssen extremen Bedingungen wie Frost, Regen oder UV-Strahlung standhalten.
Michael Ringleb, Produktmanager für Elektrotechnik und E-Mobilität bei DEKRA Automobil, erklärt den Abnahmeprozess bevor eine Ladestation in Betrieb geht: „Er umfasst eine Sichtprüfung sowie die Prüfung relevanter Dokumente und Protokolle gemäß den regulatorischen Anforderungen."
Mit den Regulierungen will die EU ein flächendeckendes, interoperables und sicheres Ladenetz in allen Mitgliedstaaten schaffen. Alle öffentlichen Ladepunkte sollen digital vernetzt sein, alle funkfähigen Ladestationen müssen dabei Cybersecurity-Standards erfüllen. Die gesetzten Standards sind wünschenswert in puncto Sicherheit, allerdings drosseln sie das Ausbautempo.

Fachkräftemangel bremst den Fortschritt zusätzlich

„Manchmal entsteht der Eindruck, dass jeder, der ein Stromkabel anschließen kann, sich für kompetent hält, eine Ladestation zu installieren“, sagt DEKRA Experte Ringleb. Er hat Fälle erlebt, in denen Betriebs- oder Montageanleitungen eindeutig nicht gelesen wurden, und in einigen Fällen stellte er einen Mangel an Grundkenntnissen fest, „die zum ersten oder zweiten Ausbildungsjahr gehören. Kabelquerschnitte werden zu klein dimensioniert oder die Erdung nicht korrekt ausgeführt. Da wird der Fachkräftemangel direkt spürbar." Das Problem liege oft bei Subunternehmen mit unzureichender Qualifikation. Die Herausforderung verschärft sich durch wachsende Komplexität: Netzanschluss-Genehmigungen, Koordination mit Netzbetreibern und Integration intelligenter Lade- und Kommunikationstechnologien erfordern spezialisiertes Fachwissen.
DEKRA: Vertrauen durch Expertise
Ladestationen sind für die Elektromobilität das, was Tankstellen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sind: eine Lebensader mit höchsten Anforderungen an funktionale Sicherheit. DEKRA unterstützt Betreiber und Investoren der Ladeinfrastruktur bei Planung, System- und Komponentenauswahl, prüft und zertifiziert sie nach allen aktuellen Standards. Als globaler Partner für eine digitalisierte und nachhaltige Welt steht DEKRA dafür ein, dass Innovation und Sicherheit Hand in Hand gehen – damit auch die Zukunft der Mobilität für Menschen, Wirtschaft und Gesellschaft sicher ist.